Homeoffice

Krankenkasse: Weniger Fehltage, aber mehr psychische Leiden

Besserer Gesundheitsschutz dank Homeoffice? Den Schluss legen Zahlen der Krankenkasse DAK für viele Angestellte in Niedersachsen nahe. Vor allem Atemwegserkrankungen und Infektionen traten im ersten Halbjahr seltener auf. In anderen Fällen hinterlässt die Pandemie ihre Spuren.

Von dpa
Bei hoher Homeoffice-Nutzung hat es in vielen niedersächsischen Betrieben nach Daten der Krankenkasse DAK in der ersten Jahreshälfte weniger Ausfalltage gegeben.
Bei hoher Homeoffice-Nutzung hat es in vielen niedersächsischen Betrieben nach Daten der Krankenkasse DAK in der ersten Jahreshälfte weniger Ausfalltage gegeben. Symbolfoto: dpa

Hannover - Bei hoher Homeoffice-Nutzung hat es in vielen niedersächsischen Betrieben nach Daten der Krankenkasse DAK in der ersten Jahreshälfte weniger Ausfalltage gegeben. Gleichzeitig zählte Deutschlands drittgrößter gesetzlicher Krankenversicherer bei seinen Mitgliedern im Nordwesten aber einige Diagnosen, die stark zunahmen.

Insgesamt kamen der DAK zufolge von Januar bis Juni knapp zehn Prozent weniger Krankheitstage zusammen als während der ersten sechs Monate 2020. Der Anteil des Arbeitsausfalls in Niedersachsen verringerte sich um 0,4 Punkte, der Krankenstand lag bei 3,8 Prozent.

Die vom Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) in Berlin ermittelten Angaben zeigen vor allem bei den gemeldeten Atemwegserkrankungen einen Rückgang: Diese rutschten in der Liste der Häufigkeit vom dritten Platz mit 16,1 Prozent auf Rang vier mit nur noch 5,8 Prozent. Auch Infektionen waren seltener (2,9 gegenüber 5,1 Prozent). „Wir sehen hier deutlich, wie Abstands- und Hygieneregeln nicht nur vor Corona schützen“, so DAK-Landeschef Dirk Vennekold.

Das ist nur die eine Seite. Auffällig sind die weiter gewachsenen psychischen Erkrankungen, die von 17,1 auf 19,5 Prozent der Diagnosen stiegen und nach wie vor Platz zwei belegen. Zu den absoluten Zahlen hieß es, die zuletzt 138 Fehltage pro 100 Versicherte seien hier auch deutlich mehr gewesen als im ersten Halbjahr 2019 - die Größenordnung der Zunahme bezogen auf die Zeit vor Corona betrage inzwischen über 15 Prozent. Vennekold erklärte: „Es ist eine zunehmende psychische Belastung während der Pandemie festzustellen, die sich mit allen Begleiterscheinungen auf das Krankheitsgeschehen auswirkt.“ Bereits von 2019 auf 2020 hatte die DAK mehr psychische Leiden registriert.

Außerdem hatten im Schnitt mehr Menschen Probleme mit Muskeln und Knochen wie etwa Rückenbeschwerden - diese Kategorie stieg von 21,4 Prozent auf mehr als ein Viertel der Fälle (25,8 Prozent) und blieb häufigster Grund für eine Krankmeldung auch in Homeoffice-Zeiten. Diagnostizierte Kreislaufprobleme nahmen von 3,9 auf 4,6 Prozent zu.

Unter einzelnen Gruppen gibt es spürbare Unterschiede - je nach Arbeitsumfeld und Schutz. „In Berufen, in denen die Teams vermehrt im Homeoffice arbeiten konnten, war der Rückgang an Fehltagen im Durchschnitt deutlicher als in Berufen, die eine hohe Präsenz am Arbeitsplatz erfordern“, betont die DAK. So seien etwa vor allem Beschäftigte in Verwaltung und Justiz oder von Finanzdienstleistern seltener krank geworden. Bei Erzieherinnen und Erziehern sowie in Verkaufsberufen sei der Rückgang der Ausfalltage nicht so hoch gewesen. In der Pflege herrsche Mehrbelastung bei Personalknappheit.