Volksstimme: Herr Wollitz, am 2. Januar wurden Sie als neuer FCM-Trainer vorgestellt. Welchen Eindruck haben Sie von der Mannschaft?

Claus-Dieter Wollitz: Die Mannschaft ist sehr offen und zugänglich. Ich habe mit vielen Spielern bereits Einzelgespräche geführt. Das Team ist allerdings auch sehr ruhig, muss zu mehr Kommunikation aufgefordert werden. Jeder Spieler soll sich daran beteiligen, dass es auf dem Platz lauter wird. Das gilt nicht nur für die Führungsspieler.

Was hat Sie am FCM gereizt?

Der FCM ist für mich eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Der Verein ist klar strukturiert, jeder hat seine Aufgabe. Ich war begeistert, als mir gesagt wurde, dass ich mich nur um den Fußball, um den Trainerjob kümmern soll. Genau das möchte ich.

Sie sind auf dem Trainingsplatz sehr emotional und laut. Wie reagieren die Spieler darauf?

Wichtig ist, dass Spieler Kritik nicht persönlich nehmen. Das muss jeder lernen. Wenn ich während des Trainings mal deutlich werde, will ich Spieler und Mannschaft verbessern. Klar ist aber auch, dass jeder Spieler damit anders umgeht.

Was machen Sie dann?

Manche brauchen eine ruhige Ansprache. Ich spüre genau, wer wie reagiert, und stelle mich deshalb auf die verschiedenen Charaktere ein. Ich fühle mich beim Club bereits angekommen, wichtig ist aber, dass ich bei der Mannschaft ankomme.

FCM-Sportchef Maik Franz sprach von einem Mentalitätsproblem, das der FCM in der Vorrunde hatte. Wie wollen Sie das beheben?

Mentalität ist ein großes Wort. Wir müssen alle verstehen, dass wir konstanter werden müssen, um erfolgreich zu sein. Ich beobachte viel und spreche die Dinge klar an. Wenn die Spieler Bedenken haben, möchte ich allerdings auch, dass sie diese äußern. Wir werden nur konstanter werden, wenn wir miteinander reden und uns vertrauen. Das ist die Grundlage dafür, dass man auf dem Platz eine Mentalität sieht, sprich, dass die Spieler füreinander kämpfen.

Wodurch soll sich eine Mannschaft auszeichnen, die von Claus-Dieter Wollitz trainiert wird?

Das Spiel soll auf die Mannschaft zugeschnitten werden. Wir wollen wieder eine Wucht auf dem Platz entwickeln. Dafür gilt es aber, den Kader breit zu machen.

Was heißt das konkret?

Das bedeutet, dass wir uns nicht nur um die ersten elf kümmern, sondern gerade die, die in diesem Moment dahinter sind, verbessern wollen. Sie sollen den Druck auf die Stammspieler erhöhen und dadurch die gesamte Qualität des Kaders anheben.

Welcher Spieler hat Sie bisher überrascht?

Marcel Costly zum Beispiel. Er hatte zuletzt eine schwierige Zeit. Ihm fehlte die Unbekümmertheit, die ihn in der Rückrunde 2017/18 ausgezeichnet hatte. Ich habe ihm Mut zugesprochen, habe gesagt, dass er sich an seine Stärken erinnern soll, diese aufschreiben soll. Viel passiert im Unterbewusstsein. In den vergangenen Tagen war er im Training sehr präsent, hat frei aufgespielt. Das muss ihm jetzt aber eben auch im Punktspiel gelingen. Gleiches gilt für Anthony Roczen und Manfred Kwadwo, die in der Hinrunde nicht konstant waren.

Am 23. Dezember gab der FCM Ihre Verpflichtung bekannt. Wann hat sich der Club bei Ihnen gemeldet?

Geschäftsführer Mario Kallnik hat mich am 19. Dezember angerufen und gefragt, ob es wahr ist, dass ich meinen Vertrag bei Energie auflösen will. Ich habe ihm bestätigt, dass ich den Kontrakt am folgenden Tag auflösen werde. Kontakt bestand aber auch schon zu Sportchef Maik Franz, weil wir uns bereits lange kennen. Da ich frei war, haben wir am 22. Dezember erste konkrete Gespräche geführt. Danach ging es schnell.

Wieso ging es so schnell?

Mario Kallnik, Maik Franz und ich waren sofort auf einer Wellenlänge – wie ich Fußball sehe, wie ich eine Mannschaft führe. Wir haben ein klares gemeinsames Ziel, die schnellstmögliche Rückkehr in die 2. Bundesliga. Ich habe ihnen auch gesagt, dass ich mich freue, dass sie sich tiefer mit mir als Person auseinandergesetzt haben – und nicht nur mit dem Bild, das in der Öffentlichkeit oberflächlich von mir gezeichnet wird.

Viele Fans hingegen haben Ihre Verpflichtung kritisiert. Wie gehen Sie damit um?

So etwas lese ich zwar nicht mehr, aber mir wurde davon berichtet. Das lasse ich nicht mehr an mich heran. Es ist eine oberflächliche Betrachtung, die Leute kennen mich doch gar nicht. Ich glaube auch, dass ich als Trainer weitaus mehr Qualitäten habe, als viele denken. In Osnabrück und Cottbus war ich zweimal. Es gibt ja Gründe, warum die Verantwortlichen mich zurückgeholt haben. Ich kann einer Mannschaft ein Gesicht geben, eine Philosophie vermitteln.

Wie sind Ihnen denn die FCM-Fans begegnet, die in Spanien mit dabei sind?

Ausnahmslos positiv. Ich bekomme hier viel Zuspruch. Erst vor einigen Tagen kam ein Fan zu mir und sagte etwas verwundert: „Sie sind ja herzerfrischend und sympathisch.“ Daraufhin habe ich geantwortet: „Ich wusste noch gar nicht, dass ich unsympathisch sein soll.“ Ich bin ein offener Typ und gehe gerne auf Menschen zu.

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