Gommern l Was haben Corona, Cobe (Bryant, vor kurzem tödlich verunglückter Basketballspieler) oder das Wort safe (deutsch: sicher) gemeinsam? Sie alle stehen auf der Liste des Zeichenwettbewerbs (Sketch-Battle), den Gommerns Streetworker Dennis Lapin per Whatsapp ins Leben gerufen hat. Alle Jugendlichen, die sich beteiligen, haben Interesse an Graffiti. Regelmäßig ist ein neues Wort zu gestalten, die Arbeiten werden bewertet. Für besondere Effekte kann es Zusatzpunkte geben. Den Erstplatzierten winken nicht nur die Ehre, sondern auch Preise. „Das Turnier ist eine Möglichkeit für mich, mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben und Präsenz zu zeigen“, sagte Dennis Lapin. Wenn es seine Zeit hergibt, beteiligt er sich an dem Wettstreit mit eigenen Entwürfen - allerdings außer Konkurrenz.

Im Homeoffice zu arbeiten ist für einen Streetworker, dessen Aufgabe gerade der persönliche Kontakt ist, nicht einfach. Er versuchte beispielsweise über Videokonferenzen für die Jugendlichen da zu sein. Allerdings war der Erfolg damit nicht so groß wie bei der Sketch-Battle. Zum einen gab es technische Probleme, zum anderen war es schwierig, eine Zeit zu finden, auf die sich möglichst viele Teilnehmer einigen konnten.

Zum Teil wandten sich in den vergangenen Wochen auch Eltern an den Streetworker, die sich wünschten, dass er sich mit ihren Kindern auseinandersetzt. In diesen Fällen traten in Familien Schwierigkeiten stärker zutage, die es schon vor der Coronavirus-Pandemie und ihren Einschränkungen gegeben hatte.

Herausforderung Schule

„Den Jugendlichen geht es genauso wie allen anderen auch“, sagte Dennis Lapin. Es sei belastend für sie, dass sie solange ihre Freunde nicht treffen konnten. Einige seien von den schulischen Anforderungen überfordert gewesen, einigen sei es nicht gelungen, sich zuhause ihren Alltag so zu strukturieren, dass sie ihre Aufgaben erfüllen konnten. Die Willenskraft, Ablenkungen im Homeoffice zu widerstehen, gelingt schließlich auch nicht allen Erwachsenen. Nicht zuletzt machte sich bei den Jugendlichen Langeweile breit, ergänzte Dennis Lapin. Irgendwann habe auch Netflix nichts mehr zu bieten.

Andere, die beispielsweise ihre Ausbildung fortsetzen konnten, merkten in ihrem Alltag nicht so viele Veränderungen.

Inzwischen durfte der Streetworker sein Homeoffice wieder verlassen und unter Berücksichtigung aller Hygienevorschriften wieder mit Jugendlichen in seinem Büro (Haus K 30) sprechen, wenn sie sich mit ihren Sorgen und Fragen an ihn wenden.

Gemeinsam mit dem Freiwilligendienstleistenden Hannes Bierstedt räumte er in dieser Woche zudem den Jugendclub aus. Die Schließzeit wird für Malerarbeiten genutzt.

Neues Konzept für die Kids

Wenn die Jugendlichen eines Tages in ihren Jugendclub zurückkehren können, dann können sie sich unter Umständen auf eine moderne technische Ausstattung freuen. Dennis Lapin hat ein medienpädagogisches Konzept entwickelt und bei der Telekom-Stiftung eingereicht. Im September soll die Entscheidung fallen, ob das Gommeraner Projekt mit 10.000 Euro gefördert wird.

„Ich stecke da viele Hoffnungen rein“, sagte der Streetworker. Die Ausstattung wäre auf verschiedenen Ebenen sinnvoll. Zum einen könnte die Beratung vor Ort im Jugendclub viel besser funktionieren, wenn gleich etwas ausgedruckt oder eine E-Mail gemeinsam mit dem Jugendlichen an eine Behörde geschrieben werden könnte.

Zum anderen böte ein kreativer Arbeitsplatz mit Audio-, Video- und Gestaltungstechnik viele Möglichkeiten für die Jugendlichen. In der Förderung wären Honorare für Workshops inbegriffen, in denen Akteure aus der Kultur- und Musikszene ihr Wissen an die Jugendlichen weitergeben und sie in die Lage versetzen, selbst Videos zu drehen. Der Jugendclub könnte sich eine eigene digitale Präsenz schaffen.

Ein anderer Aspekt, den Dennis Lapin im Blick hat, ist der verantwortungsvolle Umgang mit Medien. Die Jugendlichen sollen sich fragen: Woher beziehe ich meine Informationen? Wie seriös sind die Quellen? Wie kritisch gehe ich damit um?

Bedenken, dass es nicht mit der Zusage für die Förderung klappen könnte, hat Dennis Lapin nur in einer Hinsicht: Die Stiftung könnte sich an der Konstellation stören, dass es im Gommeraner Jugendclub keinen festangestellten Mitarbeiter gibt, der für Kontinuität stehe, sondern den Freiwilligendienstleistenden, den Streetworker, der teilweise für den Jugendclub zuständig ist, und Freiwillige.