Kaum neue Windräder in Mecklenburg-Vorpommern

Verschärfte Klimaziele und ein stark wachsender Strombedarf in den nächsten Jahren: Der beschleunigte Ausbau der Windenergie ist zwingend, wenn die Klimawende gelingen soll. Noch ist das Tempo allerdings zögerlich - der Nordosten macht keine Ausnahme.

Von dpa
Windräder drehen sich in einem Windpark.
Windräder drehen sich in einem Windpark. Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Berlin/Schwerin - Der Ausbau der Windkraft an Land verläuft in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr bislang schleppend. Im ersten Halbjahr 2021 wurden dort lediglich sieben neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 28 Megawatt gebaut. Das geht aus Zahlen der Branchenverbände Bundesverband Windenergie sowie VDMA Power Systems hervor, die dem ARD-Hauptstadtstudio sowie der Deutschen Presse-Agentur vorlagen.

Bundesweit sind in Deutschland im Berichtszeitraum deutlich mehr neue Windräder an Land hinzugekommen - das Niveau reicht aber aus Sicht der Branche nicht aus, um Klimaziele erreichen zu können. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in der gesamten Republik 240 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von zusammen 971 Megawatt installiert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dies eine Steigerung von 62 Prozent. Mecklenburg-Vorpommerns Anteil am bundesweiten Brutto-Zubau betrug nur drei Prozent - das bedeutet unter den Bundesländern nur Platz zehn.

Im ersten Halbjahr wurden in MV auch sieben Windenergieanlagen mit einer Leistung von fünf Megawatt stillgelegt. Unter dem Strich ergibt sich damit ein sogenannter Netto-Zubau von 23 Megawatt. Landesweit gab es nach Zahlen der Deutschen Windguard im Nordosten zum 30. Juni Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 3573 Megawatt - im Vergleich zum Nachbarland Schleswig-Holstein ist das etwa die Hälfte.

Aus Sicht vieler Parteien und Energieverbände ist ein deutlich beschleunigter Ausbau der erneuerbaren Energien nötig, damit verschärfte Klimaziele erreicht werden können. Als Hemmnisse für den Ausbau gelten lange Planungs- und Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen. Für das gesamte Jahr 2021 rechnen die Verbände laut ARD mit einem Zubau von 2,2 bis 2,4 Gigawatt an Leistung. In den Spitzenjahren 2014 bis 2017 lag dieser zwischen 3,5 und knapp 4,9 Gigawatt pro Jahr.

„Wir sind natürlich damit zufrieden, dass wir nach der tiefsten Krise wieder einen Anstieg erleben“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, dem ARD-Hauptstadtstudio. Das Ausbautempo müsse aber deutlich beschleunigt werden. Es sei unstrittig, dass mehr ökologischer Strom, mehr erneuerbarer Strom aus Windkraft gebraucht werde.

2020 waren in Deutschland 420 Windenergieanlagen an Land mit einer Leistung von insgesamt 1431 Megawatt hinzugekommen. Damit war 2020 das zweitschwächste Ausbaujahr seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 - nach 2019, als ein Tiefststand erreicht worden war.