JustizViele Bedienstete in Gefängnissen sind oft krank

Bedienstete in Thüringer Gefängnissen fallen immer wieder für eine längere Zeit krankheitsbedingt aus. Das zuständige Ministerium macht dafür nicht nur den steigenden Altersdurchschnitt beim Personal verantwortlich. Sondern auch die Probleme mancher Gefangener.

Von dpa Aktualisiert: 26.01.2023, 05:55

Erfurt (dpa/th) – - Die Bediensteten in den Thüringer Gefängnissen sind in den vergangenen Jahren immer wieder viele Tage krank gewesen. Vor allem in der Justizvollzugsanstalt Hohenleuben sind die dort Tätigen wiederholt krankheitsbedingt ausgefallen, wie aus der Antwort des Thüringer Justizministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Abgeordneten Franziska Baum und Dirk Bergner hervorgeht. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2022 seien auf jeden Bediensteten in diesem Gefängnis im Durchschnitt etwa 34 Krankentage entfallen. Im gesamten Jahr 2021 waren es dort durchschnittlich fast 48 Krankentage je Bediensteter, 2020 fast 38.

Auch in den meisten anderen Thüringer Gefängnissen war der durchschnittliche Krankenstand in den ersten drei Quartalen 2022 sowie in den Gesamtjahren zuvor hoch. In der Justizvollzugsanstalt Tonna beispielsweise waren die dort tätigen Gefängniswärter und Verwaltungsmitarbeiter zwischen dem 1. Januar und 30. September 2022 im Durchschnitt fast 25 Tage krank gewesen. In den Jahren 2021, 2020 und 2019 kamen sie auf durchschnittlich etwa 28 bis 34 Krankentage.

Auch das Ministerium selbst hält die Zahl der Krankentage je Bedienstetem in den Gefängnissen des Freistaats sowie die Zahl der Langzeitkranken für hoch. „Die Zahl der Erkrankungen unter den Justizvollzugsbediensteten bewegt sich seit Jahren auf einem hohen Niveau“, schreibt das Ministerium in der Antwort an die beiden Abgeordneten. Nach den Daten des Ministeriums gab es in fast allen Thüringer Gefängnissen zuletzt Dutzende lange Zeit kranke Bedienstete. Als langzeitkrank gilt, wer die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt aufgrund einer Krankheit arbeitsunfähig war.

Aus Sicht des Ministeriums gibt es gleich mehrere Gründe für den hohen Krankenstand. Erstens sei der Altersdurchschnitt der Beschäftigten in den vergangenen Jahren gestiegen – und mit zunehmendem Alter eines Menschen fallen in der Regel auch mehr Krankheitstage im Beruf an. „Hinzu kommt, dass das in den Justizvollzugsanstalten eingesetzte Personal zu einem großen Teil im Drei-Schicht-System arbeitet“, heißt es in der Antwort. Wissenschaftliche Untersuchungen zu den gesundheitlichen Folgen von über Jahre andauernder Arbeit im Schichtdienst zeigten, dass die, die so arbeiten, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes sowie neurologischen oder psychischen Erkrankungen leiden würden. Zudem habe auch die Corona-Pandemie zu zusätzlichen Krankheitstagen in den Gefängnissen geführt.

Viertens gebe es allerdings auch einen Zusammenhang zwischen den vielen Krankheitstagen der Bediensteten und den Problemen mancher Gefangener. Dass immer mehr Gefängnisinsassen an psychischen Störungen litten oder suchtkrank seien, führe ebenfalls zu einer höheren Belastung der Bediensteten und zu einer größere Anfälligkeit für Erkrankungen, schreibt das Ministerium.

Die im Durchschnitt wenigsten Krankentage im Thüringer Justizvollzug waren in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres in der Jugendarrestanstalt Arnstadt angefallen. Dort kamen die Bediensteten nach Angaben des Ministeriums auf durchschnittlich etwa 14 Krankentage.