Rausschmiss in der Energiekrise?

Nach Empörung über Vonovia: Vermieter-Chef rudert zurück

Mit einer Formulierung in einem Dokument für Investoren hat Großvermieter Vonovia für viel Empörung gesorgt. Darin heißt es, dass Vonovia sich vorbehalte, Mieter auf die Straße zu setzen, wenn sie aufgrund der hohen Nebenkosten zwei Monatsmieten in Rückstand sind. Nun rudert der Unternehmenschef zurück.

28.09.2022, 14:28
Viele Mieter in Deutschland fürchten die nächste Nebenkostenabrechnung. Drohen dann Mietschulden und die Kündigung der Wohnung? 
Viele Mieter in Deutschland fürchten die nächste Nebenkostenabrechnung. Drohen dann Mietschulden und die Kündigung der Wohnung?  Foto: IMAGO/Rene Traut

Magdeburg/DUR/slo/dpa – Der Chef des Wohnungskonzerns Vonovia hat Aussagen dementiert, wonach sich sein Unternehmen in der aktuellen Energiekrise auch vorbehalte, säumige Mieter aus ihren Wohnungen zu werfen. Bei einer Veranstaltung für Investoren, dem „Capital Markets Day“ hatte Vonovia mitgeteilt, dass man sich bei säumigen Mietern auch einen Rauswurf vorbehalte. "Letzter Ausweg: Versendung der Räumungsaufforderung", heißt es da.

Als Grenze wurde dabei der Betrag von zwei Monatsmieten genannt. Bei den aktuell explodierenden Energiepreisen, die sich bei vielen Anbietern mehr als verdoppeln, könnte daher jede Nebenkostenabrechnung das Aus bedeuten. Zur Gefahr für Mieter könnten auch erhöhte Abschläge werden. In einigen Regionen hatte Vonovia diese kürzlich verdoppelt.

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Vonovia droht Mietern mit Rauswurf - Chef rudert jetzt zurück

Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch ruderte am Mittwoch jedoch zurück: "Bei uns wird niemand eine Wohnung verlieren, nur weil die Heizkosten nicht gezahlt werden können“, sagte er der „Welt“. Vielmehr strebe sein Unternehmen Hilfe für diejenigen an, die Probleme haben, die höheren Heizkosten zu zahlen. So wolle Vonovia zum Beispiel Mietern helfen, mögliche staatliche Hilfen zu beantragen. Den Rauswurf müsse nur befürchten, wer keinerlei Bereitschaft zeige, seine Mietschulden zu zahlen.

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Man kümmere sich intensiv um einzelne Fälle, in denen Mieter wegen hoher Energiepreise in Schwierigkeiten geraten seien. Notfalls können Vereinbarungen über Ratenzahlungen getroffen werden. Der Konzern helfe auch bei der Suche nach staatlichen Unterstützungsleistungen. „Eine Kündigung wegen hoher Energiekosten werden wir nicht aussprechen.“

Gefahr hoher Nebenkosten: Extra-Schutz für Mieter?

Mit rund 500.000 Wohnungen in ganz Deutschland gilt Vonovia als größter Vermieter in Deutschland.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hatte kürzlich angekündigt, sie wollen Mieter angesichts der rasant steigenden Strom- und Heizkosten besser vor Kündigungen ihrer Verträge wegen Zahlungsrückständen schützen. Niemand solle wegen krisenbedingter Zahlungsprobleme seine Wohnung verlieren, hatte auch der Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), Axel Gedaschko, gesagt.