Berlin (dpa) - Ulli Wegner kann mit dem Gedanken an einen Ruhestand auch mit 77 Jahren nichts anfangen. "Die Vorstellung, nicht mehr Boxtrainer zu sein, ist für mich unheimlich schwer zu ertragen", sagte der hochdekorierte Coach in einem Interview der Zeitung "Tagesspiegel".

"Wissen Sie, privat freut sich meine Frau. Aber niemand weiß, was rauskommt, wenn ich den ganzen Tag zu Hause sitze." 103 WM-Kämpfe begleitete Wegner in seiner Karriere nach eigenen Angaben, 89 davon gewannen seine Schützlinge.

Zum Jahresende wird die Kündigung wirksam, die Wegner vom Boxstall von Promoter Wilfried Sauerland im Oktober erhalten hat. Ein Gütetermin vor dem Landesarbeitsgericht Berlin/Brandenburg war Anfang Dezember gescheitert. Wegner klagt gegen die Kündigung. Die Sauerland-Seite soll mittlerweile bereit sein, diese erst zum 31. März 2020 auszusprechen. Die Wegner-Seite soll eine Kündigungsfrist bis zum 30. April gefordert haben. Am 18. März kommt es zum nächsten Gerichtstermin.

"Wir waren ein großes Team, mit Fleiß und Stolz. Jetzt sagen sie, dass sie sich mich nicht mehr leisten können und das Gym auch nicht", sagte Wegner dem "Tagesspiegel". Das könne man verstehen, konstatierte er, "aber die Art und Weise ist abstoßend" und sei für ihn enttäuschend. Sauerland solle ihm noch das geben, was ihm zustehe, und dann wolle er in Frieden rausgehen, "auch wenn einiges kaputtgegangen ist. Das tut mir in der Seele weh, da schäme ich mich gar nicht, das zuzugeben."

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