Magdeburg l Mentalitätsprobleme, höhere Erwartungen an die Führungsspieler – Maik Franz, der Sportchef des 1. FC Magdeburg, sendete nach dem 0:2 bei Preußen Münster eine deutliche Botschaft an die Mannschaft. Und trotz des trainingsfreien Montags blieb das natürlich nicht unbemerkt. „Ich habe alles gelesen“, berichtete Offensivmann Sören Bertram gestern. Grundsätzlich könne er der Kritik nicht widersprechen – der 28-Jährige legt dennoch Wert auf eine differenzierte Einordnung.

FCM besser gegen stärkere Teams

„Die Tendenz, dass wir uns gegen gute Mannschaften leichter tun als gegen schwächere, ist schon zu erkennen“, sagt Bertram, „das ist dann eben auch kein Zufall mehr.“ An der grundsätzlichen Einstellung der Mannschaft liegt das seiner Meinung nach aber nicht. „Die Mentalität im Team ist gut, wir zeigen das nur nicht konstant.“ Für ihn ist das gerade deshalb ein Aspekt, der dringend diskutiert werden muss. „Damit müssen wir uns auseinandersetzen.“

Bertram: FCM noch ein junges Team

Als mögliche Ursache für die Inkonstanz hat Bertram auch das junge Alter und die damit einhergehende Unerfahrenheit des FCM ausgemacht. „Viele Spieler gehen ja überhaupt erst in ihre erste Saison in der 3.  Liga“, sagt er. Spieler wie Léon Bell Bell, Brian Koglin oder – mit Abstrichen – auch Thore Jacobsen. Schwankungen in den Leistungen der Mannschaft seien somit „möglich“.

Die Magdeburger liegen mit einem Durchschnittsalter von 25,8 Jahren bei den eingesetzten Spielern genau im Mittelfeld aller Drittliga-Teams. Laut „Kicker“ stellt Bayern München II mit 22,0 Jahren die jüngste und Uerdingen mit 27,2 Jahren im Schnitt die älteste Mannschaft. Etwas entkräftet wird das Argument von Bertram durch Clubs wie den MSV Duisburg (25,1 Jahre) oder FC Ingolstadt (24,9 Jahre), die trotz ähnlicher Altersstruktur ganz vorne mitspielen.

Kritik an FCM-Führungsspielern

Die beiden Konkurrenten haben allerdings mit Moritz Stoppelkamp bei Duisburg und Stefan Kutschke bei Ingolstadt Führungsspieler in ihren Reihen, die die jungen Mitspieler antreiben und mitreißen. Sportchef Maik Franz – „von Sören Bertram und Christian Beck erwarte ich einfach mehr“ – bemängelte da zuletzt das Auftreten seiner beiden Leitwölfe. „Dieser Kritik muss ich mich stellen“, räumt Bertram ein. Er definiert sich selbst als Führungsspieler und hat den Anspruch, voranzugehen. „Gegen Halle und Großaspach ist Christian und mir das ja auch gelungen. Maik Franz hat recht, wenn er sagt, dass gerade die jüngeren Spieler auf uns schauen.“ Nur: Am Ende sind Bertram und Beck nur zwei von elf Spielern auf dem Feld. „Und dass jeder erst einmal auf sich selbst schaut und darauf, dass die eigene Leistung passt, ist ja auch klar“, sagt Bertram, der auf die Gesamtleistung zukünftig aber mehr achten will.

Vertragsverlängerung beim FCM ist Ehre

Trotzdem haben die Aussagen von Franz schon jetzt einen Effekt. „Ich sehe das als motivierende Spitze an“, lässt der Stürmer wissen, „gegen Braunschweig wollen wir uns gut in die Winterpause verabschieden und nicht mit einem schlechten Gefühl. Vor Weihnachten hat da keiner Bock drauf.“

Was Bertram persönlich bedauert, ist, dass seine Vertragsverlängerung bis 2021 durch die Niederlage in Münster etwas untergegangen ist. Durch seinen 19. Pflichtspieleinsatz passierte das während des Spiels automatisch. „Für mich ist das eine große Ehre, dass ich ein weiteres Jahr für den FCM spielen darf“, erzählt er. Von Tag eins an habe er sich hier sehr wohlgefühlt, „obwohl ich aufgrund der HFC-Vergangenheit schon etwas Bedenken hatte. Aber das hat keine Rolle gespielt. Ich denke, die Fans können sich damit identifizieren, wie ich spiele.“

Bertram ist effektiv im FCM-Trikot

Mit acht Toren und zwei Vorlagen gehört er neben Beck zu den effektivsten Torschützen des FCM. Etwas, das Sportchef Franz neben der Kritik auch hervorhebt: „Sören ist ein super Fußballer und toller Typ. Ich freue mich riesig, dass sich sein Vertrag verlängert hat.“

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