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Doppelspitze: Schaft und Grosse-Röthig wollen Linke-Vorsitz

Dass die Thüringer Linke künftig von einer Doppelspitze mit mindestens einer Frau geführt werden soll, ist schon länger bekannt. Nun hat ein Duo seine Kandidatur bekannt gegeben - und will jüngere Mitglieder stärker einbinden. Es könnten weitere Bewerbungen folgen.

Von dpa

Erfurt (dpa/th) – - Die Weimarer Anwältin Ulrike Grosse-Röthig und der Landtagsabgeordnete Christian Schaft (beide Linke) bewerben sich für den Landesvorsitz ihrer Partei. Beide machten ihre Kandidatur in einem Schreiben an die Kreisverbände der Linken öffentlich, aus dem das „Freie Wort“ zitiert und das dpa am Samstag ebenfalls vorlag. Darin heißt es, beide wollten neue Wege finden, „die Generationen in unserer Partei miteinander zu verbinden, voneinander zu lernen und von den Erfahrungen der alten wie neuen Mitglieder zu profitieren“.

Schaft sagte der Zeitung „Freies Wort“, sowohl er als auch Grosse-Röthig hätten sich nicht leichtfertig für diese Bewerbung entschieden. „Ich habe einen riesengroßen Respekt vor dieser Aufgabe und der wird täglich größer“, zitiert ihn das Blatt. Er glaube aber, sowohl Grosse-Röthig als auch er seien der Herausforderung gewachsen. Dem Bericht zufolge unterstützen die derzeitigen Linke-Vize-Vorsitzenden Steffen Dittes und Heike Werner die Kandidatur von Schaft und Grosse-Röthig.

Der dpa sagte Schaft, es gebe einen Wandel in der Mitgliederschaft der Linken. Viele jüngere Mitglieder unter 35 Jahren seien dazugekommen. Eines der Ziele der beiden sei es, diese jüngeren Mitglieder fit dafür zu machen, Aufgaben in und für die Partei zu übernehmen - beispielsweise auch in den Kommunalparlamenten.

Als eine weitere Aufgabe einer neuen Linken-Spitze sieht Schaft, in der Partei wieder stärker ins Gespräch zu kommen. Während der Corona-Pandemie seien einige Kommunikationskanäle weggebrochen. „Dass wieder aufzubauen und wieder mehr miteinander zu reden, das steht bei uns im Fokus“, sagte Schaft.

Als Herausforderung bezeichnete er die politische Situation in Thüringen, in der Linke, SPD und Grüne zusammen keine Mehrheit im Parlament haben. Für Entscheidungen im Landtag sei man auf Stimmen von CDU oder FDP angewiesen. „Ich setze einfach darauf, dass nach dem 26.9. alle wieder ein Stück weit abrüsten“, sagte Schaft. Das Land dürfe nicht drei Jahre lang nur verwaltet werden. Alle müssten sich auf eine offene Diskussion über Projekte einlassen. Am 26. September ist Bundestagswahl.

Grosse-Röthig sagte dem „Freien Wort“, sie hätten von den Menschen innerhalb und außerhalb der Partei, mit denen sie ihre Kandidatur bislang besprochen hätten, viel Zustimmung dafür erfahren. Nun gehe es aber darum, diesen Vorschlag mit möglichst vielen in der Partei zu diskutieren.

Schaft ist seit 2014 Landtagsabgeordneter der Linken. Grosse-Röthig arbeitet als Familien- und Sozialrechtsanwältin in Weimar und ist überhaupt erst seit 2019 Parteimitglied. Der Linke-Vorsitz in Thüringen ist unbesetzt, seit die bisherige Amtsinhaberin Susanne Hennig-Wellsow Anfang 2021 zu einer von zwei Bundesvorsitzenden ihrer Partei gewählt wurde und das Thüringer Amt daraufhin niederlegte.

Schaft sprach sich auf Nachfrage dafür aus, dass die Linke im Bund ein rot-grün-rotes Bündnis anstreben sollte. „Ich glaube, es ist jetzt die Zeit dafür da, dass sich für die Menschen etwas verändert“, sagte der 30-Jährige. Spürbare Veränderungen werde es seiner Meinung nach nur mit einem Mitte-Links-Bündnis geben, dafür werbe er. „Wir machen das in Thüringen seit sieben Jahren“, argumentierte Schaft.