BildungSitzenbleiben wieder möglich

Von dpa Aktualisiert: 07.12.2022, 22:05
Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel.
Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel. Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Erfurt - Thüringens Schülerinnen und Schüler können erneut mit abgemilderten Regeln für ihre Abschlussprüfungen rechnen, jedoch nicht mehr mit einer Versetzung in jedem Fall. Das geht aus einem Entwurf für eine Abmilderungsverordnung als Reaktion auf die Corona-Pandemie aus dem Bildungsministerium hervor. „Wir kehren in Versetzungsfragen zurück zur Praxis vor Corona“, erklärte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag.

Während der Corona-Pandemie hatte es in den vergangenen Jahren Distanzunterricht, Unterrichtsausfall und Schulschließungen gegeben. Als Reaktion auf diese schwierigen schulischen Bedingungen hatte das Bildungsministerium per Abmilderungsverordnung das Sitzenbleiben ausgesetzt. Alle Schülerinnen und Schüler wurden also auch bei schlechten Noten in die nächst höhere Klasse versetzt - es sei denn, die Eltern wünschten ausdrücklich eine Extrarunde für ihr Kind.

In der geplanten neuen Abmilderungsverordnung sind auch wieder Regeln für die Abschlussprüfungen enthalten. Schülerinnen und Schüler, die den qualifizierten Hauptschulabschluss oder den Realschulabschluss anstreben, sollen beispielsweise erneut die Möglichkeit haben, aus den sonst üblichen vier Prüfungsteilen drei auszuwählen.

„Ich halte es auch in diesem Jahr für richtig, Abmilderungen zu schaffen“, erklärte Holter. Corona wirke weiter nach.

Der Thüringer Lehrerverband (TLV) begrüßte den Schritt. Gerade die Jahrgänge, die nun bald vor den Prüfungen stehen, seien zu Beginn der Corona-Pandemie besonders von den Infektionsschutzmaßnahmen betroffen gewesen, sagte Frank Fritze vom TLV. „Den jungen Menschen dürfen dadurch keine Nachteile entstehen.“ Ob Abmilderungen für Abschlussprüfungen auch noch die kommenden Jahre nötig sein werden, müsse man prüfen. Man beurteile die Rückkehr zu den alten Regeln positiv. „Die Schule muss einen Entscheidungsspielraum haben“, sagte Fritze. Sitzenbleiben sei auch keine Strafe, sondern eine neue Chance.