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NahostGaza-Krieg: Unicef befürchtet weiteres „Blutbad“

Die Hoffnung auf eine weitere Verlängerung der Feuerpause im Gaza-Krieg hat sich zerschlagen. Israels Armee hat die Kämpfe wieder aufgenommen - und wirft den Terroristen Bruch der Vereinbarung zur Feuerpause vor.

Von dpa 01.12.2023, 06:17
Palästinenser in Chan Junis betrachten den aufsteigenden Rauch nach einem israelischen Luftangriff.
Palästinenser in Chan Junis betrachten den aufsteigenden Rauch nach einem israelischen Luftangriff. Fatima Shbair/AP/dpa

Tel Aviv - Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben die Kämpfe im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas wieder aufgenommen. Kampfflugzeuge seien gegenwärtig dabei, Ziele der islamistischen Hamas in dem abgeriegelten Gebiet anzugreifen, teilte die Armee nach Ablauf der insgesamt einwöchigen Feuerpause mit.

Die Hamas habe gegen die Feuerpause verstoßen und auf israelisches Gebiet geschossen, erklärte die Armee. Sie hatte kurz vor Ablauf der Frist für die Feuerpause nach eigenen Angaben zunächst einen mutmaßlichen Raketenangriff aus dem Gazastreifen abgewehrt. Anschließend wurden mehrere Angriffe aus dem abgeriegelten Gebiet Richtung Israel gemeldet, die nicht abgefangen worden seien.

Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira berichtete unter Berufung auf Augenzeugen von schweren Kämpfen in der Stadt Gaza und anderen Gebieten im Norden des Gazastreifens. Im Zentrum des Gazastreifens gebe es nahe der Flüchtlingslager Nuseirat und Bureidsch zudem Panzerbeschuss, hieß es. Die BBC meldete zudem unter Berufung auf die Hamas Luftangriffe auch im Süden des Gazastreifens. Eigene Quelle hätten dies bestätigt, berichtete der britische Sender.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef verurteilt die neuen Kämpfe scharf. „Heute haben die Machthaber entschieden, die Tötung von Kindern fortzusetzen“, sagte Unicef-Sprecher James Elder. Neue Angriffe auf die Menschen in Gaza würden nur „ein neues Blutbad“ anrichten, aber sonst nichts bewirken, sagte er in einer Videoschalte aus dem Gazastreifen.

Hamas: Israel hat Vorschläge für Feuerpausen-Verlängerung abgelehnt

Nach Aussagen eines hochrangigen Hamas-Funktionärs lehnte Israel „mehrere Angebote, Initiativen und Vorschläge“ für eine Verlängerung der Feuerpause ab. Chalil Al-Haja sagte dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira: „Wir waren bereit, uns mit drei Vorschlägen zum Austausch (von Geiseln und Gefangenen) zu befassen, aber die Besatzung (damit ist Israel gemeint) lehnte sie ab.“ Israel habe sich stattdessen darauf vorbereitet, die Angriffe im Gazastreifen fortzusetzen.

„Wir standen bis heute Morgen mit den Vermittlern in Kontakt, aber die Gespräche über eine Feuerpause endeten, als die Bombenangriffe anfingen“, so der Hamas-Funktionär.

Al-Haja warf Israel vor, den Vermittlern böswillig eine Liste mit Namen übergeben zu haben, die sich „allesamt als weibliche Soldaten“ herausstellten. Israel habe sich außerdem geweigert, über den Austausch von erwachsenen palästinensischen Gefangenen gegen erwachsene Geiseln zu diskutieren.

Al-Haja sagte, die Hamas habe den Vermittlern mitgeteilt, sie seien weiterhin bereit, Geiseln gegen Gefangene auszutauschen, bis ein Waffenstillstand erreicht sei.

Iran fordert Fortsetzung der Feuerpause

Nach der Wiederaufnahme der Kämpfe im Gaza-Krieg forderte der iranische Außenminister Hussein Amirabdollahian eine Fortsetzung der Feuerpause. Es gäbe keine andere Lösung als die Aufrechterhaltung des Waffenstillstands, die massive Entsendung humanitärer Hilfe nach Gaza und eine Vereinbarung über den Austausch von Gefangenen, so der Minister auf der Online-Plattform X (vormals Twitter). „Gefangene werden durch Krieg nicht befreit, sondern durch Angriffe getötet“, hieß es weiter.

Der Iran gilt als wichtiger Unterstützer der islamistischen Hamas im Gazastreifen, eine direkte Verwicklung in den Konflikt hat die Führung in Teheran jedoch vehement bestritten. Der Iran hatte sich bereits in den vergangenen Tagen für ein dauerhaftes Bestehen der Feuerpause ausgesprochen.

UN-Chef Guterres hofft auf neue Feuerpause im Gaza-Krieg

UN-Generalsekretär António Guterres drückte tiefes Bedauern über die Wiederaufnahme der Kämpfe im Gazastreifen aus. „Die Rückkehr zu Feindseligkeiten zeigt nur, wie wichtig es ist, einen echten humanitären Waffenstillstand zu haben“, schrieb er auf der Plattform X (vormals Twitter). „Ich hoffe immer noch, dass es möglich wird, die Pause, die eingerichtet worden war, zu erneuern“, so Guterres.

Direkt mit Ablauf der Frist für die Feuerpause wurden am Freitagmorgen die Kämpfe im Gazastreifen wiederaufgenommen. Zuvor hatte Guterres einen „echten humanitären Waffenstillstand“ zwischen Israel und der islamistischen Hamas gefordert. Zu dem Zeitpunkt bestand noch Hoffnung, dass Verhandlungen für eine verlängerte Feuerpause erfolgreich sein würden.

Baerbock setzt sich für Fortsetzung der Feuerpause ein

Nach der Wiederaufnahme der Kämpfe im Gaza-Krieg forderte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock eine internationale Anstrengung zur Fortsetzung der Feuerpause. „In diesen Minuten müssen wir alles dafür tun, dass die humanitäre Feuerpause fortgeführt wird“, verlangte die Grünen-Politikerin in Berlin.

Nötig sei dies „sowohl für die verbleibenden Geiseln, die seit Wochen in finsteren Tunneln auf Freilassung hoffen, als auch für die notleidenden Menschen in Gaza, die dringend mehr humanitäre Hilfe benötigen“.

Das Leid sei für die Menschen in Israel wie für die Menschen in Gaza unerträglich, erklärte Baerbock zur aktuellen Lage. „Dieses Leid muss für alle endlich aufhören.“ Israel werde niemals in Sicherheit leben können, wenn der Terror nicht bekämpft werde. Zugleich könne es nur Sicherheit für Israel geben, wenn auch die Palästinenser eine Zukunftsperspektive hätten.