Magdeburg l Aleksandar Ignjovski ist momentan etwas einsam. Während seine Mannschaftskollegen auf dem Trainingsplatz Flanken, Pässe und Torabschlüsse trainieren, zieht er alleine seine Runden. Achtmal tausend Meter standen auf der Agenda. Der 28-Jährige absolviert nach einer schweren Verletzung gerade seine finale Rehaphase mit FCM-Fitnesstrainer Dirk Keller. Neben zahlreichen Läufen muss er auch Krafttraining und Dehnungsübungen machen.

Doch Ignjovski nimmt das alles gerne in Kauf. Schließlich steht er kurz vor seinem Comeback. „Wenn alles in Ordnung ist, werde ich nach dem Sandhausen-Spiel ins Mannschaftstraining einsteigen können“, sagt er.

Seit Mitte November verletzt

Die Freude darauf ist riesig, lange musste er auf diesen Moment warten. Mitte November zog sich der Mittelfeldspieler im Testspiel gegen den FSV Barleben eine komplizierte Verletzung zu. Zwei Bänder im rechten Ellenbogen waren gerissen, mehrere Knochen gebrochen. Die folgenden Wochen und Monate waren für ihn schmerzhaft. „Das war die schwierigste Zeit meines Leben“, betont er. „Eine Verletzung ist wie das ganze Leben, zusammengefasst in wenigen Monaten. Es ist ein Wellental der Gefühle – Frust und Hoffnung wechseln sich ab.“

Auch der Alltag war anfangs kompliziert. „Ich konnte nicht mal eine Tasche tragen, nicht alleine irgendwo hingehen“, erzählt Ignjovski. Diese Erfahrung hat ihn noch demütiger werden lassen. „Ich habe mir in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht. Ich weiß natürlich, dass es viel schlimmere Schicksale als meins gibt“, sagt er. „Durch meine gemachten Erfahrungen habe ich noch viel mehr Respekt vor Menschen, die dauerhaft mit Einschränkungen leben müssen.“ Einige Narben werden ihn noch lange an die Verletzung erinnern. „Manchmal spüre ich noch immer Schmerzen im Ellenbogen“, sagt er.

Vertrauen in den Ellenbogen wiederfinden

In der jetzigen Rehaphase geht es für Ignjovski vor allem darum, Vertrauen in den eigenen Körper zu haben. „Ich werde anfangs im Training etwas vorsichtiger in die Zweikämpfe gehen. Wenn ich mich mit dem Arm abstütze und merke, dass der Ellenbogen hält, wird es aber bestimmt schnell besser“, glaubt er.

Diese mentale Freiheit im Kopf spielt gerade für Ignjovski eine wichtige Rolle. Schließlich gehören Zweikämpfe zu seinem Alltag, das körperbetonte Spiel zeichnet ihn aus. „Ich bin keiner, der Tiki-Taka spielt“, sagt er und lacht.

Deshalb will er sich selbst auch Zeit geben. „Wir werden sehen, wie es im Mannschaftstraining läuft. Es ist ein Unterschied, mit dem Team zu trainieren, und dann noch mal etwas ganz anderes, im Punktspiel aufzulaufen“, betont er.

Neue Optionen für Oenning

Für FCM-Trainer Michael Oenning eröffnen sich mit der baldigen Rückkehr von Ignjovski ganz neue Optionen. Der Coach machte nie einen Hehl daraus, dass er den Mittelfeldspieler als wichtiges Puzzlestück für seine Mannschaft sieht.

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Kapitän Christian Beck könnte der gebürtige Serbe auch auf der rechten Außenverteidigerposition einspringen. Neben seiner Stammposition im defensiven Mittelfeld spielte er dort in der Vergangenheit auch schon häufig. Ignjovski bleibt diesbezüglich gelassen: „Über die Position mache ich mir keine Gedanken. Mir ist erst mal wichtig, gesund zu bleiben und wieder bei der Mannschaft zu sein.“

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