Magdeburg l Kurz nachdem sein Wechsel zum 1. FC Magdeburg perfekt war, schaute sich Sören Bertram den Drittliga-Spielplan ganz genau an. Der 28-Jährige wollte wissen, wann der FCM gegen den Halleschen FC antritt. Für den HFC spielte er von 2013 bis 2016. „Es ist für mich deshalb kein normales Spiel. Ich hatte in Halle eine gute Zeit“, sagt er.

Aufregung in Halle

Allerdings hatte der Blick auf den Spielplan auch noch einen anderen Grund: Der Wechsel von Bertram nach Magdeburg hat nämlich vor allem bei den Anhängern des Halleschen FC für Unmut gesorgt – einige Kommentare in sozialen Netzwerken waren fernab des guten Geschmacks. Die Erleichterung war deshalb umso größer, als er erfuhr, dass der FCM am Wochenende des 2. November zunächst zu Hause gegen Halle spielt. „Wenn ich in Halle bin, hat sich die Situation hoffentlich beruhigt“, sagt er.

FCM-Fans reagieren ruhig

Die FCM-Fans hingegen verhielten sich nach dem Bertram-Wechsel überraschend ruhig. Es gab keine größeren Anfeindungen, kaum Skepsis. „Ich habe mir vor dem Wechsel natürlich meine Gedanken gemacht, wie wohl die Reaktionen der Magdeburger Fans sein würden. Bisher bin ich ganz gut weggekommen“, sagt er.

In Darmstadt passte es nicht

Bertram kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. „Ich bin ja nicht mal direkt vom HFC zum FCM gewechselt“, sagt er. Von Halle ging er 2016 für drei Jahre nach Aue, wechselte dann im Januar 2019 nach Darmstadt. In Hessen wurde er aber nicht glücklich. Der Grund: „Trainer Dirk Schuster hatte mich nach Darmstadt geholt und wurde nur zwei Wochen später entlassen“, erzählt Bertram. Mit Schusters Nachfolger Dimitrios Grammozis passte es nicht.

Bertram liebt Fußball im Osten

Wohlgefühlt hat sich Bertram augenscheinlich vor allem dann, wenn er in den neuen Ländern gespielt hat. „Im Osten hat der Fußball einen sehr hohen Stellenwert, die Derbys, die uns erwarten, sind etwas ganz Besonderes“, sagt er. „Ich habe richtig Lust, in der MDCC-Arena jetzt 20 000 Fans hinter mir zu haben – und nicht wie früher gegen mich.“

Umzug an die Elbe

In Magdeburg soll für ihn vieles wieder besser werden als zuletzt. Bertram sehnt sich nach Kontinuität, er möchte gerne wieder länger bei einem Verein bleiben. „Ich bin in den vergangenen neun Monaten dreimal umgezogen, einmal innerhalb von Aue, dann von Aue nach Darmstadt und jetzt wieder. Meine Frau hat schon im Spaß gesagt, dass sie sich als Umzugsunternehmerin selbstständig machen wird“, erzählt er im Spaß, stellt dann aber klar: „Ich würde mich freuen, wenn sich beim FCM etwas Langfristiges ergibt.“ Möglichst schnell möchte er sich jetzt eine Wohnung suchen. „Am liebsten würde ich in der Nähe der Elbe wohnen.“

Viele Jahre in Hamburg

Dass Bertram gerade die Elbe mag, überrascht nicht – schließlich verbrachte er viele Jahre beim FC St. Pauli und Hamburger SV. „Meine Frau kommt auch aus Hamburg“, sagt er. Auch die Entfernung zur Familie, die in Uelzen wohnt, ist nicht mehr weit. „Meine Mutter freut sich, dass ich wieder mal häufiger vorbeischauen kann“, sagt er. Außerdem kennt er Mario Kvesic, der vor einer Woche aus Aue zum FCM kam, noch gut aus der gemeinsamen Zeit beim FC Erzgebirge. „Wir haben uns auf und neben dem Platz gut verstanden“, sagt Bertram.

Das Gesamtpaket passte

Am Ende war es das Gesamtpaket, das für den FCM sprach. Das Sportliche und Private zusammen. Der Kontakt bestand übrigens schon etwas länger. „Sportchef Maik Franz und ich haben uns vor rund drei Wochen das erste Mal heimlich getroffen“, verrät Bertram, der zunächst einen Einjahresvertrag unterschrieb und die Rückennummer 20 erhält.

Flexibel in der Offensive

Auf dem Platz würde er nach eigener Aussage am liebsten als hängende Spitze oder auf der linken Offensivseite auflaufen. Dort sieht ihn auch FCM-Trainer Stefan Krämer, der in den Testspielen vorrangig ein 4-3-3 spielen ließ. Bertram könnte somit links im Dreiersturm neben Mittelstürmer Christian Beck auflaufen. „Sören bringt viel von dem mit, was wir nach dem Abgang von Marius Bülter gesucht haben“, betont Krämer. „Er ist flexibel einsetzbar, körperlich topfit und kann sofort durchstarten.“

Gestern im Training machte er laut Krämer bereits einen guten Eindruck. „Sören war sehr präsent, hatte viele Torabschlüsse. Das hat mir gefallen.“

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