Magdeburg l Aleksandar Ignjovski hat die Erinnerung noch nicht aus dem Kopf bekommen. Die Erinnerung an diese Szene Mitte November: Testspiel gegen den FSV Barleben. Der neue Trainer Michael Oenning ist seit wenigen Tagen im Amt. Die Spieler wollen sich zeigen, wollen den Coach von ihrer Qualität überzeugen.

Ignjovski schreit vor Schmerzen

An diesem Novemberabend ändert sich viel für den 27-Jährigen: Nach einer Viertelstunde bestreitet Ignjovski einen Zweikampf. Soweit nichts Ungewöhnliches, Zweikämpfe sind die Kernkompetenz des defensiven Mittelfeldspielers. Doch als er zu Boden geht, fällt auf seinen rechten Ellenbogen, schreit laut. „Ich habe sofort gemerkt, dass Knochen gebrochen waren, dass es etwas Schlimmeres sein musste“, sagt Ignjovski rückblickend. „Ich konnte meinen rechten Arm nicht mehr richtig bewegen.“

Aleksandar Ignjovski spielte in seiner Karriere lange in der Bundesliga, für Werder Bremen, Eintracht Frankfurt und den SC Freiburg. Auch deshalb war sich Michael Oenning sicher: Der 27-Jährige wird ein Fixpunkt, ein Führungsspieler in seinem System. Doch seit jenem Testspiel ist alles anders.

Heftige Diagnose für FCM-Profi

Wenige Tage später folgende Diagnose: Zwei Bänder im Ellenbogen waren gerissen, mehrere Knochen gebrochen. Ende November wurde der Serbe operiert. Zunächst hatte er noch die Hoffnung, dass er nicht länger ausfällt. Der behandelnde Ellenbogen- und Schulterspezialist aus Pforzheim, Dr. Boris Hollinger, stellte aber eines schnell klar: „Er sagte mir, dass die Verletzung kompliziert ist. Und dass es lange dauern wird“, erzählt Ignjovski. Zunächst standen sogar noch weit mehr als die jetzt prognostizierten drei Monate Pause im Raum. „Ich hatte etwas Angst, als mir der Arzt sagte, dass ein Knochen aus meiner Hüfte in den Ellenbogen eingesetzt werden soll“, erklärt Ignjovski. Letztendlich war das aber doch nicht notwendig.

Ignjovski konnte nachts kaum schlafen

Nach der Operation Ende November musste sich Ignjovski in der Reha zunächst quälen. „Ich konnte kaum schlafen, war jeden Abend lange wach, hatte große Schmerzen“, erzählt er. „Es war eine sehr schwere Zeit, weil ich den Arm unter großen Anstrengungen jeden Tag dehnen musste. Das ist nicht so leicht für den Kopf.“ Anfangs brachte ihn seine Frau zum Physiotherapeuten. Ignjovski ist Rechtshänder. Da er diesen Arm nicht bewegen konnte, war er auf viel Hilfe angewiesen. Auch sein geliebtes Hobby, das Malen, liegt momentan auf Eis.

Ignjovski ist froh, dass er die schlimmste Phase mittlerweile überstanden hat. Die Verletzung hat ihn demütig werden lassen. „Ich habe großen Respekt vor Menschen, die schwere Verletzungen haben oder ihr ganze Leben damit Probleme haben“, sagt er. „Deshalb ist mir sehr wichtig, dass meine Verletzung komplett ausheilt. Ich will kein Risiko eingehen. Sonst drohen mir Spätfolgen nach meiner Karriere.“

Ignjovski liest und schaut Dokus

In der Zeit ohne Fußball beschäftigt sich Ignjovski jetzt mit Büchern und vor allem mit Serien sowie Dokumentationen. „Ich habe mir auf Netflix Dokumentationen über den Vietnam-Krieg angeschaut. Das waren originale Videos von amerikanischen Journalisten“, erzählt er. Bei den Serien haben es ihm moderne Klassiker wie „Breaking Bad“, „Sopranos“ „Dexter“ oder „Game of Thrones“ angetan. „Die Serie ,Lost’ habe ich aber nur bis zur fünften Staffel geschafft. Als die Charaktere zwischen der Vergangenheit und Zukunft hin- und hergeflogen sind, hatte ich keine Lust mehr“, sagt er und lacht.

FCM-Profi feiert erst noch Weihnachten

Das Weihnachtsfest hat er übrigens noch vor sich: Ignjovski ist Mitglied der Orthodoxen Kirche. In dieser wird das Weihnachtsfest Theophanie gefeiert, der Termin richtet sich noch nach dem julianischen Kalender, findet deshalb laut unserem gregorianischen Kalender erst am 7.  Januar statt. Deshalb steht auch Silvester erst am 14. Januar auf dem Programm. Ignjovski: „Ich finde die Weihnachtszeit in Deutschland sehr schön und genieße sie auch. Doch gefeiert wird erst im Januar mit meiner Familie.“

Ende Februar wieder im FCM-Training

Am 5. Januar fährt er nach Serbien. Dort wohnt er zusammen mit seiner Frau, den zwei Kindern sowie seinen Eltern in seinem Geburtsort Pančevo, in der Nähe von Belgrad. Er hat einen klaren Zeitplan. „Ich mache in Serbien meine Reha fertig. Ende Februar werde ich, wenn alles gut läuft, nach Magdeburg zurückkehren“, sagt er. Anfang März könnte er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. „Das Gute ist, dass ich fast den ganzen Körper trainieren und deshalb schnell wieder bei der Mannschaft sein kann.“

Ignjovski würde lieber heute als morgen wieder auf dem Platz stehen. „Acht bis zehn Spiele werde ich in dieser Saison hoffentlich noch bestreiten“, sagt er. Dann will er das machen, wofür ihn Trainer Michael Oenning eingeplant hat: Eine tragende Rolle einnehmen, damit dem FCM der Klassenerhalt gelingt.