Magdeburg l Jürgen Gjasula war stinksauer. Nach einem Gegentreffer im Trainingsspiel schrie sich der Defensivakteur den Frust von der Seele: „Was ist da los? Das darf doch nicht wahr sein!“

Diese Szene war ein guter Beleg für die Intensität, die am Dienstag im Training beim FCM herrschte. Coach Stefan Krämer und Co-Trainer Silvio Bankert gönnten ihren Spielern ganz bewusst keine Verschnaufpause, forderten vollen Fokus. „Die Enttäuschung, die es nach der Niederlage gegen Rostock gab, sollen die Jungs jetzt in positive Kraft auf den Rasen übertragen“, sagte Krämer.

Am Dienstag klappte das schon recht gut. Neben Passspiel wurden auch verschiedene Spielzüge mit Ballbesitzphasen und Torabschlüssen trainiert. Und einige Spieler tankten wertvolles Selbstvertrauen: Leon Bell Bell zum Beispiel, der in den vergangenen Wochen meistens nicht im Kader war. Im Trainingsspiel erzielte er mit einem satten Schuss einen Treffer, die Freude über das Tor war ihm deutlich anzusehen.

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Bell Bell und Harant mit guten Trainingsleist

Krämer nahm das Engagement von Bell Bell mit Wohlwollen zur Kenntnis. „Gut gemacht, Leon. Weiter so, dranbleiben“, feuerte er seinen Offensivspieler an. Auch Philipp Harant bestätigte seine seit Wochen starke Trainingsform, suchte mit Dribblings aus der Innenverteidigung immer wieder den Weg nach vorne.

Aber auch wenn es mal nicht so gut lief, griffen Bankert und Krämer sofort ein, sprachen mit einzelnen Spielern, gaben klare Anweisungen, wie sie es besser machen können. Die Anforderungen waren am Dienstag ganz klar: Die Mannschaft sollte mutig spielen, aktiv bleiben, schnell spielen. „Schieben, schieben, unter Druck setzen“, rief Krämer häufig von der Seitenlinie.

Krämer nimmt Führungsspieler in die Pflicht

Nachdem Kapitän Christian Beck sowie Sturmpartner Sören Bertram sich selbst und weitere erfahrene Spieler wie Jürgen Gjasula und Tobias Müller bereits am Dienstag in der Volksstimme öffentlich in die Pflicht genommen hatten, hob auch Krämer noch einmal die Richtung hervor, in die es jetzt gehen soll: „Von den gestandenen Spielern und denen, die schon ein bisschen etwas im Fußball erlebt haben, erwarte ich, dass sie den Karren, der ein bisschen eingeklemmt ist, wieder in die Spur bringen.“

Dazu gehört auch, dass sich die Mannschaft nach Rückständen schneller schüttelt und auch nach einem Gegentreffer wieder auf die eigenen Stärken besinnt.

Deshalb wurden im Training auch schnelle Umschaltsituationen simuliert, häufig mit mutigem Anlaufen der Außenspieler. In einer Szene setzte sich Manfred Osei Kwadwo auf der rechten Seite gut durch, nahm den Ball schnell mit und passte auf Christian Beck, der aus der Distanz traf. Zunächst lobte Krämer Kwadwo: „Siehst Du, was möglich ist, wenn Du Dich offensiv drehst.“ Er sagte aber auch: „Das hättest Du vor einer Minute auch schon machen können.“

Die Spieler nahmen die Intensität der Einheit ernst, redeten auffällig viel miteinander. Krämer war zufrieden – und so huschte ihm nach dem Training dann sogar kurz ein zufriedenes Lächeln über das Gesicht.

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