Illegale Migration nach EuropaDroht dem „Spiegel“ neuer Fake-News-Skandal?

Magazin nimmt mehrere Artikel offline: Zweifel an Berichten über totes Migrantenkind in Griechenland

Von Uwe Kreißig 30.11.2022, 17:43
Das Verlagsgebäude des „Spiegel“ in Hamburg.
Das Verlagsgebäude des „Spiegel“ in Hamburg. Foto: dpa

Droht dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ein neuer Fake-News-Skandal? Inzwischen wurden auf dem Online-Portal der Zeitschrift mehrere Artikel über eine Migrantengruppe am türkischen-griechischen Grenzfluss Evros offline gestellt. Grund ist, dass am Wahrheitsgehalt der Beiträge über ein totes Mädchen, das dort wegen fehlender Hilfe Griechenlands zu Tode gekommen sein soll, erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt bestehen. Dies berichtet das Fachmagazin „medieninsider.de“.

Beim Aufruf der entsprechenden Seiten auf „Spiegel online“ ist inzwischen folgender Hinweis zu lesen: „An dieser Stelle befand sich ein Beitrag über das Schicksal einer Flüchtlingsgruppe am griechisch-türkischen Grenzfluss Evros im Sommer 2022. Mittlerweile gibt es Zweifel an der bisherigen Schilderung der damaligen Geschehnisse. Wir haben daher mehrere Beiträge zu diesem Thema vorläufig von unserer Website entfernt. Wir überprüfen unsere Berichterstattung und entscheiden nach Abschluss der Recherchen, ob die Beiträge gegebenenfalls in korrigierter und aktualisierter Form erneut veröffentlicht werden.“

Die Beiträge handeln von einem Drama, das sich im Sommer dieses Jahres abgespielt haben soll. Mehrere Dutzend illegale Migranten sollen demnach hilflos auf einer Insel im Grenzfluss Evros gestrandet sein, wobei auch unklar blieb, wie sie dahin gekommen waren und ob sie Dienste von Schleppern gekauft hatten.

„Spiegel“-Reporter Giorgos Christides berichtete über ein besonders erschütterndes Schicksal. Während Menschenrechtler und die griechische Regierung über die Zuständigkeit für humanitäre Hilfe stritten, soll ein Mädchen ums Leben gekommen sein. Die fünfjährige Maria, so die Erzählung, sei nicht aufgrund der Fluchtstrapazen gestorben, sondern an den Folgen eines Stichs durch einen Skorpion. In einem der „Spiegel“-Texte hatte es geheißen: „Nun ist Maria tot. Sie ist Anfang August an Europas Außengrenze gestorben, weil ihr griechische Behörden jede Hilfe versagten. Sie wurde gerade einmal fünf Jahre alt.“

Zahlreiche Medien, darunter auch das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, übernahmen die Geschichte, obwohl aus der griechische Regierung früh Zweifel angemeldet worden waren.

Einiges erinnert an die „Relotius-Affäre“

Mittlerweile gibt es nicht nur Zweifel daran, dass sich das Schicksal von Maria so zugetragen hat. Mehr noch: Es ist unklar, ob es das Mädchen, das angeblich auf der Insel begraben wurde, wirklich gab.

Hintergrund seien Aussagen des griechischen Migrationsministers Notis Mitarachi, der sich nach der Veröffentlichung mit einem Brief an „Spiegel“-Chefredakteur Steffen Klusmann gewandt haben soll. Laut dem Bericht des „Medieninsiders“ soll der Minister der Zeitschrift vorgeworfen haben, den Vorfall ausschließlich nach Darstellungen von Nichtregierungsorganisationen übernommen zu haben.

Die traurige Geschichte erinnert an die hochmoralischen Strukturen der Reportagen des ehemaligen „Spiegel“-Reporters Claas Relotius, die zudem verband, dass in den Texten alle Maßstäbe der „Political Correctness“ erfüllt wurden. Ende 2018 war bekanntgeworden, dass die meisten seine Reportagen teilweise oder völlig erfunden waren.