1. Startseite
  2. >
  3. Deutschland & Welt
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. Affäre um Sexualstraftäter: Was in den neu veröffentlichten Epstein-Files drinsteckt

Affäre um Sexualstraftäter Was in den neu veröffentlichten Epstein-Files drinsteckt

Das US-Justizministerium hat etliche weitere Epstein-Akten veröffentlicht. Was aus dem Wust der Dokumente nun für Aufmerksamkeit sorgt.

Von Patricia Bartos und Nick Kaiser, dpa Aktualisiert: 31.01.2026, 14:12
Die Veröffentlichung der Epstein-Akten wird seit langem gefordert - und hat auch Trump unter Druck gesetzt. (Archivbild)
Die Veröffentlichung der Epstein-Akten wird seit langem gefordert - und hat auch Trump unter Druck gesetzt. (Archivbild) Mehmet Eser/ZUMA Press Wire/dpa

Washington/London - Mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten, Tausende Videos und weit mehr als 100.000 Fotos: Das US-Justizministerium hat weitere Ermittlungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Für Aufsehen sorgen dieses Mal insbesondere E-Mails mit mächtigen Männern - darunter Tech-Milliardär Elon Musk und der britische Ex-Prinz Andrew. 

Neben E-Mails sind unter anderem Gerichtsdokumente, ärztliche Gutachten und Ermittlungsunterlagen veröffentlicht worden. Der stellvertretende US-Justizminister Todd Blanche sagte, auch pornografisches Material sei unter den Dateien. Insgesamt sind mittlerweile elf Datensätze auf der Webseite des Justizministeriums zu finden. Mit der Veröffentlichung der ersten Akten hatte das Justizministerium Ende Dezember begonnen.

Prominente ausdrücklich nicht unkenntlich gemacht

Viele der neuen Dateien reichen mehr als ein Jahrzehnt zurück und werfen Licht auf die Beziehungen des Sexualstraftäters, nachdem er bereits 2008 zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Auch zahlreiche unkenntlich gemachte Dokumente sind zu finden. Geschwärzt habe man unter anderem persönliche Daten von Opfern. Von der Veröffentlichung ausgenommen wurde auch pornografisches Material, auf dem Kinder zu sehen seien, sowie alles, was die Ermittlungen auf Bundesebene behindern könne, hieß es. 

Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. 2019 kam er im Alter von 66 Jahren in einer Gefängniszelle zu Tode. Besonders groß ist das Interesse an dem Fall, weil Epstein beste Kontakte in die High Society hatte. Das brachte zahlreiche Spekulationen über die Tragweite des Skandals mit sich. 

Oft kam die Frage auf, welche Promis in Epsteins Machenschaften verwickelt gewesen sein könnten - dabei fiel auch der Name des US-Präsidenten Donald Trump. Der hatte im Wahlkampf zwar die Freigabe aller Akten versprochen, wehrte sich nach Amtsantritt aber lange dagegen. Letztlich wurde die Veröffentlichung erst per Gesetz im November 2025 verfügt. 

Das Ministerium stellte nun klar, dass „bekannte Persönlichkeiten und Politiker“ ausdrücklich nicht unkenntlich gemacht worden seien. Vizeminister Blanche betonte zudem, dass es kein Eingreifen des Weißen Hauses gegeben habe.

Musk und Epstein schrieben sich E-Mails

Zu den bekanntesten Namen in den neu veröffentlichten Unterlagen gehören zwei der reichsten Menschen der Welt, die Tech-Milliardäre Elon Musk und Bill Gates. Von Musk gibt es unter anderem einen E-Mail-Austausch aus dem Jahr 2012 mit Epstein, in dem Musk anscheinend einen Besuch auf Epsteins Insel organisiert und diesen fragt, an welchem Tag die „wildeste Party“ dort steigen werde.

Musk betonte auf seiner Plattform X, nur sehr wenig Kontakt zu gehabt zu haben. Er sei sich bewusst gewesen, „dass einige E-Mail-Korrespondenzen mit ihm falsch interpretiert und von Kritikern dazu benutzt werden könnten, meinen Namen zu beschmutzen“.

