Verkehr

Streik bei der Bahn trifft Osten besonders: Eilantrag der DB

Erneut steht der Großteil der Züge in Deutschland still. Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt noch bis Dienstagfrüh den Personenverkehr bei der Deutschen Bahn. Der Osten ist besonders stark betroffen. Jetzt ist die Justiz am Zug.

Von dpa 02.09.2021, 13:35 • Aktualisiert: 02.09.2021, 14:07
Teilnehmer einer Kundgebung der GDL stehen mit einem Transparent vor dem Leipziger Hauptbahnhof.
Teilnehmer einer Kundgebung der GDL stehen mit einem Transparent vor dem Leipziger Hauptbahnhof. Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin/Leipzig - Der dritte Streik der Lokführergewerkschaft GDL bei der Deutschen Bahn innerhalb weniger Wochen hat den Osten besonders hart getroffen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fielen am Donnerstag zahlreiche Züge aus. Manche fuhren mit erheblicher Verspätung. Im Fernverkehr waren laut Bahn rund 25 Prozent der Züge unterwegs. Im Regionalverkehr waren es in den drei Ländern gut 15 Prozent. Auch die S-Bahnen waren betroffen. Hier gab es aber zumindest einige Verbindungen mit größerer Taktung und verkürzten Fahrstrecken.

„Der Ersatzfahrplan läuft stabil“, sagte eine Bahn-Sprecherin, die für die drei Bundesländer zuständig ist. Sie rief Reisende auf, sich auf der Internetseite bahn.de über ihre Verbindungen zu informieren und mehr Zeit einzuplanen.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden die Auswirkungen des Streiks vor allem im Regionalverkehr wieder besonders zu spüren sein, betonte die Bahnsprecherin. Die GDL ist im Osten traditionell schlagkräftiger. Die Gewerkschaft bestreikt den Personenverkehr bundesweit seit Donnerstagfrüh für fünf Tage.

In Sachsen müssen Fahrgäste mit Beeinträchtigungen bei den Linien RB113 und RE50 zwischen Leipzig und Geithain beziehungsweise Leipzig und Dresden rechnen sowie bei den S-Bahnen S2, S3, S4 und S5 in und um Leipzig und den Linien S1 und S3 in und um Dresden. In Thüringen kommt es zu Beeinträchtigungen bei den Linien RE2, RE3 und RB52 zwischen Erfurt und Kassel, Altenburg und Leinefelde sowie der Linie RE1 zwischen Göttingen und Glauchau.

Eingeschränkt verkehren in Sachsen-Anhalt die Linien der S2 zwischen Leipzig und Jüterbog, der S3 zwischen Halle und Leipzig und S5/S5X zwischen Zwickau und Halle. Außerdem gibt es einen Ersatzfahrplan für die Linie der S1 zwischen Schönebeck und Wittenberge sowie für die der S8 zwischen Halle und Zahna/Jüterbog. Regional verkehren die Linien der RE1, RE7, RE13, RE18, RE20, RE30, RE40, RB76 sowie RB78 eingeschränkt. Alle anderen Linien entfallen in den drei Bundesländern komplett.

Auch am Wochenende, an dem viele Rückkehrer aus dem Urlaub erwartet werden, gelte der Ersatzfahrplan, betonte die Bahnsprecherin. Es würden aber keine weiteren Züge eingesetzt. „Die Planung ist ohnehin schon eine große Herausforderung. Es haben sich aber viele Lokführer, die nicht streiken, bereiterklärt, Schichten zu übernehmen, obwohl sie eigentlich freihätten.“ In Sachsen und Thüringen enden am Wochenende die Sommerferien.

Unterdessen geht die Deutsche Bahn juristisch gegen den GDL-Streik vor. Der Konzern hat vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Arbeitskampf eingelegt, wie das Unternehmen mitteilte. Noch am Abend will das Gericht über den Eilantrag entscheiden. Die Verhandlung soll um 18.00 Uhr beginnen.

„Wir haben jetzt das dritte verbesserte Angebot vorgelegt - ohne dass die GDL ernsthaft mit uns in Verhandlungen eingetreten wäre“, sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler. Auch den Vorschlag, mit Hilfe eines Schlichters oder Moderators nach einer Lösung zu suchen, habe die Gewerkschaft abgelehnt. Im Interesse der Kunden und Mitarbeitenden habe der Konzern nun handeln müssen und werde die Streiks rechtlich überprüfen lassen.

GDL-Chef Claus Weselsky sagte am Rande einer Kundgebung am Leipziger Hauptbahnhof, dass die Gewerkschaft grundsätzlich zu weiteren Verhandlungen bereit sei. Sobald es Ergebnisse gebe, sei die Gewerkschaft bereit, den Streik zu beenden. „Wenn das Management Tarifverträge für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner abschließt, dann sind wir einen großen Schritt weiter, und erst dann gehen wir in Verhandlungen.“