Amtsarzt zweifelt an Arbeit vieler neuer Corona-Teststellen

Von dpa
Der Tupfer, mit dem ein Abstrich für einen Coronatest gemacht wird.
Der Tupfer, mit dem ein Abstrich für einen Coronatest gemacht wird. Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild

Berlin - Der Berliner Amtsarzt Patrick Larscheid hat die Kompetenz vieler neuer Schnelltest-Stellen für Corona-Checks in der Hauptstadt stark bezweifelt. „Die einzige Kompetenz für eine Teststelle ist, draußen ein Schild aufhängen zu können“, sagte er am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es nicht allein um fachgerechte Abstriche in Nase oder Rachen. „Dass dieses System zum Betrug einlädt, ist sicher nicht zu viel gesagt. Wenn man 200 Tests am Tag abrechnet, dann hat man im Quartal einen Bruttoumsatz von 324 000 Euro.“

In Berlin sind in den vergangenen Wochen jenseits des klassischen Gesundheitssektors immer mehr Stellen für Corona-Schnelltests eröffnet worden - unter anderem auch in Bäckereien, Spielhallen und Dachdecker-Betrieben. Zur Zeit gebe es rund 1400 Test-Stellen, sagte Larscheid, Amtsarzt im Bezirk Reinickendorf. „Sie wachsen schneller aus dem Boden, als wir informiert werden, wo überhaupt eine ist.“ Immer mehr Bürger beschwerten sich über zweifelhafte Tests und Ergebnisse. Das Reinickendorfer Gesundheitsamt gehe Beschwerden nach und prüfe pro Tag 10 bis 15 Schnelltest-Stellen.

Die Gesundheitsämter sind für Kontrollen der hygienischen Umstände und medizinische Abläufe zuständig. Die Beauftragung einer Teststelle läuft auf Antrag jedoch über den Senat. Die Kosten vergütet der Bund pro gemeldetem Test. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin nimmt die monatlichen Meldungen der entstandenen Kosten der registrierten Testanbieter entgegen. Überprüfen kann sie nach eigenen Angaben ausschließlich formale Aspekte.

Die KV Berlin hat für den Monat März rund 1,3 Millionen Euro und für den Monat April - auch rückwirkend - rund 16,7 Millionen Euro an die Teststellen-Betreiber ausgezahlt. Darüber hinaus wurden für die selbst beschafften und vorausgelegten PoC-Antigen-Tests rund 8 Millionen Euro erstattet, teilte die KV Berlin auf Anfrage mit.