Der Name von Microsoft-Gründer Gates kommt in zwei E-Mails vor, die 2013 offenbar von Epstein an sein eigenes Konto geschickt wurden, wie US-Medien berichten. Darin gibt Epstein an, Gates Medikamente besorgt zu haben, „um mit den Folgen von Sex mit russischen Mädchen fertig zu werden“.

In einer Stellungnahme, aus der mehrere Medien zitieren, sagte ein Gates-Sprecher: „Diese Behauptungen – von einem erwiesenen, verärgerten Lügner – sind absolut absurd und völlig falsch.“ 

Die reine Nennung oder Abbildung in den Epstein-Akten ist kein Hinweis auf ein Fehlverhalten. Viele der bereits früher identifizierten Personen stritten eine Verstrickung in Epsteins kriminelle Machenschaften stets ab. 

Auch Trump kommt wieder vor

Der Name des US-Präsidenten kommt in den neuen Akten häufig vor - nach Angaben der „New York Times“ in mindestens 4.500 Dokumenten. Trump kannte Epstein gut, wie frühere Fotos der beiden zeigen. Allerdings gibt es keine Hinweise auf eine Verwicklung des Republikaners in den Skandal. Der US-Präsident bestreitet jegliche Verwicklung in die kriminellen Machenschaften.

Für Aufsehen in zahlreichen Medien sorgte etwa eine FBI-Liste mit Anschuldigungen gegen Trump, die bei der US-Bundespolizei eingegangen waren. Vom Justizministerium hieß es, einige der Dokumente enthielten unwahre Behauptungen gegen Trump, die dem FBI kurz vor der Wahl 2020 vorgelegt worden seien. 

Auch US-Handelsminister Howard Lutnick kommt in den Unterlagen vor. In einer E-Mail von 2012 scheint er den Medienberichten zufolge einen Besuch auf Epsteins Insel zu planen. Lutnick hatte vergangenes Jahr in einem Podcast über Epstein gesagt, er habe schon 2005 entschieden, mit dieser „widerlichen Person“ nie wieder in einem Raum sein zu wollen.

Brisante Mails zu Ex-Prinz Andrew

Die neuen Akten scheinen auch Einblick in Epsteins Korrespondenz mit dem früheren britischen Prinzen Andrew (65) zu geben. Britische Medien stürzten sich auf zahlreiche E-Mails und mehrere Bilder, die Andrew auf allen Vieren gebeugt über eine junge Frau, deren Gesicht geschwärzt ist, zeigen sollen. 

Wegen seiner Verwicklung in den Missbrauchsskandal waren dem Ex-Prinzen zuletzt alle Titel, Ehren und Auszeichnungen entzogen worden. Er heißt nur noch Andrew Mountbatten-Windsor, die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im Epstein-Skandal weist er zurück. Auch bei den vergangenen Veröffentlichungen kam er bereits - etwa mit Bildern - vor.

Aus einem E-Mail-Verlauf aus dem Jahr 2010 scheint etwa hervorzugehen, dass Epstein für Andrew ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelte - kurz nachdem der US-Amerikaner seine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte. Andere Mails legen nahe, dass es sich bei einem mysteriösen Kontakt der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell namens „The Invisible Man“ (Der unsichtbare Mann) um Andrew handeln könnte. 

Ministerium: Sind unserer Verpflichtung nachgekommen

Mit der jetzigen Veröffentlichung sei die Sichtung und Überprüfung der Unterlagen beendet, sagte Vize-Justizminister Blanche. Das Ministerium sei damit nun seiner Verpflichtung nachgekommen. Dass der letzte Schwall an Akten das Ende der jahrelangen Debatte um die Veröffentlichung der Epstein-Files ist, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

Mehrere Demokraten kritisieren immer wieder, dass das Ministerium viel zu viele Dokumente ohne angemessene Begründung nicht online gestellt habe. Für Ärger sorgte auch, dass die festgelegte Frist zur Veröffentlichung längst abgelaufen ist und viele Dokumente komplett geschwärzt sind.