RAssismus-Debatte

Weiß, blond und blaue Augen: CDU-Kampagne für die Bundestagswahl 2021 erntet Shitstorm

Die CDU will die Wähler mit dem Slogan "Deutschland gemeinsam machen" überzeugen. Doch die am Dienstag präsentierte Werbekampagne stößt auf heftige Kritik im Netz.

Von Samantha Günther
Paul Ziemiak, CDU-Generalsekretär, stellt die Kampagne der CDU Deutschlands für die Bundestagswahl vor. | Aktuell
Paul Ziemiak, CDU-Generalsekretär, stellt die Kampagne der CDU Deutschlands für die Bundestagswahl vor. | Aktuell Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Berlin - "Wir zeigen Gesichter und wir nehmen Themen in den Fokus" - stolz präsentierte am Dienstag der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak die CDU-Kampagne zur Bundestagswahl am 26. September 2021.

In den gut zweieinhalb Monaten soll das Motto "Deutschland gemeinsam machen" potenzielle Wähler überzeugen. So sei das zentrale Element der Kampagne der sogenannte "Union-Kreis" als starkes Zeichen des Zusammenhalts, erklärte Generalsekretär Ziemiak im Berliner Konrad-Adenauer-Haus. 

"Wir führen Menschen zusammen."

Paul Ziemiak

Die CDU führe Menschen zusammen. Sie sei nicht die Partei des "Entweder-oder", sondern des "Sowohl-als-auch", so der 35-jährige Politiker. Im Netz stößt die Kampagne auf Kritik – aus den unterschiedlichsten Gründen.

Wahlkampagne ohne erkennbare Migrationsgeschichte

Eine Polizistin, ein Pfleger eine ganze Familie - allesamt sind sie weiß. Und genau dieser Aspekt gefällt der Twitter-Gemeinde überhaupt nicht. "Gelebter Rassismus in Deutschland 2021 - weiß, weißer, CDU-Wahlkampagne", kommentiert eine Userin die brandneue CDU-Wahlkampagne.

Für einige sei dies rassistisch und diskriminierend - für die Kritiker fehle klar eine erkennbare Migrationsgeschichte auf den Plakaten. "Knapp ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte", ärgert sich ein Twitter-Nutzer. 

Der Deutsch-Iraner Ssaman Mardi, Leiter Organisation und Kommunikation für die bayerische Grünen-Bundestagsabgeordnete Margarete Bause schließt sich dem an: "Wie kann man im Jahr 2021 so weiße, nicht-diverse Plakate drucken?"

Wahlkampagne erntet auch Hähme im Netz 

"Es wird der digitalste Wahlkampf, den wir je geführt haben", sagt der CDU-Generalsekretär am Dienstag. In jeder Woche werde es eine entsprechende Landing-Page zu den gesetzten Themen geben. Die Plakate werden jetzt an die Kreisverbände der CDU ausgeliefert.

Grünen-Politiker Cem Özdemir kommentierte dies direkt mit einem Häme-Tweet: "Union hat heute ihre Kampagne vorgestellt. Wird jetzt umgehend an alle Ortsverbände gefaxt."

Die Dresdner SPD-Politikerin Rasha Nasr kritisierte die CDU-Kampagne als "so inspiriert wie ihr Umgang mit Maaßen: charakter- und haltungslos". Die Bilder seien einfallslos und ließen Vielfalt vermissen, die Syntax sei zweifelhaft. "

"Klima schützen und Jobs schaffen - das wollen wir verbinden", erklärte außerdem Ziemiak. Auch die innere Sicherheit ist laut dem CDU-Generalsekretär ein wichtiges Thema. Unglaubwürdig findet ein Twitter-User diesen Parteiprogrammpunkt. "Selbst die Spatzen pfeifen es von allen Dächern, dass die CDU auch im Jahr 2021 gar keinen Klimaschutz im Programm hat", so ein Twitter-Nutzer.

Parteimitglieder statt echte Menschen

Die Gesichter sind männlich, weiblich, divers sind sie nicht - bei den Personen, die auf den Wahlplakaten abgebildet sind, handelt es sich um CDU-Mitglieder, wie Ziemiak am Dienstag erklärt. "Da man niemanden, wie Polizisten oder Krankenschwestern während der Pandemie von der Arbeit abhalten wollte", sagt er. 

"Da man niemanden, wie Polizisten oder Krankenschwestern während der Pandemie von der Arbeit abhalten wollte."

Paul Ziemiak

Man kann sich vorstellen, auch hier hält sich die Begeisterung der Twitter-User in Grenzen. Die vorgebliche Pflegerin ist eine der Sprecherinnen der Partei, die Polizistin mit schusssicherer Weste ist eine der führenden Mitarbeiterinnen bei der CDU-Online-Kampagne "Connect".

In den kommenden Monaten will der CDU-Vorsitzende Armin Laschet mit einer großangelegten Sommertour um Wählerstimmen werben. Mit der CSU habe man sich abgestimmt, wie der CDU-Generalsekretär erklärt: "Plakate von Armin Laschet werden aber auch in Bayern zu sehen sein."