Magdeburg l Stefan Krämer hat am vergangenen Sonnabend mit einer These ziemlich sicher falsch gelegen: Er hat nach dem 1:1 seines KFC Uerdingen beim FCM gesagt, dass die „großartige Atmosphäre“, die außerhalb der Corona-Pandemie normalerweise in der MDCC-Arena herrscht, dem Drittligisten 1. FC Magdeburg zum Heimvorteil fehlt.

Krämer kennt diese Atmosphäre, er hat die Blau-Weißen in der ersten Saisonhälfte 2019/20 trainiert, ehe er gehen musste: „In Analyse der großen Leistungsschwankungen unserer Mannschaft in der Vorrunde sehen wir unsere Entwicklungsziele gefährdet“, sagte damals FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik. Krämer wurde von seinen Aufgaben entbunden – Platz zwölf war dem Verein nicht gut genug. Zumal der FCM mit ganz anderen Ambitionen nach dem Abstieg aus Liga zwei in die Drittliga-Saison gestartet war.

Ein Jahr und ein paar Tage später sieht die Situation um einiges finsterer aus. Der FCM steht auf Abstiegsplatz 19. Der letzte von erst drei Saisonsiegen datiert vom 28. November (1:0 in Zwickau). Sechs Remis und acht Niederlagen komplettieren die Bilanz. Vier Punkte Rückstand sind es bis zum rettenden Ufer. So weit die Zahlen. Zurück zu den Emotionen. Und zur These Krämers.

Wenn Corona nicht wäre, würden wohl nur wenige Spieler die Stimmung in der Arena ertragen, derart laut wäre die Kritik, die ihnen ob der zuletzt gezeigten Leistungen von den Tribünen entgegengebrüllt würde. Und der Trainer? Er würde womöglich nicht mehr Thomas Hoßmang heißen.

Inzwischen müssten sich die FCM-Verantwortlichen fragen, wie sie den 54-jährigen Hoßmang schützen können. Und womöglich haben sie sich das gefragt, als die Gremien gestern zur aktuellen Situation berieten. Eine Mitteilung dazu gab es nicht.

Der Sturm der Entrüstung über den momentanen Leistungsstand bläst jedenfalls gewaltig in der Fan-Szene. Vor allem durchs Internet. Aber auch sichtbar in der Stadt. Vor Heiligabend wurden von „Block U“ in Magdeburg Zettel verteilt mit dem Titel: „Meine Weihnachts-Wunschliste“. Sie wünschten sich: „1. einen fähigen Trainer. 2. Siege statt Phrasen. 3. zurück ins HKS.“

Solche Signale werden über die öffentlichen Foren ebenfalls verschickt. Zuweilen mit bitterem Humor: „Werte Gremien des 1. FC Magdeburg. Gemäß aktuellem Beschluss darf ein Verein fünfmal wechseln. Bitte umgehend die vier Trainer plus den Greenkeeper wechseln“, forderte Lars Klehm auf der Facebook-Seite des Vereins nach dem Spiel gegen Uerdingen. „Dieses Spiel war ein weiterer Beweis dafür, dass dieser Trainer keine Minute mehr auf die Bank gehört. Wie lange will man uns Fans noch verarschen“, fragte Ralle Kurz. Addo Keitel schrieb: „Wenn der Trainer Charakter hätte, würde er von sich aus den Hut nehmen.“

Duisburg als Schlüsselspiel?

Nach dem 1:2 gegen Saarbrücken am Dienstag wurde es nicht besser, wenngleich Hoßmang die Neuzugänge Saliou Sané und Nico Granatowski ins Spiel brachte und zumindest phasenweise eine Steigerung des zuvor unterirdischen Offensivspiels zu sehen war. Eric Sager schrieb auf der Facebook-Seite der Volksstimme: „Ohne Worte. Trainerwechsel jetzt sofort. Ansonsten steigen wir ab. Nur Kampfgeist, kein Fußball, nur Gebolze, nach vorne keine Taktik.“

Dass der FCM einen Trainer nicht als Denkmal betrachtet, hat er bereits bewiesen – nicht selten hat er reagiert, als der öffentliche Druck immer größer wurde. Keinen Druck hatte der FCM allerdings bei Jens Härtel. Im November 2018 musste der Aufstiegstrainer und Liebling der Fans während der ersten Halbserie in der zweiten Liga dennoch seinen Posten räumen. Geschäftsführer Kallnik begründete damals: „Wir haben neun von 39 Punkten geholt... Wir haben die zweitschwächste Heimbilanz und mit die meisten Gegentore kassiert. Unser Prunkstück war immer die Defensive. Das ist umso bitterer.“

Zwei Saisons später ist die Defensive wieder das Prunkstück. Zwei Saisons später ist die Offensive das große Manko. Und deshalb stimmen die Ergebnisse nicht. Der FCM hat in 17 Spielen nur 15 der möglichen 51 Punkte gesammelt. Trotzdem wird Hoßmang die Chance gegeben, den Sprung aus dem Keller zu schaffen. Die Partie am 20. Januar beim Letzten MSV Duisburg ist dabei wohl ein Schlüsselspiel.

Der Verein hat also weitaus mehr Geduld mit Hoßmang als mit seinen Vorgängern. Zur Härtel-Trennung – schon nach 13 Partien – hatte Kallnik damals gesagt: „Wenn man sich die Fakten anschaut, wird klar, dass wir an einem Punkt sind, an dem wir eine Entscheidung treffen mussten.“