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Kanzler in Washington Fünf Lehren aus dem Merz-Besuch bei Trump

So tief die Kluft in den transatlantischen Beziehungen auch ist - persönlich verstehen sich Merz und Trump immer noch gut. Im Oval Office gab es aber eine heikle Situation, die noch nachwirken könnte.

Von dpa 04.03.2026, 07:01
Kanzler und US-Präsident kamen wieder gut miteinander zurecht im Oval Office.
Kanzler und US-Präsident kamen wieder gut miteinander zurecht im Oval Office. Kay Nietfeld/dpa

Washington -    Ein fester Händedruck, ein Klaps aufs Knie und viele warme Worte. Bei allen inhaltlichen Differenzen und Verwerfungen, die es in den Beziehungen zwischen Europa und den USA von Zöllen über Grönland bis zur Ukraine gibt - US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz kommen immer noch ganz gut miteinander aus. Das gehört zu den Erkenntnissen aus den dreieinhalb Stunden, die der Kanzler am Dienstag im Weißen Haus verbracht hat. So ganz glatt verlief sein dritter USA-Besuch als Kanzler aber nicht. Fünf Lehren aus insgesamt 22 Stunden in Washington.

Merz und Trump können miteinander

Ein „sehr erfolgreicher Mann“, ein „ausgezeichneter Anführer“, der einen „großartigen Job“ mache -wie schon beim Antrittsbesuch im Juni vergangenen Jahres umschmeichelte Trump den Kanzler. Und er sagte, was er besonders gut an ihm findet: Dass er „ziemlich das Gegenteil“ seiner Vorvorgängerin Angela Merkel (CDU) ist, mit der Trump es in seiner ersten Amtszeit zu tun hatte. Deutschland war damals Trumps Lieblingsgegner, weil es billiges russisches Gas über die Nord-Stream-Pipeline bezog, nicht genug fürs Militär ausgeben wollte und Hunderttausende Flüchtlinge ins Land ließ. Bei Merz sei das nun anders, sagt er. 

Der Kanzler scheint sich als einer von vier Lieblingseuropäern Trumps zu etablieren - neben der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Trump will keine deutsche Militärhilfe gegen Iran

Die deutsche Haltung zum Iran-Krieg findet Trump „großartig“ und auf Forderungen nach einer Beteiligung an der Militäraktion verzichtet er. „Wir fordern sie nicht auf, Bodentruppen zu entsenden oder irgendetwas in der Art zu tun.“ Merz sagte nach dem Treffen im Oval Office, es seien bisher weder aus Israel noch aus den USA irgendwelche Wünsche nach Militärhilfe geäußert worden. 

Der Kanzler hatte bereits vor der Reise deutlich gemacht, dass für ihn eine militärische Beteiligung nicht in Frage komme. Kritik an dem Angriff hatte er vor seiner Reise zwar vermieden, sich aber auch nicht klar dahinter gestellt und auf Risiken hingewiesen. Trumps Verständnis für die deutsche Haltung war also nicht unbedingt zu erwarten.

Merz nimmt europäische Partner zunächst nicht in Schutz

Harte Attacken fuhr Trump allerdings gegen Großbritannien und Spanien. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte ihm zunächst die Nutzung einer Militärbasis verweigert. Erst am Sonntagabend lenkte er ein. Trump nannte das „schockierend“.

Noch härter ging er Spanien an, das den USA die Nutzung der US-Stützpunkte auf seinem Territorium für die Luftangriffe untersagte. „Sie waren unfreundlich.“ Und deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, „alle Deals“ mit Madrid einzustellen. Welche Abkommen Trump meinte, blieb zunächst unklar.

Merz verzichtete auf offener Bühne darauf, die beiden Verbündeten in Schutz zu nehmen. Auf Nachfrage stimmte er sogar in die Kritik an Spanien ein - aber nur Blick auf die Weigerung des Landes, sich an das gemeinsam vereinbarte Ziel zu den Nato-Verteidigungsausgaben zu halten. 

Mit einer harschen Reaktion hätte er die offene Konfrontation mit Trump riskiert. Hinter verschlossenen Türen habe er dann dagegengehalten, berichtet Merz später in der ARD. „Ich habe ihm sehr deutlich gesagt: Du kannst hier keinen isolierten Vertrag mit Deutschland abschließen oder einen Vertrag mit ganz Europa, aber Spanien nicht.“

Ukraine: Europa will zurück an den Verhandlungstisch 

Bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein mögliches Ende des Krieges vermitteln die USA derzeit alleine und Europa steht an der Seitenlinie. Merz will das ändern und hat das Trump auch deutlich gesagt: „Wir sind nicht bereit, ein Abkommen zu akzeptieren, das über unsere Köpfe hinweg verhandelt wird.“

Ob Trump da mitmacht, ist offen. Eine Reaktion ist aus dem Treffen mit Merz jedenfalls nicht überliefert. Ob der Kanzler mit seinem Appell Erfolg hatte, wird man erst sehen, wenn die Unterhändler wieder zusammensitzen.

Im Zollstreit zwischen der EU und den USA gibt es keine Fortschritte

Keine Fortschritte gab es mit Blick auf den Zollstreit zwischen der EU und den USA. Trump bekräftigte seine Absicht zur Einführung eines weltweiten Zolls auf Importe in die USA von 15 Prozent. Zudem untersuche seine Regierung weiter die Möglichkeit unterschiedliche Zölle für unterschiedliche Länder zu erheben.

Dem europäischen Unmut darüber versuchte Trump mit einem Witz zu begegnen. An den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt sagte er: „Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du sehr, sehr hart zuschlagen.“ Der US-Präsident gab Merz dabei einen Klaps aufs Knie.

Der Kanzler schwieg zu dem Thema lieber. Überhaupt ist er wieder mit der Strategie ins Oval Office gegangen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Von den 33 Minuten Redezeit vor den laufenden Kameras hatte Merz nur drei.