Kunst im KirchenraumKünstler verhüllen Altäre in Chemnitz und Freiberg

Wenn sich Chemnitz in zwei Jahren als Kulturhauptstadt Europas präsentiert, sind auch die Kirchen der Region mit dabei. Sie loten schon jetzt aus, welchen Beitrag Kunst im Kirchenraum leisten kann. Die Gemeinden wollen dabei auch Impulse zur Versöhnung setzen.

Von dpa Aktualisiert: 26.01.2023, 05:53
Das Kunstwerk „Petrified Wood Circle“ von Richard Long ist in der Stadtkirche St. Jakobi zu sehen.
Das Kunstwerk „Petrified Wood Circle“ von Richard Long ist in der Stadtkirche St. Jakobi zu sehen. Ernesto Uhlmann/dpa/Archiv

Chemnitz - Auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2025 bereiten Sachsens Kirchen dieses Jahr Aktionen in Chemnitz und dem Umland vor. Der Auftakt sind zwei Altarverhüllungen in der Chemnitzer Propsteikirche und im Freiberger Dom am Aschermittwoch (22. Februar). Zudem sind Konzerte sowie Gottesdienste geplant und wollen die Kirchen das Macher-Narrativ, das im Programm der Kulturhauptstadt weiten Raum einnimmt, aus christlicher Sicht beleuchten, sagte der evangelische Kulturhauptstadtpfarrer Holger Bartsch der Deutschen Presse-Agentur. Auch ist im Herbst ein Gottesdienst zum Gedenken an den Hungerstreik im Frauengefängnis Hoheneck vor 70 Jahren geplant.

Für die Kirchen gehe es unter dem Kulturhauptstadt-Motto „C the Unseen“ unter anderem darum, Aufmerksamkeit für Menschen zu schaffen, die sonst ungesehen sind, erläuterte Bartsch. Auch sollen Glaubensschätze neu in den Blick genommen und Fragen rund um heilsame Lebenskultur, Gerechtigkeit und Versöhnung thematisiert werden. „In einer Gesellschaft, die so viele Brüche erlebt hat, braucht es Versöhnungsimpulse auf verschiedenen Ebenen. Da sind wir Kirchen gefragt und wollen uns einbringen.“ Und es gehe den Kirchen auch um Wertschätzung. „Wir wollen eine Atmosphäre der Ermutigung bauen.“

Die Altarverhüllungen werden in Chemnitz von der Künstlerin Sabine Herrmann unter dem Titel „Zeuginnen ohne Text“, in Freiberg vom Künstler Michael Morgner mit dem Titel „Ecce Homo“ gestaltet. Sie sind Teil eines mehrjähriges Projekts der Kulturhauptstadt 2025. Dabei werde zeitgenössische Kunst in Dialog mit dem Kirchenraum und der dortigen Kunst gesetzt, sagte Bartsch. Mit der Vernissage soll an die Tradition des „Aschermittwochs der Künstler“ in einigen Regionen Deutschlands angeknüpft werden. Dahinter verberge sich ein Empfang der Kirchen für Künstler der jeweiligen Region, erläuterte der 53-Jährige. „Wir wollen das gern auch hier in Chemnitz etablieren.“

Die Verhüllungen bleiben die gesamte Passionszeit erhalten und werden von einem Begleitprogramm mit Tanz- und Theaterperformance sowie Vorträgen und Konzerten ergänzt. Als besonderen Höhepunkt sieht der Theologe auch die feierliche Enthüllung am Karsamstag abends in Chemnitz sowie am Ostermorgen in Freiberg.

Chemnitz wird 2025 zusammen mit Nova Gorica in Slowenien den Titel Kulturhauptstadt Europas tragen. Unter dem Motto „C the Unseen“ will die Stadt Verborgenes sichtbar machen und die „stille Mitte“ in der Stadtgesellschaft aktivieren. Dabei spielen auch Religion und Glauben eine Rolle.

So sollen laut Bewerbungsbuch im Projekt „Gebete und Engel“ Glauben und Leben verschiedener Religionsgemeinschaften vermittelt werden. Geplant ist auch, den sächsischen Abschnitt des Jakobsweges in eine bewegliche Kunsthommage zu verwandeln. Bereits gestartet ist die Reihe „Europäische Bergpredigt“, zu der voriges Jahr unter anderem die Theologinnen Margot Käßmann und Ellen Ueberschär zu Gast waren. Die Reihe wird 2023 fortgesetzt. Dazu wird laut Bartsch im Juni in Zwönitz ein Pastor aus Litauen sprechen, weitere Termine seien in Vorbereitung.