Startup

Eine Million Euro für eine gute Idee

Deutschlandweit nutzen 10 000 Studenten UniNow. Die Magdeburger Tobias Steenweg und Stefan Wegener haben die App entwickelt.

Magdeburg l Ein Firmenschild haben Tobias Steenweg und Stefan Wegener noch nicht an die Tür zu ihren neuen Büroräumen in der Magdeburger Innenstadt angebracht. Beim Eintritt in die Zimmer grüßen Steenweg (27) und Wegener (24) freundlich. „Wir sind erst vor wenigen Wochen eingezogen“, sagt Wegener. Ein heller Raum ist das Zentrum der jungen Firma. Hier sitzen die beiden Gründer mit ihren vier Mitarbeitern an mehreren Tischen, die zu einer großen Arbeitsfläche zusammengeschoben worden sind.

Erst im Februar haben Steenweg und Wegener UniNow gegründet. Kurz darauf ist ein Investor mit einer Million Euro in das Unternehmen eingestiegen und hat 20 Prozent der Anteile erworben. UniNow wird das Leben vieler Studenten vereinfachen, sagen die Gründer. Mit dem Programm, das Steenweg und Wegener entwickelt haben, können Informationen wie Noten, Speisepläne aus Hochschul-Mensen oder Stundenpläne abgerufen werden. Rund 10 000 Studenten von neun Hochschulen nutzen derzeit bereits die App. Tendenz steigend. „Uns erreichen täglich 30 bis 50 Anfragen von Studenten, die nachbohren, wann UniNow endlich an ihrer Hochschule verfügbar ist“, sagt Tobias Steenweg.

Bis zum 30. April wollen die Magdeburger UniNow deutschlandweit für 50 Hochschulen anbieten. „Bis zum Ende des Jahres sollen Studenten der 100 größten Hochschulen in Deutschland unsere App nutzen können“, sagt Steenweg. Die potenziellen Nutzerzahlen sind noch größer. Deutschlandweit gibt es rund 400 Hochschulen. UniNow können viele Studenten gut gebrauchen, glauben Steenweg und Wegener. „Die Informationen können zu jeder Zeit abgerufen werden. Ich kann zum Beispiel meine ausgeliehenen Bücher aus der Bibliothek verlängern während ich an der Bushaltestelle auf den Bus warte“, erklärt Stefan Wegener.

Eine vergleichbare App gibt es deutschlandweit noch nicht. Steenweg und Wegener selbst waren es, die 2012 für die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ein ähnliches Programm entwickelt haben. „Irgendwann nutzen dann etwa 7000 Studenten die App. Das war unsere Basis. Wir wussten, dass wir weitermachen müssen“, erklärt Tobias Steenweg. Er und sein Kollege bekommen wenig später ein Stipendium, mit dem sie die Gründung ihres Unternehmens vorbereiten können.

Auf dem Investforum im vergangenen Jahr in Halle stellen Steenweg und Wegener ihre Idee vor Investoren vor. Mit Erfolg: Seit Februar hält die landeseigene Investitions- und Beteiligungsgesellschaft IBG 20 Prozent an UniNow. Die Fonds werden seit einigen Monaten von dem Berliner Beteiligungsmanagement BMP verwaltet. „Das sehr professionelle und aktive Team von UniNow hat uns gut gefallen“, sagt Jan Alberti, der die Magdeburger für BMP managt. „ Die Technik, die entwickelt wurde, ist skalierbar. Das heißt, es besteht die Möglichkeit, viele Hochschulen dazuzuschalten und so sehr viele User anzubinden“, erklärt der 36-jährige Investor. Er wird Tobias Steenweg und Stefan Wegener bei der weiteren Entwicklung des Unternehmens unterstützen.

Die Gründer tüfteln bereits an neuen Ideen für UniNow. Bald soll die App um Erinnerungsfunktionen für Fristen etwa für Prüfungen oder die Rückmeldungen für Sommer- und Wintersemester erweitert werden. Aber auch die Frage, wie mit ihrer Idee Geld zu verdienen ist, treibt die Entwickler um. Denn schwarze Zahlen schreibt die junge Firma bislang nicht. „Unser Fokus liegt momentan auf dem Wachstum von UniNow. Aber künftig wollen wir, dass Unternehmen Angebote für Praktika oder Jobs in der App präsentieren“, erklärt Tobias Steenweg. Die Funktion des „Mobile Recruiting“ soll für Einnahmen sorgen. Für Studenten soll die App kostenlos bleiben. Auch auf Werbung wollen die Magdeburger verzichten.

In den UniNow-Büros sollen bald weitere Beschäftigte arbeiten. „Bis Ende des Jahres wollen wir auf acht Mitarbeiter wachsen“, sagt Steenweg. Er hat auch den internationalen Markt im Blick: Perspektivisch könnte die App aus Magdeburg bald auch von Hochschulen in anderen Ländern genutzt werden.