Glyphosat und Honig

Rund 30 Kilogramm Honig bringt ein Bienenvolk im Jahr dem Imker ein. Das ist ein Zehntel dessen, was die Bienen produzieren. Gut 270 Kilo sind Futter fürs 40 000 bis 60 000 Tiere zählende Bienenvolk.

Rund 5000 Tonnen Glyphosat werden pro Jahr in Deutschland ausgebracht, 98 Prozent davon im Frühjahr und Herbst. Als Wirkstoff ist Glyphosat aktuell in 96 Präparaten zugelassen. Über 40 davon dürfen auch in Kleingärten angewandt werden. Eingesetzt wird es auch, um Bahngleise von Bewuchs freizuhalten. Inzwischen gibt es auch Glyphosatfunde in Waldhonig.

Seit Jahren gibt es einen wissenschaftlichen Streit um die Einschätzung des Krebsrisikos von Glyphosat. Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation hat dieses meistgespritzte Pestizid als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) kam im März 2017 zu dem Schluss, dass Glyphosat nicht krebserregend sei.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efta) und das Bundesamt für Risikoforschung (BfR) legen die Höchstmengen für Lebensmittel fest. Sie liegen weit unterhalb jeder Gefährdungsgrenze. Getreide darf bis zu 20 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm (mg/kg) enthalten, Obst 0,1 mg/kg. Für tierische Produkte, zu denen Honig gehört, beträgt die zulässige Höchstmenge 0,05 mg/kg.

Im November 2017 hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gegen Absprachen in der geschäftsführenden Bundesregierung und Willen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bei der EU für eine weitere Zulassung des Unkrautgiftes für weitere fünf Jahre in Europa gestimmt. (am)

Eickendorf l Der Weg bis zum Kleingartenverein „Bördegruß“ in Eickendorf blüht in voller Pracht. Es liegt ein angenehmer Duft in der Luft. Gelber Raps, so weit das Auge reicht. Schuld an dem farbenfrohen Schauspiel sind unter anderem die Bienenvölker vom Eickendorfer Imker Thomas Rahms. Sie haben ihren Platz in einem ehemals brachliegenden Garten gefunden.

„Es gab einfach ein wenig Freizeit, die ich nutzen wollte“, so fängt die Geschichte von seinen Anfängen an. Eigentlich wollte Thomas Rahms den Traum vom Fliegen leben. Ein Flugschein für Kleinflugzeuge war die Idee. Doch seine Frau legte ihr Veto ein. „Durch die Medien wurden wir auf das Bienensterben aufmerksam gemacht“, erklärt der Imker. Das Interesse war geweckt. Selbst fliegen stand nun hinten an. Heute lässt der Imker fliegen. Und zwar seine fleißigen Bienen.

Im Jahr 2012 beginnt Thomas Rahms mit der Recherche zum Thema Bienenzucht. Auf Tagungen des Imkerverbands Sachsen-Anhalt findet er Informationen und knüpft Kontakte. Daraufhin wird Wolfram Böhm, Vorsitzender des Schönebecker Imkervereins, sein Mentor. Eine Imkersaison lang lernt der Eickendorfer von der Pike auf die Kunst des Bienenzüchtens. „Ich war quasi der Praktikant von Wolfram Böhm“, scherzt Thomas Rahms. Von Böhm hat der Imker auch seine ersten zwei Bienenvölker erhalten. Mittlerweile sind es 14 arbeitende Völker. Das sind bis zu 60 Tausend Bienen. Pro Volk, versteht sich.

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Trotzdem sieht der Imker weiterhin viele Gefahren für die Bienen. Der in die Kritik gekommene Unkrautvernichter Glyphosat ist nur ein Problem. „Den Bauern mache ich nicht mal einen großen Vorwurf“, so Rahms. „Die Landwirte stehen unter großem Druck und nutzen bestehende Gesetze. Da muss die Politik handeln.“ Der gewonnene Honig eines Imkers muss von einem unabhängigen Labor untersucht werden. Wird ein bestimmter Grenzwert überschritten, darf er nicht mehr verkauft werden. Der Honig von Thomas Rahms ist allerdings unbedenklich zu genießen. Er liegt weit unter den Grenzwerten.

Varroamilbenproblem

Ein weiteres Problem ist die Varroamilbe. Sie kann zum Aussterben der Bienen führen, wenn sie nicht behandelt wird. „Zu DDR Zeiten gab es hier die Milbe nicht. Erst nach der Grenzöffnung wurde der Schädling eingeschleppt“, erklärt Rahms weiter. Der Imker wirkt beunruhigt, wenn es um den Zustand der Natur geht. „Früher war bei längeren Fahrten das Kennzeichen am Auto voller Insekten. Heute ist das anders. Ich denke, daran kann man gut den Zustand der Umwelt erkennen“, so der Naturfreund.

Ans Aufhören denkt Thomas Rahms dennoch lange nicht. Gerade auch, weil viele Freunde und Nachbarn dankbar für den gewonnen Honig des Bienenzüchters sind. Studien belegen, dass Honig dazu führen kann, dass Allergiker bei Heuschnupfen durch das geringe Aufkommen der Pollen im Honig selbst sensibilisiert werden können. „Diesen Effekt habe ich von vielen Mitmenschen schon zu hören bekommen“, erläutert Rahms. „Bei manchen ist die Heuschnupfenallergie fast ganz abgeklungen.“

Währenddessen summen und brummen die abertausend Bienen in der Luft umher. Die Tiere haben normalerweise eine Flughöhe von knapp einem Meter. „Es sei denn, Hindernisse sind im Weg“, so der Bienenzüchter. Der Kleingarten ist ringsum von einer Hecke und einigen Bäumen und Sträuchern umgeben, sodass die Bienen mehrere Meter in die Luft schießen und von dort aus nach Pollen suchen. Alles koordiniert durch die Bienenkönigin. Das Bienenvolk ist trotzdem nicht so unmündig, wie manch einer denken könnte. „Falls die Königin schlecht über das Volk herrscht, können sie die Königin auch stürzen und eine Neue eingliedern“, so Rahms. „Das Volk entscheidet. Fast wie in einer Demokratie.“