Existenzgründer

In Hausschuhen nach Europa

UniNow aus Magdeburg ist rasant gewachsen. Innerhalb eines Jahres haben rund 100 000 Studenten die App installiert.

Magdeburg l Im vergangenen Sommer drohten deutsche Hochschulen sogar mit Exmatrikulation, sollten Studenten die App UniNow benutzen, um Noten, Seminarzeiten oder Mensapläne abzurufen. Das Übermitteln von Daten wie Matrikelnummer, Passwort und Benutzername sei durch die Nutzungsordnungen verboten, argumentierten die Universitäten. Auf den eigenen Portalen zeigten die Hochschulen den UniNow-Usern die rote Karte, sperrten Accounts oder zeigten bewusst falsche Daten an.

Der Gegenwind aus der deutschen Hochschullandschaft hat dem Magdeburger Startup geholfen. „Das strikte Verbot einiger Universitäten war für uns Werbung und hat viele Studenten animiert, unsere App herunterzuladen“, sagt Tobias Steenweg, einer der Gründer von UniNow. Der 28-Jährige versuchte gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Wegener die Wogen zu glätten.

Die UniNow-Geschäftsführer schrieben einen Brief an alle deutschen Hochschulen, sprachen mit größeren Universitäten und Datenschutzbeauftragten. Am Ende stand ein Kompromiss: Daten der Studenten werden nach einem Update nur noch zwischen App und Hochschul-Servern ausgetauscht. Bislang wurden einige Informationen auch bei UniNow zwischengespeichert. Mit dem neuen Verfahren dauert die Abfrage der Daten aber länger. Zudem wird mehr mobiles Datenvolumen verbraucht. „Das ist absolut nicht die Ideallösung. Deswegen sind wir in Gesprächen und versuchen Hochschulen als Kooperationspartner zu gewinnen“, sagt Stefan Wegener. Die Daten der Studenten seien sicher und würden nicht weiterverarbeitet, betonten die Magdeburger. Den offiziellen Nachweis lassen sich die Gründer eine fünfstellige Summe kosten: Der TÜV soll den hohen Standard beim Datenschutz bescheinigen.

2017 soll für UniNow ein Jahr des Aufbruchs werden. Derzeit tüfteln elf Mitarbeiter an der Zukunft des Startups. Das gemietete Vier-Raum-Büro in der Nähe des Magdeburger Hasselbachplatzes wird wohl bald zu klein sein. Flache Hierarchien, schnelle Entscheidungen und eine lockere Atmosphäre zeichnen die junge Firma aus: Bei ihrer Arbeit tragen die Angestellten bequeme Hausschuhe. In den weichen Puschen soll der Sprung ins Ausland gelingen. „Für die Expansion nach Europa brauchen wir noch mal Geld“, sagt Tobias Steenweg. Vor der Gründung der Firma im Frühjahr 2016 war das Startup bereits mit rund einer Million Euro finanziert worden. Sachsen-Anhalts landeseigene Investitions- und Beteiligungsgesellschaft IBG hatte 20 Prozent der Unternehmensanteile gekauft.

Ende dieses Jahres soll für UniNow nun die nächste Finanzierungsrunde anstehen. Zwei bis drei Millionen Euro wollen die Gründer einsammeln, um ihren Traum der europaweiten App finanzieren zu können. Bis dahin wollen die Gründer weitere Hausaufgaben erledigen. In den kommenden Wochen wird in der App eine neue Funktion freigeschaltet, mit der UniNow endlich Geld verdienen will. Per „Mobile Recruiting“ sollen Unternehmen Stellenanzeigen schalten können. „Junge Leute bewegen sich heute viel stärker als früher im Umfeld Smartphone und wollen da auch ihren Job finden“, sagt Stefan Wegener. 30 Firmenkunden wollen die UniNow-Gründer in den kommenden drei Monaten für ihre Idee begeistern.