Der "goldene Geier" geht an...

Deutsche Umwelthilfe: Preisverleihung für die dreisteste Umweltlüge 2021

Jährlich vergibt die Deutsche Umwelthilfe den sogenannten Schmähpreis namens "Der goldene Geier". Dabei wird die dreisteste Umweltlüge des Jahres gekürt. Nominiert werden Unternehmen, die Umweltfreundlichkeit versprechen, es aber nicht einhalten - auch bekannt als "Greenwashing". Das ist der diesjährige Gewinner.

Von Linda May van Bui
Greenwashing durch Unternehmen würde unserer Umwelt schaden und echten Klimaschutz verhindern, so die DUH.
Greenwashing durch Unternehmen würde unserer Umwelt schaden und echten Klimaschutz verhindern, so die DUH. Foto: Stefan Schejok/DUH

Berlin -  Welcher Konzern betreibt das dreistete Greenwashing? Diese Frage beantwortet jährlich die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mittels eines Online-Votings. Nominiert waren dieses Mal der Energiekonzern RWE, die Firma Tetra Pak, die Pflegeserie „Nature Box“ von Henkel und Schwarzkopf, die Motorräder von BMW und die Nestlé-Tochter Nespresso. Wer hat den Schmähpreis "Der goldene Geier 2021" nun gewonnen?

Energiekonzern RWE gewinnt das Rennen für sich

Laut DHU habe sich RWE in Imagefilmen, auf Plakaten und in Internet-Kampagnen als nachhaltiges Unternehmen präsentiert. Das Ergebnis der Preisverleihung spricht eine andere Sprache.

"Die Wahrheit ist: Der RWE-Konzern ist einer der größten CO2-Verursacher Europas"

Zitat Deutsche Umwelthilfe e.V.

Alleine im vergangenen Jahr habe der Konzern über 70 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Luft gepustet. Im rheinischen Braunkohlerevier betreibe RWE die größten CO2-Schleudern Deutschlands und würde sich dabei vehement gegen den Kohleausstieg vor 2038 wehren. "Schlimmer noch: trotz des geplanten Kohleausstiegs werden weiterhin ganze Dörfer umgesiedelt und der Konzern baggert sich immer näher an den Hambacher Forst", teilte die DUH mit.

Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung des Konzerns habe im vergangenen Jahr bei lediglich 20,2% und damit weit hinter dem deutschen Strommix (2020: rund 46%) gelegen.

Tausende haben an Abstimmung teilgenommen

"Umweltlügen und Greenwashing werden ein immer größeres und wichtigeres Thema. Es bewegt die Menschen, regt sie auf, wie man auch an der Rekordzahl von 2000 Nominierungen in diesem Jahr gesehen hat. Immer mehr Firmen werben für sich oder ihre Produkte mit einem grünen Versprechen, die sich bei genauerem Hinsehen als Schwindel entpuppen", sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Das haben auch rund 25.000 Verbraucher so gesehen und per Online-Voting RWE mit großem Abstand zum dreistesten Umweltlügner gewählt.

Schmähpreis wurde an RWE persönlich übergeben

Die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz hat am gestrigen Mittwoch, den 9. Juni, den Preis höchstpersönlich an einen Vertreter des Unternehmens am Firmensitz in Essen überreicht. Bei ihrer Ankunft stand sie jedoch zunächst vor verschlossenen Toren. Wenige Minuten später eilte ein Vertreter der Unternehmens zu Barbara Metz und nahm den "Goldenen Geier" entgegen.

Der inhaltliche Austausch mit dem Vertreter verlief einseitig. Die Konzernspitze selbst war bei dieser Konfrontation nicht vor Ort. Zu den Argumenten seitens der DUH antwortete der Vertreter vor Ort lediglich "Wir sind auf einem guten Weg." Das reiche aus Sicht von Metz allerding nicht aus. Das geht aus dem YouTube-Video des Vereins hervor, in dem die Konfrontation live aufgezeichnet wurde.

Barbara Metz überreicht die Trophäe.
Barbara Metz überreicht die Trophäe.
DUH/ Stefan Schejok

RWE lag mit 44 % deutlich vor Nespresso (20 %), Tetra Pak (17 %), BMW (11 %) und Nature Box von Schwarzkopf und Henkel (8 %).

Die DUH fordert nun von allen nominierten Unternehmen, ihre Firmenpolitik zu ändern und auf wirklich nachhaltige Produkte und Verfahren umzustellen. Um diesen Forderungen gegenüber RWE Nachdruck zu verleihen, hat der Verein eine Protest-Mail-Aktion ins Leben gerufen. All diejenigen, die etwas gegen das Greenwashing des Konzerns unternehmen möchten, dürfen sich laut DUH beteiligen.