Magdeburg l Vor gut anderthalb Wochen hat Mario Kallnik seinen Urlaub angetreten – mit einem durchaus guten Gefühl, hatte der Geschäftsführer und Sportchef des 1. FC Magdeburg beim 2:0 gegen Türkgücü München doch gerade noch ein ordentliches Spiel des Drittligisten gesehen, das als erster Saisonsieg ein Befreiungsschlag hätte werden können. Doch was für den FCM folgte, war eine Woche zum Vergessen: erst das 1:3 auswärts gegen Verl, dann das 1:2 vor eigener Kulisse gegen Wiesbaden.

Kallnik zog nach dem Heimspiel am Sonnabend dann die Reißleine und beendete seinen Urlaub vorzeitig. Sein Fazit: „In sieben Meisterschaftsspielen hat man bisher zu selten gesehen, über welche Qualität die Mannschaft verfügt.“ Nur gegen Türkgücü und im ersten Durchgang gegen Wiesbaden haben die FCM-Kicker das abgeliefert, was sie laut Kallnik können. „Dass die Mannschaft gegen Wiesbaden nach dem Tor dann so den Faden verliert, war überraschend.“

Viele Gespräche

Und es beschäftigte das Team und die Verantwortlichen in den folgenden 48 Stunden intensiv. Es gab viele Gespräche, mit Präsident Peter Fechner, mit Trainer Thomas Hoßmang und auch mit einem Teil der Mannschaft. Das Ergebnis: Auch wenn das Team laut Kallnik physisch in der Lage ist, mit jedem Gegner mitzuhalten, „psychisch wirkt die Mannschaft teilweise zu instabil.“ Zu oft haben sich die Blau-Weißen in dieser Saison schon von Gegentoren verunsichern lassen. Und gegen Wiesbaden wurde das ja sogar durch eine eigene Führung ausgelöst.

Doch deshalb einen Mental-Coach ins Boot zu holen, ist für den Manager keine Option. Er will die Probleme mit Gesprächen intern klären. Den Trainer nimmt er in der aktuellen Krise übrigens gänzlich aus der Schusslinie. „Unser Problem, weshalb wir bisher nur vier Punkte haben, ist nicht an Thomas Hoßmang festzumachen. Wir sehen nicht nur das Trainerteam in der Pflicht, sondern vorwiegend die Mannschaft“, ist er vom 53-Jährigen, den er am Ende der Vorsaison als Nachfolger von Claus-Dieter Wollitz installierte, weiterhin überzeugt.

Seit 2019 im Keller

Schon unter Wollitz und auch dessen Vorgänger Stefan Krämer gab es Probleme. Egal wie der Kader seit dem Zweitliga-Abstieg 2019 zusammengestellt wurde, die Mannschaft steckt seitdem im Keller der 3. Liga. Dieses Problem wird sich sicher auch nicht von jetzt auf gleich in Luft auflösen, sollte der Trainer erneut getauscht werden – und damit der fünfte Coach seit der Entlassung von Jens Härtel im November 2018 an der Seitenlinie stehen. Kallnik will in diesem Bereich wohl mehr Konstanz und vertraut Hoßmang. Er gebe den Spielern immer den richtigen Plan mit, doch es hapere eben zumeist an der Umsetzung.

Bezeichnend: Nach dem Spiel gegen Wiesbaden sagte Hoßmang: „Wir haben den Gegner mit unseren Mitteln bearbeitet.“ Angesichts der erneuten Niederlage bleibt dann aber die Frage im Raum stehen: Reichen diese Mittel nicht?

Überzeugt, die Wende zu schaffen

Kallnik umgeht die Frage, ob sich da eventuell schon früh in der Saison Fehler in der Teamzusammenstellung zeigen und hält dagegen. Er würde nicht mitgehen, dass es sich dabei um die kompletten Mittel des FCM handle. Er hat keine überragende, aber auch keine schlechte erste Halbzeit gesehen. Die Leistung im zweiten Durchgang ist hinlänglich bekannt. „Der FCM kann besser Fußball spielen“, ist er überzeugt.

Bloß wenn die Spieler das weiter nur so selten zeigen, reicht das vorne und hinten nicht für den Klassenerhalt. Doch die Aussprache mit den Spielern stimmt Kallnik durchaus optimistisch: „Wir hatten ganz klare Gespräche und werden das Thema auch weiter intensiv bearbeiten. Es ist natürlich auch ein großes Interesse der Mannschaft, die Situation in die richtige Richtung zu bekommen. Wir alle sind davon überzeugt, dass wir das schaffen werden.“

Auch wenn Hoßmang von der FCM-Chefetage Rückendeckung bekommt, wird die Arbeit für ihn aber nicht leichter. Kallnik betont zwar, dass die kommende Auswärtsaufgabe am Sonnabend um 14 Uhr bei Waldhof Mannheim „kein Endspiel“ für Hoßmang ist, dennoch sollte der FCM mit Punkten zurückkommen. Denn im Fußballgeschäft gilt bei aller Überzeugung vom eigenen Coach, dass bei einem Verein in der Krise immer der Trainerstuhl zuerst wackelt.

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