AG Pinneberg einsturzgefährdet: Roboter bergen Akten

Von dpa
Ein Roboter fährt im Amtsgericht Pinneberg über einen gesperrten Flur.
Ein Roboter fährt im Amtsgericht Pinneberg über einen gesperrten Flur. Daniel Bockwoldt/dpa

Hamburg - Im zum Teil einsturzgefährdeten Amtsgericht Pinneberg bergen Roboter die Akten. Wie ein Mitarbeiter der zuständigen Firma „telerob“ für Fernhantierungstechnik erläuterte, dürfe niemand das Gebäude betreten. Um die Akten dennoch zu sichern, seien seit zwei Wochen nun zwei Roboter im Einsatz. „Der Roboter agiert quasi als mein verlängerter Arm. Er hat einen ähnlichen Aufbau wie der menschliche Arm“, schilderte der Mitarbeiter weiter. So könne er den Roboter aus sicherer Entfernung steuern und die Akten aus den Regalen ziehen. Daraufhin würden diese auf einen Wagen gelegt und abtransportiert werden, ohne dass jemand in das Gebäude müsse.

Auf diese Weise bergen die Roboter dem Mitarbeiter zufolge zur Zeit etwa 350 bis 400 Akten pro Tag. Wenn Regale besonders nah aneinander stünden oder sich die Akten in zu großer Höhe befänden, kämen die Roboter zwar an ihre Grenzen. Im Allgemeinen funktioniere die Arbeit mit ihnen aber gut. Normalerweise würde diese Art Roboter des Modells „telemax plus evo“ hauptsächlich zur Entschärfung improvisierter Sprengeinrichtungen eingesetzt.

Das Amtsgericht Pinneberg hatte seine Tätigkeit zuvor an andere Standorte verlagern müssen. Ende Mai war bereits der Westflügel des Gebäudes geräumt worden, da es Alkali-Kieselsäure-Reaktionen im Fundament gegeben hatte, welche umgangssprachlich auch als „Betonkrebs“ bezeichnet werden. Wie sich später herausstellte, war auch der Ostflügel davon betroffen. Der Westflügel wurde als akut einsturzgefährdet eingestuft, wie das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein mitteilte. Anwohner wurden über die mögliche Gefahrensituation im Falle eines Einsturzes informiert, hieß es. Der Ostflügel sei nicht einsturzgefährdet, müsse aber ebenfalls saniert und demnach geräumt werden, hieß es in einer Mitteilung des Justizministeriums. Der Gerichtsbetrieb laufe zwar weiter, es käme jedoch zu Verzögerungen. Einige Mitarbeiter seien vorübergehend im Homeoffice oder in einem Co-Working-Space untergebracht.