Hintergrund

So entstehen die Zahlen am Wahlabend

27.09.2021, 00:01
Die 18-Uhr-Prognose rief vor allem bei Rechtsextremen wieder Verschwörungs-Erzählungen hervor.
Die 18-Uhr-Prognose rief vor allem bei Rechtsextremen wieder Verschwörungs-Erzählungen hervor. Foto: Archiv

Halle (Saale)/DUR – An Wahlabenden haben Verschwörungserzählungen regelmäßig Hochkonjunktur. Was viele vor allem nicht verstehen können oder wollen: Wieso gibt es 18 Uhr bereits Zahlen, die dem amtlichen Endergebnis recht nahe kommen?

Für die 18-Uhr-Prognose sind Mitarbeiter der Umfrageinstitute den ganzen Wahltag über in Hunderten Wahllokalen in ganz Deutschland unterwegs. Sie sprechen Bürger an, die gerade wählen waren. Ihre Bitte: Wählen Sie für uns noch einmal genauso wie eben im Wahllokal. Mit diesen Ergebnissen errechnen die Wahlforscher dann die 18-Uhr-Prognose.

Dieses Mal war die Prognose aber noch schwerer als sonst: Denn die Briefwähler erreichen die Befragungen am Wahllokal nicht. Und bei der Bundestagswahl 2021 haben besonders viele Menschen per Brief gewählt. Daher müssen die Briefwählerstimmen geschätzt werden. Ein Grund, warum die 18-Uhr-Prognose in diesem Jahr an vielen Stellen um rund einen Prozentpunkt abwich.

19.14 Uhr gab es am Wahlabend bei der ARD die erste Hochrechnung. Hier flossen dann zum ersten Mal echte ausgezählte Stimmen ein. Diese echten Stimmen werden dann von den Wahl-Profis – wie der Name schon sagt – auf ganz Deutschland hochgerechnet.

Je später der Abend, desto mehr Ergebnisse liegen vor, und umso genauer werden die Hochrechnungen. Spätestens ab 22 Uhr sind die Zahlen dann meist so genau, dass sie vom späteren Endergebnis kaum noch abweichen.

Und der ARD-Fehler vom Freitag? Am frühen Freitagabend lief in einer ARD-Quizshow plötzlich ein Laufband mit angeblichen Hochrechnungen zur Bundestagswahl. Vor allem Rechtsextreme nutzten diesen Fehler des Senders auch am Sonntag als vermeintlichen Beweis für eine Fälschung. Dass die dort probeweise eingegebenen Zahlen nicht mit denen vom Wahlabend übereinstimmten, ließen die Demokratie-Feinde dabei unberücksichtigt.

Richtig ist: Wie alle Redaktionen hat die ARD ihre Wahl-Technik im Vorfeld getestet. Bei der ARD ging der Test jedoch für viele Zuschauer sichtbar auf Sendung. Mehr als ein Technik-Test war es jedoch nicht.