Denkmäler

Tag des offenen Denkmals: Über 800 Orte zugänglich

Alljährlich am zweiten September-Sonntag öffnen sich die Türen tausender Denkmale in Deutschland. Dabei gewähren Vereine, öffentliche Einrichtungen oder private Eigentümer unter dem Motto „Schein & Sein“ Einblicke.

Von dpa

Dresden/Zittau - Orgeln, Grabstätten, technische Denkmale: Über 800 Denkmäler in Sachsen sind am diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ (12. September) zugänglich - analog und digital. Eigentümer gewähren dabei auch Einblicke in sonst verschlossene private Refugien oder nicht öffentliche Räume. Dazu gehört das Haus Rabe in Zwenkau (Landkreis Leipzig), das der Architekt Adolf Rading 1929/1930 im Stil der Klassischen Moderne für einen Arzt entwarf und bei dessen Innenausstattung er mit Bauhauskünstler Oskar Schlemmer zusammenarbeitete.

Das diesjährige Motto „Sein & Schein - in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ rückt das Verhältnis zwischen Mensch und Denkmal in den Mittelpunkt. Es geht um raffinierte Täuschungen alter Baumeister, Rekonstruktionen vergangener Zeiten oder entkernte Häuser mit neuem Innenleben. Das Programm umfasst Führungen, Besichtigungen, Ausstellungen und Konzerte. Viele Veranstaltungen widmen sich dem Instrument des Jahres 2021, der Orgel.

In Dresden etwa kann das historische Waldschlösschen besucht werden, das als Staffageobjekt in einem Landschaftsbild gebaut wurde, die Garnisonskirche, die durch eine als Vorhang bemalte Brandmauer in evangelisch und katholisch getrennt ist, oder das Putjatinhaus, das ein russischer Fürst 1823 als Dorfschule stiftete. Restauratoren zeigen, wie Schildpatt oder Gobelins imitiert und Historisches erneuert werden.

Das Umgebindehaus einer Tuchhändlerdynastie von 1831 in der Oberlausitz bietet einen Rundgang durch lokale Baugeschichte vom Barock über den Art déco bis Neuzeit - mit Fenstern und Türen aus allen Epochen, Meißner Kachelöfen, Leinölfarben und historischen Tapeten. Durch das etwa 1810 erbaute Herrenhaus „Lindenhof“ in Strahwalde, das teils über einem erhaltenen Bauernhaus mit Stall und restaurierten Kuppel-Gewölben steht, führt der Architekt persönlich - und die Kinder der Eigentümer geben gegen eine Spende selbstgebackenen Kuchen aus.

Umschauen können sich Besucher auch im 1928 eröffneten und seit 1999 leerstehenden Schocken-Warenhaus in Crimmitschau, das revitalisiert werden soll, in der Erzwäsche Halsbrücke oder dem Pirnaer Sonnenstein, wo bisher unbekannte Facetten seiner Geschichte erzählt werden. In der Frauenkirche Meißen führt der Kantor auch zur fast original erhaltenen Jehmlich-Orgel, in deren Pfeifenbestand nach aktueller Erkenntnis die ältesten erhaltenen Sachsens sind. Geöffnet ist auch das zum Schloß Batzdorf gehörige Lusthäuschen, dessen romantische Lage Schriftsteller wie Maler inspirierte, oder ein zur Bowlinghalle umgebautes unterirdisches Umspannwerk in Leipzig. Das Gebäude vereint ein seltenes technisches Denkmal der 1920er-Jahre und einen Bau der DDR-Postmoderne. Zu den digitalen Angeboten gehört ein Blick hinter die Kulissen der Trinkwassergewinnung im über 100 Jahre alten Wasserwerk Canitz.

Der bundesweite Tag des offenen Denkmals lenkt die Aufmerksamkeit auf die Denkmalpflege. Er wird seit 1993 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgerichtet und von einem breiten bürgerschaftlichen Engagement getragen: Architekten, Denkmalpfleger, Handwerker und Restauratoren begeistern für ihre Arbeit am Objekt; Denkmaleigentümer, Bürgerinitiativen, Kirchengemeinden und Vereine, aber auch Museen, Theater und städtische Einrichtungen gewähren exklusiv Einblick in Bau- und Bodenschätze vergangener Zeiten.