Bürgermeister will nach Abwahl wieder ins Amt

Swen Ennullat wurde im März als Bürgermeister von Königs Wusterhausen in einem Bürgerentscheid abgewählt - am Sonntag tritt er wieder an. Politiker der Stadt reagieren vorab mit Kritik.

Von dpa 02.07.2021, 16:09

Königs Wusterhausen - Er will es noch einmal wissen: Rund vier Monate nach seiner Abwahl als Bürgermeister von Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) stellt sich Swen Ennullat an diesem Sonntag wieder zur Wahl für das Amt. Er kandidiert für die Freie Unabhängige Wählergemeinschaft Königs Wusterhausen (FWKW). Michaela Wiezorek ist die gemeinsame Kandidatin von SPD, CDU, Grüne, Linke und Wir für KW. Patrick Franke tritt für die Partei Die Partei an. Birgit Uhlworm kandidiert für die Unabhängige Frauenliste. Etwa 32.000 Bürger sind zur Wahl aufgerufen.

Ennullat war seit 2017 Bürgermeister in Königs Wusterhausen. Im März dieses Jahres hatten die Einwohner in einem Bürgerentscheid mit 63,5 Prozent für seine Abwahl gestimmt. 36,5 Prozent votierten dagegen. Die Wahlbeteiligung betrug 47,3 Prozent. Kritiker des Bürgermeisters hatten seine Blockadepolitik bei Entscheidungen des Parlaments beklagt und den Bürgerentscheid auf den Weg gebracht. Unter anderem hatte Ennullat den im Dezember 2019 beschlossenen Haushalt 2020 blockiert. Er habe ihn nicht an die Kommunalaufsicht zur Genehmigung vorgelegt, wie die Grünen-Abgeordnete Ines Kühnel der dpa berichtete. Durch die Blockade hätten Vereine der Stadt kein Geld erhalten.

Dass Ennullat erneut für das Bürgermeisteramt kandidiert, sehen auch andere Politiker der Stadtfraktionen mit Sorge. „Das ist Ausdruck seiner Persönlichkeit, sein mangelndes Demokratieverständnis, dass er gewisse Entscheidungen nicht akzeptieren kann“, sagte Ludwig Scheetz, SPD-Landtagsabgeordneter für Königs Wusterhausen am Freitag. Die Stadt sei durch den Wahlkampf keinesfalls befriedet worden. Ennullat habe ihn teils mit Verleumdungen gegen die Kandidaten der Fraktionen geführt. Er habe klassischen Populismus betrieben.

Noch drastischer formulierte es der Linken-Abgeordnete Michael Wippold. „Er hat offensichtlich narzistische Züge, in seiner Wahrnehmung hat er alles richtig gemacht“, sagte er zur erneuten Kandidatur des abgewählten Bürgermeisters. Politisch sei Ennullat „kaum verortbar“. Die AFD sei die einzige Partei, die ihn unterstütze. Sie habe auch keinen eigenen Kandidaten aufgestellt.

Die Grünen-Abgeordnete Kühnel hatte Ennullat zunächst unterstützt, weil er sich als Familienvater anfänglich für die Interessen von Kinder und Jugendlichen eingesetzt habe, wie sie sagte. Im Januar 2018 trat Kühnel in die FWKW ein. Bereits zwei Monate später sei sie wieder ausgetreten, weil die Wählergemeinschaft „ohne Skrupel“ mit Rechtspopulisten zusammengearbeitet habe. Zuletzt habe sich Ennullat auch nicht für ein beschlossenes kostenloses Mittagessen für Kita- und Schulkinder von sozial schwächeren Familien in der Corona-Zeit zuständig gefühlt. Die Stadt lehnte diese Maßnahme ab.

Ennullat war auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er am Freitag „Guten Morgen! Wahlkampfendspurt! Am Nachmittag dann in Kablow!“ und lud bei Veranstaltungen zum Gespräch ein.

Vor der Wahl herrscht nach Ansicht von Scheetz große Angespanntheit in der Stadt. Nach den sehr spaltenden Jahren müsse der Zusammenhalt wieder gestärkt werden, mahnte er. „Man muss Angebote schaffen, Jugendarbeit und Ehrenamt wieder stärken, die für ein funktionierendes Gemeinwesen extrem wichtig ist“. Es sei eine „Mammutaufgabe“, die Stadt wieder zu befrieden, schätzte Wippold ein.

Stadtsprecher Reik Anton bedankte sich schon vorab bei den ehrenamtlichen Wahlhelfern. Es sei immer schwieriger, genügend Ehrenamtliche zusammenzubekommen.