Magdeburg l Vorige Woche haben die Verantwortlichen des 1.  FC Magdeburg einen Schlussstrich gezogen: Nach dem 2:2 in Braunschweig trennte sich der Verein von Trainer Stefan Krämer. FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik sprach davon, dass er die Entwicklungsziele des Vereins gefährdet sah. Für diese Einschätzung gab es mehrere Gründe.

Konsequenz

Es ist ein Schlüsselbegriff, den Kallnik von Stefan Krämer immer wieder einforderte, aber zu selten bekam. Konsequentes Handeln, zum Beispiel während eines Spiels: Wechsel oder taktische Umstellungen, wenn eine Partie mal stockt.

Stefan Krämer war oft zu zögerlich, setzte auch bei der Aufstellung kaum personelle Impulse. Im Gegenteil: Wenn es um den Einsatz junger Spieler ging, wurde er sogar zu seinem Glück „gezwungen“. Heißt: Erst durch Verletzungen eines Mitspielers kamen Morten Behrens, Brian Koglin, Leon Bell Bell oder Thore Jacobsen ins Team, die zuvor auf der Bank saßen. In der Folge überzeugten sie prompt und spielten sich fest.

Auch vermissten viele im Umfeld ein hartes Durchgreifen: Den einen oder anderen Führungsspieler hätte der Trainer nach durchwachsenen Leistungen durchaus mal als Zeichen in die Mannschaft hinein auf die Bank setzen können. Stattdessen gab er erfahrenen Spielern wie Timo Perthel und Christian Beck Stammplatz-Garantien.

Konstanz

Nur einmal gewann der FCM zwei Spiele in Folge – dem 3:0 gegen Unterhaching folgte das 2:1 in Großaspach. Ansonsten ließ das Team regelmäßig einer guten Partie eine schwache folgen. Gerade gegen vermeintliche Außenseiter wie Zwickau, Chemnitz (beide 0:0), Jena (1:1) und allen voran Münster (0:2) tat sich die Krämer-Truppe schwer.

Offenbar schaffte es die Mannschaft nicht, die Spannung hochzuhalten, sich nach Niederlagen weiter anzuheizen. Das Team ließ nach Siegen gegen 1860 München (5:1) oder Würzburg (3:0) die notwendige Gier vermissen.

„Wir haben ein Mentalitätsproblem“, sagte deshalb Sportchef Maik Franz nach der Niederlage in Münster – nach der es übrigens drei Tage frei gab – ein fatales Signal. Die Verantwortlichen erhoffen sich in diesem Bereich jetzt deutliche Fortschritte durch den neuen Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Spielidee

Stefan Krämer schürte im Sommer selbst hohe Erwartungen. Er kündigte Offensivfußball, positives Chaos und permanente Attacke an. Das Team musste sich allerdings zunächst finden und brachte dann diese Forderungen viel zu selten auf den Platz. Dadurch entwickelte sich schnell ein Gefühl von Enttäuschung. Dies verfestigte sich im Verlauf der Hinrunde, weil von einer klaren Spielidee, vom Offensivfußball zu selten etwas zu sehen war.

Chancenverwertung

Nach vielen Spielen waren die Aussagen immer wieder gleich. „Wir haben viele Chancen, müssen diese aber besser nutzen“, sagte Kapitän Christian Beck. Dabei waren Beck und Sturmpartner Sören Bertram mit je acht Treffern noch positive Ausnahmen. Doch dahinter wurde es dünn.

Der FCM erzielte nur 27 Treffer in 20 Partien. Aus dem Mittelfeld entwickelte der Club viel zu wenig Torgefahr. Björn Rother erzielte zwei Treffer, Rico Preißinger traf einmal. Thore Jacobsen und Jürgen Gjasula warten hingegen noch auf ihr erstes Tor. Auch der Ausfall von Spielmacher Mario Kvesic machte sich bemerkbar und konnte nicht kompensiert werden.