Magdeburg l Jürgen Gjasula war am Dienstag beim Training in seinem Element. Im Fünf-gegen-Fünf ging es hin und her, die Intensität war hoch. Der 34-Jährige dirigierte, feuerte seine Mitspieler an, und spielte gefährliche Pässe.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass der Mittelfeldspieler beim 1. FC Magdeburg in der Mannschaftshierarchie ganz oben angekommen ist. Dass er mit großem Druck umgehen kann, hat er zuletzt beim 1:1 gegen den Chemnitzer FC gezeigt. Beim Stand von 0:1 bekam der Club in der zweiten Halbzeit einen Elfmeter. Auch Christian Beck stand bereit, der Kapitän ist beim FCM schließlich einer der Stamm-Schützen. Doch Gjasula diskutierte nicht, nahm sich einfach den Ball und verwandelte dann eiskalt zum Ausgleich. „Ich habe nicht lange überlegt, wollte Verantwortung übernehmen“, erzählt er. Und: „Da ich mich gut gefühlt habe, war ich mir sicher, dass ich verwandeln werde.“

Gjasula ist Lenker und Denker

Es war eine Szene, die zeigt, wie wichtig Jürgen Gjasula mittlerweile für den FCM ist. Er ist ein nervenstarker Anführer, auf den es in der entscheidenden Saisonphase jetzt ganz besonders ankommen kann. Auf seiner Position im defensiven Mittelfeld ist er der Denker und Lenker beim Club. Mit seinen öffnenden Pässen kann er das Spiel schnell machen, Räume schaffen.

Aber auch neben dem Rasen ist er für seine Mitspieler ein wichtiger Ansprechpartner. Und Gjasula möchte dieser Rolle auch gerecht werden. „Ich denke, dass ich mich in den vergangenen Jahren in diesem Bereich weiterentwickelt habe. Ich möchte Einfluss nehmen, den Jungs mit Rat und Tat zur Seite stehen“, betont er. „Mir ist wichtig, nicht nur auf mich zu gucken, sondern auch für die Anderen da zu sein.“

Vertragsverlängerung momentan zweitrangig

Deshalb ist für ihn seine automatische Vertragsverlängerung beim FCM, die nach dem Chemnitz-Spiel durch den 19. Startelfeinsatz feststand, momentan zweitrangig. „Ich freue mich, hätte aber lieber einen Sieg gegen Chemnitz gefeiert. In dieser Phase zählt nur die Mannschaft“, sagt er.

Zugute kommt dem Deutsch-Albaner in diesen Tagen seine Erfahrung – ganz besonders mit schwierigen Situationen. „Ich habe in meiner Karriere einige schlimme Phasen durchgemacht. Zum Beispiel den Abstieg vor einem Jahr mit Cottbus am letzten Spieltag“, stellt er klar. „Doch auch solche Negativerlebnisse gehören leider dazu. Sie helfen, um sich charakterlich weiterzuentwickeln.“

Jetzt sei beim FCM die richtige Balance gefragt. Denn: „Wir müssen mit der notwendigen Ernsthaftigkeit an jedes Training, an jedes Spiel herangehen. Da geht es um Konzentration und Willenskraft. Wichtig ist aber auch, sich eine gewisse Ruhe und Gelassenheit zu bewahren.“ Wenn das gelingt, „dann ist auch mehr Spielfreude, mehr Kreativität zu sehen“.

Chemnitz-Spiel als Anfang

Das Chemnitz-Spiel soll ein Anfang gewesen sein. „In dieser Partie hat die Basis, das Fundament gestimmt. Wir haben alles gegeben, haben bis zum Schluss gekämpft“, sagt Gjasula. „Dass müssen wir jetzt als Grundlage in jeder Partie zeigen. Wir dürfen die Situation nicht unterschätzen. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir bald erfolgreich sein werden – und auch spielerisch besser auftreten.“

Der nächste Schritt zum spielerischen Glück soll am Sonntag (13 Uhr) beim TSV 1860 München gemacht werden. „Wir haben jetzt seit sieben Spielen nicht mehr gewonnen“, rechnet Gjasula vor. „Es wird Zeit für ein Erfolgserlebnis, aus dem wir dann endlich Selbstvertrauen schöpfen. Der Gegner könnte uns liegen, die Löwen werden sich vor dem eigenen Publikum sicherlich nicht hinten reinstellen.“

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