Magdeburg l Die Fronten zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und rund der Hälfte der Drittligavereine verhärten sich immer mehr. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gab am Dienstag einen Einblick, mit welchen Bandagen der Verband offenbar selbst die Politik angeht.

Haseloff: "Unerträglicher Druck"

Der DFB übe „unerträglichen Druck auf Politik und Vereine“ aus, sagte der 66-Jährige – angeblich habe der Verband mit Lizenzentzug für den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC gedroht, sollte ein Verein den Spielbetrieb nicht wieder aufnehmen wollen. In Sachsen-Anhalt blieb Haseloff standhaft, Mannschaftstraining und der Wettkampfbetrieb bleiben bis 27. Mai untersagt. Carl Zeiss Jena aus Thüringen darf jetzt sogar bis zum 5. Juni kein Mannschaftstraining absolvieren.

Klar ist: Unter diesen Voraussetzungen ist ein Drittliga-Restart zum vom DFB geplanten 26. Mai nahezu ausgeschlossen.

DFB attackiert Abbruch-Befürworter

Nach den Vorwürfen von Haseloff sah sich DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius zu einer Stellungnahme gezwungen – und bestritt, jemals von einem möglichen Lizenzentzug für den FCM oder HFC gesprochen zu haben.

In diesem Zusammenhang nahm sich der DFB-Generalsekretär auch erneut die Fraktion der Saisonabbruch-Befürworter vor – den 1. FC Magdeburg, Halleschen FC, SC Preußen Münster, FC Carl Zeiss Jena, MSV Duisburg, SV Waldhof Mannheim, FSV Zwickau und die SG Sonnenhof Großaspach. „Für die aktuellen Problematiken in der 3. Liga sorgen aktuell leider vor allem einige wenige Vereine, nicht der DFB und auch nicht die Mehrheit der Vereine“, betonte er und ergänzte vielsagend: „Und es muss auch die Frage erlaubt sein: Kann man nicht oder will man nicht?“

Deutliche Worte von Koch

Auch Rainer Koch fand gestern deutliche Worte: „Ein Teil der Vereine der 3. Liga spielt seit Wochen ein für den Fußball in Deutschland unwürdiges Schauspiel, bei dem die Landes- und Regionalverbände, die den DFB gemeinsam mit der DFL bilden, nur Zuschauer sind. Dies ist unerträglich und nicht länger hinzunehmen.“ Und der DFB-Vizepräsident legte nach: „All jene, die vehement einen Saisonabbruch verfolgen, müssen endlich Antworten liefern, was ihre konkreten Alternativen sind, und ob sie bereit sind, die Verantwortung für die gravierenden wirtschaftlichen und strukturellen Folgen zu übernehmen.“

Dass Curtius und vor allem Koch den DFB-Kritikern aber vorwerfen, keine Alternativ-Vorschlägen zu machen, überrascht dann aber doch. FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik war es nämlich, der in der Volksstimme erst kürzlich im Zusammenhang mit einem Saisonabbruch eine zeitweise Aufstockung der 3. Liga vorschlug.

Kallnik mit Alternativ-Vorschlag

Die Idee: Die beiden Erstplatzierten, Duisburg und Mannheim, steigen auf. Außerdem gibt es keine Absteiger und die 3. Liga wird durch die Regionalliga-Meister aufgestockt. Die nächste Saison würde mit 24 oder 25 Teams ein Übergangsjahr sein, mit dem Ziel, in der Spielzeit 2021/22 mit 22 Mannschaften an den Start zu gehen. Dadurch wäre gewährleistet, dass zukünftig alle fünf Regionalliga-Meister direkt aufsteigen würden.

Eine Reaktion des DFB auf diesen oder andere Vorschläge gab es allerdings bisher nie. Im Gegenteil: Der Verband setzte in den vergangenen Wochen vorwiegend auf öffentlichkeitswirksame Vorwürfe und direkte Anfeindungen. Und brachte selbst keinen Plan B, keine Alternativ-Vorschläge im Falle eines Saisonabbruchs ein.

Red-Bull-Arena wird kein Ausweichstadion

Um die mittelfristig gültigen Verbote in Bundesländern wie Sachsen-Anhalt oder Thüringen zu umgehen, plant der DFB eine Verlegung an einen neutralen Spielort in einem anderen Bundesland. Über einen entsprechenden Entwurf soll beim außerordentlichen Bundestag am 25. Mai abgestimmt werden.

Für den Halleschen FC wäre die Red-Bull-Arena in Leipzig ein potenzielles Ausweichstadion. Gestern erteilte der Verein einem solchen Gesuch allerdings eine klare Absage. „Es gab diese Anfragen, aber aufgrund der eng getakteten Wettbewerbe ist eine zusätzliche Mannschaft in der Red-Bull-Arena nicht darstellbar“, erklärte RB Leipzig laut der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Wie gespalten die 3. Liga ist, wird auch dadurch deutlich, dass sich selbst die Spieler der unterschiedlich positionierten Vereine attackieren. Auf die Ängste und Bedenken, die Sören Bertram am vergangenen Sonnabend in der Volksstimme äußerte („Wir sind nur Marionetten“) antwortete Sascha Mölders von 1860 München: „Wenn ich höre, dass andere Spieler fordern, die Saison abzubrechen, und nicht weiterspielen wollen, kann ich nur sagen: Das ist eine absolute Frechheit. Wer so etwas von sich gibt, der hat den Sport nie geliebt.“

Die Zeit wird knapp

Klar ist: Im anhaltenden Streit, ob die Drittligasaison fortgesetzt oder abgebrochen wird, wird der Ton immer rauer. Ministerpräsident Reiner Haseloff erklärte, sich mit seinen Amtskollegen auszutauschen. Nur wenn sich alle anderen Bundesländern für eine Ausnahmegenehmigung aussprechen würden, wäre eine solche auch in Sachsen-Anhalt denkbar. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, bleibt allein schon aus zeitlichen Gründen wohl nur der Saisonabbruch.

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