Hamburg (dpa) - Es ist das Treffen zweier Traditionsnamen. Universum Box-Promotion und die Hamburger Unternehmerfamilie Otto bilden seit kurzer Zeit eine Symbiose.

Ismail Özen-Otto, Schwiegersohn von Versandhaus-Legende Michael Otto, will den einst größten Boxstall Europas zu neuem Glanz führen. "Wir lassen die Tradition aufleben. Wir wollen die Nummer eins in Europa werden", sagt Geschäftsführer Özen-Otto, der mit Zustimmung des Insolvenzverwalters den Namen der untergegangenen Weltmeister-Schmiede nutzen darf.

Der in Hamburg geborene 38 Jahre alte Türke hat große Pläne und reaktiviert einstige Universum-Champions für sein Unternehmen. "Dariusz Michalczewski soll Sportdirektor werden, Regina Halmich soll sich um das Frauen-Boxen kümmern", betont er. Seine Cheftrainer sind die früheren Universum-Weltmeister Juan Carlos Gomez und Artur Grigorian. Sauerland-Trainer Ulli Wegner ist als Berater eingeplant. "Im Moment kann ich nicht. Aber ich würde es machen", sagt Wegner. "Ich glaube, dass der Junge was schaffen kann."

Özen-Otto unterhält sein Gym an der Großen Elbstraße in Hamburg. Auf seine ehrgeizigen Pläne ist auch das ZDF aufmerksam geworden und hat eine Partnerschaft geschlossen für zunächst zwei Veranstaltungen. Neun Jahre hatte der öffentlich-rechtliche Sender das Profiboxen ignoriert. Nun will der frühere TV-Partner von Ex-Universum-Chef Klaus-Peter Kohl "authentisches Boxen" präsentieren.

"Wir wollen das deutsche Boxen wieder nach oben bringen", sagt Özen-Otto und bedauert die Entwicklung der vergangenen Jahre. "Es gab wenig Kämpfe auf Augenhöhe. Das wollte das Publikum nicht mehr sehen. Außerdem hat die Ausbildung des Nachwuchses gelitten. Auch die Klitschkos haben keine Nachwuchsboxer entwickelt."

Özen-Otto beteuert, es fließe kein Geld aus der Otto-Dynastie in das Box-Projekt. Boxen sei "nicht das Ding" von Schwiegervater Michael Otto, sagt er. "Aber er mag Sport. Er berät mich, und ich informiere mich bei ihm in geschäftlichen Fragen."

Auf größere Gegenliebe stößt der Faustkampf bei Ehefrau Janina. "Sie liebt Boxen. Sie ist stolz auf das, was ich geschaffen habe", berichtet der zweifache Vater. Zugpferd im neuen Universum-Stall ist Artem Harutyunyan, olympischer Bronzemedaillen-Gewinner von Rio 2016. Ihn will Özen-Otto zum Weltmeister aufbauen. "Wir wollen bald auf zehn Hauptkämpfer kommen", sagt der neue Universum-Macher.

Özen-Otto ist ein politisch aktiver Mensch. Vor allem die Situation in der Türkei treibt ihn um. "Ich hoffe, es ändert sich dort bald einiges. Die Menschen wollen Demokratie und Meinungsfreiheit", sagt er. Mit seiner Meinung hält er nicht zurück. "In den Augen der Machthaber dort bin ich ein Terrorist. Es gibt einen Haftbefehl gegen mich, obwohl ich dort nie eine Straftat begangen habe." Zuletzt war er 2014 in der Türkei. Den türkischen Pass besitzt er nicht mehr. "Der wurde vom Konsulat eingezogen. Ich habe einen deutschen Pass beantragt."

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