Magdeburg l In der MDCC-Arena herrschte am Sonnabend eine ungewöhnliche Atmosphäre. Vor dem 0:1 des 1. FC Magdeburg gegen Hansa Rostock, beim Verlesen der gegnerischen Mannschaftsaufstellung, applaudierten die 21.884 Zuschauer plötzlich. Der Jubel galt Jens Härtel, dem ehemaligen FCM-Erfolgstrainer, der mittlerweile auf der Hansa-Bank sitzt.

Härtel genießt seinen Sieg beim FCM

Als Härtel rund zwei Stunden später den Sieg seiner Mannschaft Revue passieren ließ, genoss er den Moment spürbar. „Natürlich war es etwas Besonderes für mich. Ich habe mich über den netten Empfang sehr gefreut, das habe ich mir nach den vier Jahren, in denen ich alles für den FCM gegeben habe, verdient. Mit dem Sieg war es dann einfach rund.“

Ganz anders sah die Gemütslage bei seinem Nach-Nachfolger Stefan Krämer aus. Dem FCM-Coach war eine gewisse Verzweiflung anzumerken: „Die erste halbe Stunde war von uns fußballerisch richtig gut. Wir müssen uns aber an die eigene Nase fassen, weil wir selbst beste Chancen nicht genutzt haben, um in Führung zu gehen.“

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Krämer hatte seine Mannschaft gut auf den Gegner eingestellt, der FCM hatte Rostock anfangs im Griff, erspielte sich Möglichkeiten durch Manfred Osei Kwadwo (3.), Christian Beck (9.), Thore Jacobsen (13.), Rico Preißinger (26.) und Jürgen Gjasula (30.). Der Chancenwucher rächte sich allerdings – das Tor machte Hansa aus dem Nichts durch Nik Omladic (33.).

Frustrierte Fans pfeifen in der MDCC-Arena

Danach präsentierte sich der FCM wie ausgewechselt, fand nie zurück in die Spur, enttäuschte in der zweiten Hälfte über weite Strecken. Vermehrt gab es deshalb auch Pfiffe in der MDCC-Arena, einige Fans äußerten ihren Unmut gegen Trainer Stefan Krämer.

Es ist ein im Fußball fast typischer Reflex – mit dem Maik Franz aber überhaupt nichts anfangen konnte. Im Gegenteil: Der FCM-Sportchef stützte den Coach: „Wir fangen keine Trainerdiskussion an. Stefan hat die Mannschaft auf das Rostock-Spiel sehr gut vorbereitet. Sonst hätten wir den Gegner nicht eine halbe Stunde lang dominiert. Doch letztendlich kann Stefan den Ball nicht selbst über die Linie schieben.“ Dafür sei die Mannschaft auf dem Platz verantwortlich.

Und die nahm Franz stattdessen in die Verantwortung. Der Sportchef verglich die Situation mit einem Duell beim Boxen. „Es kann nicht sein, dass wir den Gegner kurz vor dem K. o. haben, dann aber nicht nachsetzen, ihn wieder starkmachen und am Ende nach Punkten verlieren. Uns fehlte die Gier und die Entschlossenheit, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen.“

Franz nimmt die Mannschaft in die Pflicht

Der Leistungsabfall nach dem Rückstand war problematisch. Der Club hatte kaum Zugriff, vom anfangs so starken Pressing war nichts mehr zu sehen. Zudem erspielte sich das Team kaum noch Torchancen – mit Ausnahme der Gelegenheiten durch den eingewechselten Anthony Roczen sowie Christian Beck (beide 78.). „Wir haben uns zu wenig aufgebäumt. Das ist uns zum wiederholten Mal passiert und zieht sich wie ein roter Faden durch einige Spiele“, kritisierte Franz.

Zu Hause beim 1:1 gegen Duisburg lief es nämlich ganz ähnlich: Nach einem guten Start mit vielen Chancen kassierte das Team den überraschenden Rückstand – und brach dann ein. „Die ganze Mannschaft, besonders aber die erfahrenen Spieler sind nach solchen Rückschlägen gefordert. Sie müssen mehr dafür tun, damit wir in solchen Situationen zurück in die Spur kommen“, forderte Franz. Der Sportchef nannte zwar keine Namen – gemeint waren aber sicherlich Spieler wie Kapitän Christian Beck, Sören Bertram, Jürgen Gjasula, Timo Perthel, Dominik Ernst und Tobias Müller.

Dass sie es können, haben sie in dieser Saison bereits mehrfach bewiesen. „Wir haben auch gegen Rostock am Anfang schließlich gezeigt, dass wir individuelle Klasse im Kader haben. Und das, obwohl uns sechs potenzielle Stammspieler gefehlt haben“, betont Franz.

So sehr sich Ex-Trainer Jens Härtel am Ende auch über den Hansa-Sieg auch freute. Selbst ihm dürfte bewusst gewesen sein, dass dieser glücklich zustande kam. Meinung

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