Merz, Wüst, Söder oder gar Günther? Poker um die K-Frage
CDU-Chef Merz will die unglückliche Dramaturgie von 2021 bei der Kanzlerkandidatur der Union vermeiden. Sein Hauptproblem sind die Landtagswahlen 2024 in Ostdeutschland.

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz geht nicht davon aus, dass es CSU-Chef Markus Söder auf einen erneuten unionsinternen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur der Union bei der nächsten Bundestagswahl ankommen lässt. „Dafür verstehen Markus Söder und ich uns einfach auch persönlich zu gut“, sagte Merz in Berlin zur dpa: „Und er weiß auch, dass wir das nicht so wiederholen werden und auch nicht wollen wie 2021.“ Der CDU-Vorsitzende fügte hinzu: „Ich werde es auch nicht zulassen, dass so etwas noch einmal geschieht.“
Auf die Frage, ob er bei einer vorgezogenen Neuwahl des Bundestages der „geborene Kanzlerkandidat“ sei, antwortete Merz zurückhaltend. „Darüber sprechen wir in der Union zwischen CDU und CSU. Erst die Parteivorsitzenden, dann selbstverständlich auch die Landesvorsitzenden. Wenn es so weit ist. Und daran halten wir uns.“
Die Frage, wann die Union die K-Frage entscheide, hänge von zwei Faktoren ab, sagte Merz. „Erstens, wann findet die Bundestagswahl eigentlich statt? Zweitens, wenn sie regulär erst im Herbst 2025 stattfindet, dann brauchen wir ein Jahr Vorlauf für den Kandidaten, die Wahl dann wirklich gut vorzubereiten.“ Mit Blick auf Söders Vorstoß, über die Kanzlerkandidatur erst nach den Landtagswahlen im September 2024 zu entscheiden, sagte Merz: „Das könnte nach diesen Landtagswahlen sein im Osten, das könnte auch vorher sein. Das ist eine Frage der politischen Einschätzung der Lage, und die werden wir gemeinsam vornehmen.“
Merz und sein Team fürchten bei den drei Landtagswahlen 2024 in Brandenburg, Sachsen und Thüringen schlechte bis ungenügende Ergebnisse. In den drei Ländern könnte die AfD eine Mehrheit erreichen oder – wie in Sachsen – gleichauf zur CDU liegen. Wenn die CDU schlecht abschneide, hätten die Merz-Konkurrenten neue Argumente für ihre Kür.
Der CDU-Vorsitzende verteidigte zudem Äußerungen wie jene über „kleine Paschas“ oder die Bezeichnung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) als „Klempner der Macht“. „Der Oppositionsführer muss hin und wieder auch mal zugespitzt formulieren, damit ein Thema zum Thema wird. Und erst durch den Widerspruch wird es zum Thema.“ Er habe solche Themen gesetzt. Dies werde er auch künftig tun: „Ich werde mich nicht grundlegend verändern und verstellen. Ich bin so, wie ich bin mit allen meinen Stärken und meinen Schwächen. Das gehört dazu.“
Neben CSU-Chef Söder rechnen sich weiterhin Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und auch Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, unter bestimmten Konstellationen Chancen für die Kanzlerkandidatur der Union aus. Wüst und Günther gelten beide als „Merkelianer“.
Er fühle sich fit, sagte Merz weiter. Als er kürzlich mit einem Eurofighter der Bundeswehr mitfliegen wollte, sei er im Flugmedizinischen Zentrum der Bundeswehr „sieben Stunden lang durchgecheckt worden – und es hat keine Beanstandung gegeben“. (dpa/UK)