Magdeburg l Claus-Dieter Wollitz lief beim 1:2 des 1. FC Magdeburg gegen den FSV Zwickau in der zweiten Halbzeit auf Hochtouren. Hätte der FCM-Trainer ein Pulsgerät am Arm gehabt – es hätte sicherlich einen kritischen Wert angezeigt.

Den Grund für seine Aufregung wollte der Coach nach der Niederlage dann auch gar nicht verheimlichen. „Es ist mir zu billig, nur über vergebene Torchancen zu sprechen“, stellt er klar.

FCM-Team strahlt Verunsicherung aus

Vielmehr störte sich Wollitz an der Körpersprache seines Teams: „Das fing schon in der Halbzeit an, als die Spieler nur über die vergebenen Torchancen gesprochen haben. Das ist der falsche Ansatz.“

Der 54-Jährige hätte sich in der Pause keine hadernde Mannschaft gewünscht, sondern ein Team, das eine positive Mentalität, eine absolute Gier auf den Sieg ausstrahlt. „Die Jungs haben stattdessen selbst das Glas halbleer gemacht. Das sind Prozentpunkte, die fehlen können. Und gegen Zwickau haben wir die Quittung bekommen“, betont Wollitz.

Wollitz: "Zu wenig investiert"

Noch schlimmer wurde es dann in der zweiten Halbzeit, nachdem die Gäste die Partie gedreht hatten. „Es bringt nichts, drumherum zu reden. Jeder hat nur noch auf sich geguckt. Wir haben zu wenig investiert, um das Spiel am Ende für uns zu entscheiden“, kritisiert der Coach.

Wollitz bemüht ein gängiges Sprichwort: „Wenn ich nicht mit hundertprozentiger Überzeugung bereit bin, meinen inneren Schweinehund zu überwinden, dann passiert so etwas wie gegen Zwickau.“

FCM fehlt Überzeugung

Nach dem Rückstand ließ die Körpersprache der Mannschaft nämlich zu wünschen übrig. „Genau das war ein Problem. Als Spieler muss ich gerade dann den Ball haben wollen, wenn es nicht so gut läuft – und nicht nur, wenn das eigene Team führt“, sagt der Coach.

Diese fehlende Überzeugung ist nicht neu, war bereits in der Vorrunde und auch in Heimspielen immer wieder ein Problem. Das ist auch Wollitz bei seiner Analyse der vergangenen Monate nicht verborgen geblieben – und entsprechend wurmt ihn dieses Problem: „Wir wollen gerade zu Hause eine Wucht entwickeln. Das ist aber nur möglich, wenn die Spieler von sich und ihrer Stärke überzeugt sind. Daran gilt es zu arbeiten. Das soll der Anspruch sein.“

Hat Trainer zu spät reagiert?

In der ersten Halbzeit war von der angesprochenen Überzeugung zwar einiges zu sehen – im Spielverlauf fehlte aber die Konzentration und Konstanz, weiter dranzubleiben.

Ein Grund hierfür sieht Wollitz auch bei den Einwechselspielern. Dabei nimmt sich der Coach auch selbst in die Pflicht. „Vielleicht kamen die Wechsel etwas spät, darüber kann man sprechen“, gibt er zu. Aber: „Wir brauchen mehr Druck von der Bank. Beide hatten keine Abschlusssituationen. Das ist zu wenig.“ Gemeint waren Winter-Neuzugang Daniel Steininger und Anthony Roczen, die kurz nach Leon Bell Bell in die Partie kamen.

Wechsel bleiben wirkungslos

Beide blieben aber unauffällig, wirkten teilweise wie Fremdkörper. Die taktische Sicherheit, die der FCM noch in der ersten Hälfte hatte, war allerdings auch nicht mehr gegeben. In den letzten 20 Minuten vermittelte das Team nur selten den Eindruck, die Partie noch drehen zu können.

Die Erkenntnis nach der Punktspielpremiere von Wollitz ist klar: Trainer und Team haben in den kommenden Tagen einiges aufzuarbeiten, viele Dinge zu besprechen.

Der Coach lässt zwar keinen Zweifel an seiner eigenen Überzeugung, wirbt aber für Geduld: „Das sind Themen, über die wir gesprochen haben, die ich auch in den Griff bekomme. Doch dafür brauche ich Zeit.“

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