Volksstimme: Herr Kallnik, im September haben Sie gesagt, die Doppelrolle als Geschäftsführer und sportlicher Leiter sei kein Problem für Sie. Ist die Verpflichtung von Otmar Schork als neuer Sportchef im November dennoch eine Entlastung für Sie?

Mario Kallnik: Ich bin froh, dass wir eine klare Struktur mit Otmar und mir haben. Otmar ist für den sportlichen Bereich verantwortlich und wird im Falle des Klassenerhalts als Geschäftsführer Sport fungieren. Ich wiederum kümmere mich als Geschäftsführer um den umfangreichen und komplexen kaufmännischen Bereich. Zwar war die Doppelrolle, die ich innehatte, für mich nicht neu, trotzdem beinhaltet diese natürlich einen enormen Aufwand, den wir zuvor auf mehrere Schultern verteilen mussten.

Dass der Wechsel mitten in der Saison in der sportlichen Krise vollzogen wurde, kann aber nicht der Plan gewesen sein?

Unsere Gedanken waren grundsätzlich schon, im Verlauf der Saison den Wechsel zu vollziehen – aber mit dem Ziel, mit einem stabilen Tabellenstand zu übergeben. Das ist leider nicht gelungen. Im Gegenteil: Wir waren mit vier Punkten aus acht Spielen in einer desaströsen Situation. Deshalb haben wir uns nach dem Spiel in Mannheim (2:5, Anm. d. Red) für diesen Schritt entschieden. Mit Otmar Schork hat der Club einen Fachmann verpflichtet, den ich als sehr durchsetzungsstark kennengelernt habe. Ich habe mich in den vergangenen Wochen bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um ihn und seine Arbeit wirken zu lassen.

Haben Sie bei der Arbeit von Otmar Schork – der Verpflichtung der drei neuen Offensivspieler Saliou Sané, Baris Atik und Nico Granatowski – denn im Hintergrund trotzdem die Fäden gezogen?

Absolut nicht. Die Zusammenarbeit läuft sehr kollegial und wir haben eine gute Übergabe gehabt. Otmar arbeitet autark und entscheidet für den sportlichen Bereich komplett allein. Ich bin der Meinung, dass es im sportlichen Bereich eine starke Führungspersönlichkeit geben muss. Deshalb werbe ich dafür, Otmar auch zukünftig Vertrauen entgegenzubringen.

Und Schork wiederum vertraut Coach Thomas Hoßmang, obwohl dieser es bislang nicht geschafft hat, das Team aus der Abstiegszone zu befreien. Ist die Konstanz auf dem Trainerstuhl auch damit zu erklären, dass Sie auf dieser Position vorher vielleicht zu oft und vorschnell getauscht haben?

Otmar hat dem Aufsichtsrat und dem Präsidium seinen Maßnahmenplan vor Weihnachten vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass seine erste Priorität der Verstärkung der individuellen Qualität im Offensivbereich gilt. Mit unserer nominellen Besetzung im Angriff müssen wir uns theoretisch zwar vor keinem Gegner in der 3. Liga verstecken. Entscheidend wird aber sein, dass die Spieler ihr Potenzial weitestgehend auf dem Rasen zeigen.

Beim 1:1 gegen Uerdingen war der FCM offensiv zumindest genauso harmlos wie in den letzten Spielen im Vorjahr ...

Und darüber war ich natürlich auch enttäuscht. Wir hätten gern gewonnen, um gut ins neue Jahr zu kommen. Aber unser Offensivproblem ist nicht neu. Schon vor einem Jahr hatte ich das in der Volksstimme angesprochen. Mit lediglich sechs Stürmertoren im Jahr 2020 muss man leider konstatieren, dass sich die Situation statt verbessert eher noch verschlechtert hat. Ich glaube aber, dass uns die drei neuen Spieler sowie Maximilian Franzke, Florian Kath und Luka Sliskovic, die bald ihre Verletzungen überstanden haben, dabei helfen können, dieses Problem zu lösen.

Der Kader ist mittlerweile auf 32 Spieler ausgedehnt. Ist das in der schwierigen Corona-Lage finanziell tragbar, wenn kein Spieler mehr abgegeben wird?

Ja, sonst hätten wir uns nicht dafür entschieden. Natürlich ist das kostspielig. Aber wir hatten in dieser Saison eben schon viele Probleme mit Verletzungen. Franzke, Kath und Sliskovic waren Hoffnungsträger, sind aber lange ausgefallen.

Dass der Plan Klassenerhalt trotz der vielen Spieler im Kader aufgeht, ist für den FCM als Tabellenvorletzten nicht gesagt. Liegt das Szenario Regionalliga bei Ihnen schon irgendwo in der Schublade?

Natürlich müssten wir uns irgendwann mit dem Thema beschäftigen, aber so weit sind wir noch nicht. Dieses Jahr ist aufgrund des veränderten Spielplans wegen der Corona-Pandemie alles etwas anders. Wir haben nach der sehr kurzen Winterpause sogar noch Hinrundenspiele offen. Klar ist aber natürlich, dass wir so schnell wie möglich die Abstiegsplätze verlassen wollen.

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