Scharlibbe l „Welcome!“ Auf Englisch hieß Geschäftsführer Ottmar Kapl die ausländischen Gäste am Montag willkommen, ein Dolmetscher übersetzte für die weitgereisten Gäste. Sie nahmen die Einladung des französischen Pharmaunternehmens Ceva mit deutscher Niederlassung in Düsseldorf an, die Schweinezucht in Deutschland kennenzulernen. Tierarzt Christoph Wähner und Agraringenieurin Sabine Klohss begleiten die Delegation, die nach der Ankunft in Berlin Quartier in Tangermünde bezog und inzwischen nach Niedersachsen weitergereist ist. „Den Scharlibber Betrieb kann man sehr guten Gewissens vorzeigen“, sagt die für den Vertrieb der Veterinärpräparate in Ostdeutschland zuständige Sabine Klohss, die vor 20 Jahren auch schon einmal in Scharlibbe im Rahmen eines Forschungsprojektes gearbeitet hat. „Die Geschäftsführung und die Mitarbeiter können stolz auf das sein, was hier geschaffen worden ist.“

Und das ist eine ganze Menge. 1953 gegründet, wurde 1982 die Läuferaufzuchtanlage gebaut. In den immer wieder modernisierten und den strengen Regelungen des Tierschutzes angepassten Ställen stehen 1250 Sauen, mit ihrem Nachwuchs sind es rund 8500 Schweine.

Mehrere Standbeine

Diese Zahlen übermittelte der für die Ferkelproduktion verantwortliche Frank Schirmer. Weitere Bereiche sind die Pflanzenproduktion mit 950 Hektar Acker und 250 Hektar Grünland, außerdem gibt es die Mutterkuhherde in Klietz, Solaranlagen auf den Stalldächern und die Biogasanlage, die nicht nur Strom gewinnt, sondern auch Wärme, mit der die Ställe beheizt werden.

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Dass aber nicht nur Wärme wichtig ist, sondern auch Kälte, wurde in den heißen Sommermonaten mehr und mehr zum Problem. „An besonders heißen Tagen über 30 Grad leiden besonders die hochtragenden und säugenden Sauen. So ein extremer Tag war der 4. Juli 2015 mit 38,5 Grad. Trotz großen Einsatzes unserer Mitarbeiter am ganzen Wochenende konnten wir nicht verhindern, dass einige Sauen einen Kollaps erlitten. Das war eine große körperliche und vor allem psychische Belastung für unsere Kollegen.“ Ottmar Kapl berichtet, dass deshalb gerade ein Kühlsystem für den Abferkelbereich installiert worden ist, „diese Investition hat sich gelohnt“, freut er sich darüber, dass in den gerade zurückliegenden heißen Tagen bei konstanten Temperaturen die Sauen nicht leiden müssen.

Hohe Hygiene-Standards

Ein Bild von den Bedingungen, die in den Ställen für Mensch und Tier herrschen, konnte sich die Delegation auch machen. Vor dem Betreten hieß es im genannten Weiß-Bereich: ausziehen, duschen, desinfizierte Kleidung anziehen. „So vermeiden wir, dass Keime und damit Krankheiten eingeschleppt werden“, begründet Frank Schirmer. Die Umkleide- und Duschräume hatten nach dem Deichbruch, bei dem das Elbwasser auch die Anlage am Scharlibbe Ortsrand geflutet hatte, besonders großen Schaden genommen und sind umfassend nach den neuesten Standards wieder hergerichtet worden. Zu den neuen und sehr streng genommenen Vorschriften zählt auch eine Materialschleuse, in der spezielles Licht sämtliche Keime unschädlich macht. Auch die Handys der Gäste, mit denen Fotos für zu Hause gemacht wurden, mussten durch diese Schleuse.

Sperma kommt aus Fischbeck

Frank Schirmer zeigte zunächst den Stall mit den gerade vier Tage alten Ferkeln. Im Schnitt zwölf Ferkel bringt eine Sau zur Welt. Vier Wochen bleiben sie bei der Mutter, dann geht es zur nächsten Station. In großen Buchten mit 60 Tieren stehen sie dann weitere 42 Tage, bis sie das Verkaufsalter erreicht haben. Ausschließlich deutsche Mastbetriebe sind die Abnehmer. Das Sperma für die Besamung der Sauen bekommt die Scharlibber Genossenschaft von der Eberstation in Fischbeck – es stammt ausschließlich von Ebern des Zuchtunternehmens „PIC“.

Insgesamt verlassen rund 30 000 Schweine pro Jahr den Betrieb.

Export nach China

Für die Gäste aus Vietnam und Thailand war die Besichtigung sehr aufschlussreich. Die Schweineproduktion spielt in ihren Ländern für die Versorgung der Bevölkerung die Hauptrolle noch vor Geflügel. Der Export nach China nimmt dort eine Spitzenposition beim Absatz ein. Zwar gibt es in diesen asiatischen Ländern viele große Anlagen, aber auch einen nicht zu unterschätzenden Anteil an „Hofhaltung“.

Mit vielen nützlichen Anregungen im Kopf und auf dem Handy verabschiedeten sich die asiatischen Gäste von den Scharlibbern. Hier hat man die zusätzliche Arbeit mit den Besuchern gern gemacht. „Wir geben unsere Erfahrungen gern weiter und zeigen, wie viel Mühe wir uns geben, um den Schweinen optimale Bedingungen zu bieten und auch dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter jeden Tag gern zur Arbeit kommen“, sagt Ottmar Kapl beim Abschied.