Kanzlerkandidat

Die Parteien in der Krise - Leitkommentar von Chefredakteur Alois Kösters

Friedrich Merz gegen Annegret Kramp-Karrenbauer, dann Friedrich Merz gegen Armin Laschet und zum Schluss der verbissene Söder-Laschet-Wettbewerb um die Kanzlerkandidatur. Die Kandidaten wechseln, aber die Lager innerhalb der CDU bleiben dieselben.

Von Alois Kösters

Dass die Merz-Fraktion geschlossen zu Markus Söder wechselte, kann noch nicht einmal politisch begründet werden. Söder hat keine feste Agenda. Aber ein gewisser Habitus und mehr persönliche Präsenz reichten aus, den Bayern zur Projektionsfläche der Unzufriedenen werden zu lassen.

Basis gegen Establishment, Konservative gegen liberale Reformer, Wirtschaftsliberale gegen Sozialdemokraten. In den vergangenen Wochen haben sie sich die Fronten innerhalb der CDU weiter verhärtet.

Das ist ein Symptom einer Krise, die alle Parteien, die ein umfassendes politisches Angebot machen wollen, befallen hat. Milieus, Religionsgemeinschaften, Schichten oder Klassen zerfallen und stabilisieren die Parteien nicht mehr. Die großen konstituierenden Themen fehlen. Die Parteien sind zu schwach, aus einer zerrissenen Gesellschaft eine bindende Textur abzuleiten. Die Risse gehen durch sie hindurch. Der Niedergang der Sozialdemokraten in Europa ist die Folge.

Aber auch bei den Grünen ist das so. Hier zeigt sich aber, dass in einer Zeit der Krise der Parteien die Persönlichkeit oder das Charisma als bindende Kraft eine neue Bedeutung bekommt. Dort, wo die Krise noch größer ist, sind es Schauspieler oder Prominente, die größere Gruppen vereinen können.

In Frankreich reichte ein Emmanuel Macron, um aus dem Stand eine Bewegung  zu organisieren. Ganz sicher ist, dass bei der Eliten-Rekrutierung in der CDU und anderer Traditionsparteien dieser Aspekt keine Rolle spielt. Bei den Grünen ist es eher zufällig gelungen, Führungspersönlichkeiten zu finden, die die inneren Widersprüche der Partei überstrahlen.

Angela Merkel und die stille Macht, die sie verkörpert hat, hat die  CDU-Parteienkrise selbst in der Flüchtlingskrise nur kurz aufflammen lassen. Jetzt liegt sie offen zutage. Vielleicht ist auch das Ende der letzten großen Volkspartei eingeläutet.

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