Arbeitsmarkt

Bescherung ohne Weihnachtsmann: Kaum Interessenten für Job

Weihnachtsmänner sind heiß begehrt an Heiligabend, aber immer weniger Menschen wollen den Job. So haben einige Vermittler ihr Angebot eingestellt, andere sind ausgebucht. Glück hat da, wer einen Freund, Nachbarn oder Kollegen hat, der in roter Robe die Kinder beschert.

Von dpa Aktualisiert: 25.11.2022, 22:31
Ein Weihnachtsmann läuft über den Neumarkt.
Ein Weihnachtsmann läuft über den Neumarkt. Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Dresden/Chemnitz - Der Fachkräftemangel in Sachsen hat auch den Weihnachtsmann erwischt. Wer jetzt noch einen Weihnachtsmann für Heiligabend sucht, hat häufig schlechte Karten. „Wir haben Anfang November einen Buchungsstopp erlassen“, sagte Hendrik Scholz vom Weihnachtsmann-Service in Dresden mit Blick auf Nachmittag und Abend des 24. Dezember. „Wir können uns vor Nachfragen nicht retten.“ Es mangele jedoch an Menschen, die in die rote Robe schlüpfen wollen. Dabei locke ein Stundensatz von bis zu 80 Euro.

Auch ein Anruf bei der studentischen Arbeitsvermittlung (STAV) in Dresden ist nicht von Erfolg gekrönt: Sie hat die langjährige Vermittlung von Weihnachtsmännern und Engeln eingestellt. Zuletzt seien 2019 solche Geschenkebringer vermittelt worden, im Jahr darauf sei das Angebot wegen der Corona-Auflagen beendet worden, heißt es.

Rund 60 Männer und Frauen wurden 2019 von der STAV als Weihnachtsmann oder Engel vermittelt - nicht nur Studenten. Kunden seien fast ausschließlich Familien gewesen, erklärte Vorstandsmitglied Luzia Franke. Allerdings habe das Angebot schon früher bei etwa 500 gedeckelt werden müssen. Den Angaben zufolge gab es aber immer weniger Studenten, die diesen Job machen wollten. „Viele Studierende kommen nicht aus Dresden und können deshalb am 24.12. nicht Weihnachtsmann oder Engel spielen.“ Wer dieses Jahr nicht auf den Weihnachtsmann zur Bescherung verzichten will, kann sich demnach immerhin eines der Kostüme ausleihen und selbst in die Rolle schlüpfen oder einen Nachbarn oder Kollegen um Hilfe fragen.

Über die Arbeitsagenturen in Sachsen ist ebenfalls nicht mehr an einen Weihnachtsmann zu kommen. Als letzte habe die Arbeitsagentur Zwickau diesen Service bis 2019 angeboten, seither ruht er auch dort, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage informierte. Man konzentriere sich vielmehr darauf, die Menschen langfristig in Arbeit zu bringen, betonte die Pressestelle.

Scholz' Servicebüro hat insgesamt nur noch sechs Weihnachtsmänner in petto. „Wir könnten locker 20 bis 30 mehr beschäftigen.“ Gebucht würden sie nicht nur zu Heiligabend, sondern auch für Feiern von Schulen, Vereinen und Firmen in der Vorweihnachtszeit sowie für Veranstaltungen in Einkaufszentren. Vorwiegend junge Menschen und Senioren nutzten den Weihnachtsmann-Job, um sich etwas dazu zu verdienen. Dank weißem Rauschebart und Kunstbauch zum Umschnallen seien keine besonderen körperlichen Voraussetzungen erforderlich, betonte der Unternehmer.