Darlingerode l In der Pizzeria in Darlingerode stehen Veränderungen an. Das langjährige Betreiber-Ehepaar Edeltraut und Joachim Albrecht geht Ende dieses Monats in den Ruhestand. Doch zum Glück für ihre treue Kundschaft haben sich Nachfolger gefunden. Ein Schicksal, wie es die immer noch leerstehende Sportlergaststätte erlitten hat, bleibt der Pizzeria erspart.

Angefangen hatte alles vor fast 30 Jahren. Am Straßenrand der damaligen B6 hatte sich ein Italiener mit einer mobilen Pizza-Bäckerei niedergelassen. Aber auch der wollte nicht im Akkord durcharbeiten und suchte nach einer Aushilfe. Davon erfuhr Edeltraut Albrecht, die bis dahin in der Kantine im Holzbau Wernigerode in der Ilsenburger Straße arbeitete. Sie bekam den Aushilfsjob und hatte Spaß an der Arbeit.

Probleme

Doch je länger das Mobil an der Straße stand, je komplizierter wurde es. Die Lebenmittelkontrolleure standen immer häufiger vor dem Wagen - nicht, weil darin unsauber gearbeitet wurde, sondern weil Straßen-dreck und Essen nicht zusammen passten. Der Wagen musste also vom Straßenrand weg. Fast parallel dazu verlor auch der Italiener die Lust am Arbeiten im Harz und wollte zurück in seine Heimat - in diesem Fall das Ruhrgebiet, in dem seine Familie wohnte.

Edeltraut Albrecht hatte sich inzwischen aber schon so gut eingearbeitet, dass sie den Laden schon allein schmeißen konnte. Zusammen mit Ehemann Joachim kaufte sie Emilio, so hieß der Italiener, den Wagen ab.

Der Verkauf wurde von der Straße auf das familieneigene Grundstück verlegt und schon bald darauf hatte der Wagen ausgedient. Dank Joachim Albrecht war aus einem ehemaligen Bungalow eine kleine, aber feine Gaststätte geworden - die Pizzeria. Und es ging auch ohne waschechten Italiener. Das Restaurant wurde angenommen und wuchs nach und nach. Heute bietet das Geschäft in seinem Inneren 40 und im Außenbereich zusätzlich 50 Plätze an.

Heimweh

Mit den Jahren haben aber auch die Albrechts festgestellt, dass sie nicht jünger werden. Die Gesundheit ist nicht mehr so ganz die Beste, so dass vor etwa einem Jahr die Mittags-Öffnungszeiten gestrichen wurden.

Dann fügte es sich aber, dass Edeltraut und Joachim Al-brecht ernsthafte Interessenten für eine Übernahme fanden. André Hinz, ein gebürtiger Wernigeröder, den es in der Wendezeit in den Ruhrpott verschlug, wurde vom Heimweh gepackt und suchte eine berufliche Perspektive in seiner Harzer Heimat. Hinz ist gelernter Hotelfachmann und ausgebildeter Betriebswirt, weiß also beim Thema Gastronomie Bescheid. Er wird gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Justyna Migdalska die Pizzeria übernehmen und will am 3. Oktober erstmals in Eigenregie eröffnen.

Die beiden Neuen werden schon seit einigen Wochen eingearbeitet, so dass sie dann schon nicht mehr ganz so neu sind, wenn sie das erste Mal auf eigene Rechnung wirtschaften. „André und Justyna sind schon bei unseren Stammgästen bekannt und ich bin mir sicher, dass sie es hier packen werden“, sagt Edeltraut Albrecht, die für ihren letzten Arbeitstag Ende September einen tränenreichen Abschied befürchtet. „Ja, ich ahne Schlimmes. Aber letztlich wird die Vernunft siegen, denn die Entscheidung haben wir uns lange und reiflich überlegt. „Und sollte es doch mal Probleme für André und Justyna geben, wir bleiben ja direkte Nachbarn“, bietet Joachim Albrecht den künftigen Pächtern die Unterstützung der langjährigen Betreiber an.

Freude

Zum Monatsende kündigt sich also in Darlingerode eine Firmenübernahme an, die zwar klein, aber für den Ort wichtig ist. Zum einen bleibt die offensichtlich letzte Gaststätte erhalten, zum zweiten hat ein Rückkehrer in den Harz eine berufliche Perspektive und zum dritten soll es sich auch für die Kunden lohnen. „Wir werden weitgehend alles beim Gewohnten belassen. Allerdings werden wir ab Oktober auch wieder mittags für unsere Gäste öffnen“, verspricht André Hinz, der sich mit seiner Lebengefährtin auf eine spannende Zeit freut.

Für Freude hat der Betreiberwechsel auch bei einigen Darlingeröder Vereinen gesorgt. Die relativ kleine Volkssolidarität zum Beispiel hatte seit dem Aus der Sportlerklause die Pizzeria als „ihre“ Vereinsgaststätte auserkoren. Die Senioren freuen sich vor allem, dass sie sich nicht wieder auf die Suche nach einem Domizil machen müssen, sondern ihrer Pizzeria treu bleiben können. Zum jüngsten Vereinstreff dankten sie deshalb Edeltraut Albrecht mit einem großen Blumenstrauß und wollen auch mit den Nachfolgern ein gutes Einvernehmen. „Beschnuppert“ hat man sich schon und es sollte eigentlich auch künftig keine Probleme geben.