Magdeburg l Seit Montagabend gehen Jens Härtel und der 1. FC Magdeburg getrennte Wege, auch Co-Trainer Ronny Thielemann wurde freigestellt.

Ihre Bilanz in der 2. Bundesliga: neun Punkte aus 13 Spielen. Spielerisch? Zu oft zu wenig. Die Trainerentlassung war also ein normaler Vorgang im nicht gerade als romantisch geltenden Profi-Fußball – möchte man meinen. Wenn der Erfolg ausbleibt, ist die Neubestzung auf einer Schlüsselposition naheliegend. Das ist am Spielfeldrand nicht anders als auf dem Platz.

Verein lebt von seinen Emotionen

Doch den 1. FC Magdeburg und sein Umfeld nur rational erfassen zu wollen, ist realitätsfern. Wie kaum ein anderes Team in der 2. Bundesliga lebt der Verein von seinen Emotionen – vor allem auf den Rängen. Die Fans des FCM zählen zu den treusten, emotionalsten der Liga, viele gegnerische Teams sind beeindruckt von der Kulisse bei FCM-Heimspielen. Oft nehmen Tausende FCM-Anhänger am Wochenende Deutschland-Rundreisen in Kauf, um den Club zu unterstützen, dem Ende der Arbeitswoche wird entgegengefiebert, weil der FCM wieder spielt. Und das nicht erst seit dem historischen Aufstieg in die 2. Bundesliga – mit Jens Härtel.

Er führte den FCM in nur vier Jahren von der Regionalliga Nordost bis in die 2. Bundesliga. Fans, deren Schlagworte Tradition und Verbundenheit sind, assoziieren mit so einem Trainer auch oder vor allem den Hashtag #einmalimmer.

Bilder

Viele enttäuschte FCM-Fans

Und so reagierten die Anhänger des 1. FC Magdeburg enttäuscht über die Entscheidung der FCM-Vereinsführung um Mario Kallnik und Maik Franz. Nicht nur viele, sondern nahezu alle Kommentare unter der bei Twitter geteilten Pressemitteilung des Vereins kritisierten Härtels Entlassung. So schrieb ein User: „Das ist echt arm. Lieber wäre ich wieder in die 3. Liga mit JH gegangen. Da verkommt die  hochgelobte DNA plötzlich zur Heuchelei.“ Ein anderer Twitter-Nutzer bedankte sich bei Härtel und Thielemann „für diese unfassbar geilen 4 Jahre!“, ein weiterer Kommentar beschreibt die Entlassung als „absolut schwache Entscheidung“. Ein anderer User verzichtete auf Wörter und twitterte nur ein Bild von Härtel, das ihn beim Aufstiegsjubel 2015 zeigt. "Schwach", "fassungslos", falsche Entscheidung" - der Tenor ist eindeutig.

Auch für die von der Volksstimme bei Facebook geteilte Nachricht, dass Härtel mit sofortiger Wirkung freigestellt wurde, fanden viele FCM-Fans deutliche Worte. So schrieb ein Facebook-Nutzer: "Und so verkam der Club gegen den modernen Fussball zu einer beliebigen 08/15 Nummer ohne Herzblut und Verstand. WENN man schon von Verantwortung spricht, dann sollte man eher fragen, WARUM Härtel für eine Liga höher ohne signifikante Verstärkung auskommen musste." Ein anderer Fan wurde noch deutlicher: "Was soll das? Er hat ja gute Arbeit gemacht! Nun bekommt er einen Arschtrit." Kommentare wie "Leute, so ist nun mal das Profigeschäft. Er konnte uns leider nicht mehr weiter helfen. Hier geht es um unseren FCM und nicht um eine Einzelperson" waren eher die Ausnahme.

Und auch bei der Volksstimme-Umfrage, ob Härtels Entlassung die richtige Entscheidung sei, stimmte mit rund 66 Prozent die Mehrheit aller Umfrage-Teilnehmer für "Nein", nur rund 28 Prozent ünterstützte den Härtel-Rauswurf und knapp sechs Prozent gaben: "Ist mir egal". (Stand, 7 Uhr)

 

Doch nicht nur virtuell, auch direkt vor der Geschäftsstelle und an vielen anderen Stellen in Magdeburg drückten die FCM-Fans ihre Enttäuschung aus und hingen Soruchbänder mit der Aufschrift "Den erfolgreichsten Trainer seit Heinz Krügel entlassen! Ihr werdet es noch bereuen“ auf.