Magdeburg l Rico Preißinger war gestern im Stress. Zwischen den zwei Trainingseinheiten blieb nur wenig Zeit. An ein richtiges Mittagessen war da nicht zu denken. Deshalb musste eine kleine Tüte vom Bäcker herhalten. Und schon während des Weges zurück in die Kabine biss er von seinem Brötchen ab.

Preißinger mit starken Pässen

Es gibt eben Situationen, in denen praktisches Denken gefagt ist. Und Rico Preißinger ist im Alltag schwer aus der Ruhe zu bringen. So wie auch als Fußballer auf dem Rasen. Dort zeichnen ihn sein ganz besonderer Fokus und seine Ruhe am Ball aus. Beim 2:1 seines 1. FC Magdeburg in Hamburg ließ er sich von der großen Kulisse nicht beeindrucken. Preißinger beeindruckte vielmehr den Gegner – durch lange, direkt in den Fuß gespielte Pässe.

Diese Qualitäten sind der Grund, weshalb er beim Zweitligisten gerade als Kandidat für die Position des Spielmachers gehandelt wird. Seidem klar ist, dass Philip Türpitz in dieser Saison wegen einer schweren Muskelverletzung wohl gar nicht mehr spielen kann, ist FCM-Trainer Michael Oenning auf der Suche nach einem Ersatz. „Wir haben keinen Spielertypen im Kader, der wie Philip als verdeckter Stürmer oder offensiver Mittelfeldspieler auflaufen kann“, sagt Oenning zwar. Aber: „Rico ist natürlich in der Lage, hinter den Spitzen zu spielen.“ Die Qualitäten im Passspiel, die Ruhe am Ball und die Fähigkeit, Lücken in der gegnerischen Abwehr zu sehen und schnell dorthin zu spielen, zeichnen Preißinger aus – er könnte die Rolle als Zehner somit für sich und den FCM neu interpretieren.

Preißinger selbst betont immer, sich im zentralen Mittelfeld wohlzufühlen – ob eher defensiv, etwas vorgezogen oder eben als Zehner hinter den Spitzen. „Ich glaube schon, dass ich der Mannschaft auf der Position hinter den Spitzen weiterhelfen kann“, sagt er. „Wenn der Trainer mich dort aufstellen möchte, mache ich das natürlich gerne.“

Eine Konstante in der Mannschaft

Preißinger lief für den FCM schon einmal als Zehner auf – beim 1:2 zum Saisonauftakt gegen den FC St. Pauli. Zuletzt spielte er links neben Charles Elie Laprévotte vor Jan Kirchhoff und hinter Philip Türpitz.

In dieser Saison gehört Rico Preißinger beim Club zu den Konstanten. Im September warf ihn zwar ein Mittelfußbruch zurück, seit seiner Rückkehr Anfang Dezember ist er aus der Mannschaft aber kaum wegzudenken. Von möglichen 16 Zweitliga-Spielen unter Michael Oenning absolvierte er 14  Partien, 13 davon in der Startelf. Insgesamt kommt Preißinger in dieser Saison auf 19 Spiele, in denen er ein Tor schoss und zwei Treffer vorbereitete.

„Die Verletzung hatte mich zwar ausgebremst, der Trainingseinstieg war aber mit Bedacht gewählt. Deshalb hatte ich keine Rückschläge mehr“, sagt Preißinger. „Außerdem hat mir Michael Oenning sofort vertraut und mir dadurch die Möglichkeit gegeben, in den Rhythmus zu kommen.“

Auffällig ist: Der Trainer ist grundsätzlich kein Freund von größeren Personalrotationen. „Ich halte nichts davon, Automatismen aufzubrechen“, sagt Michael Oenning. Deshalb will er sich bei der Entscheidung, welcher Spieler Türpitz ersetzen soll, auch Zeit lassen. „Wenn ich Rico auf Philip´s Position bringen sollte, muss ich mir genau überlegen, warum ich mich dafür entscheide.“

Rückt Ignjovski an die Seite von Preißinger?

Eine mögliche Variante ohne Taktikumstellung wäre, Prei-ßinger auf die Türpitz-Position vorzuziehen und Aleksandar Ignjovski an die Seite von Laprévotte zu stellen. Ignjovski brennt nach seiner überstandenen Ellenbogenverletzung auf sein Startelf-Comeback – am liebsten im Mittelfeld.

Für Preißinger steht aber bei allen Personaldiskussionen vor allem das Spiel am Ostersonntag (13.30 Uhr) bei Jahn Regensburg im Vordergrund. „Wir wollen dort keine einfachen Fehler machen. Uns muss aber auch klar sein, dass wir in der 2. Liga gegen jeden Gegner bestehen können, wenn wir unsere Leistung bringen.“

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