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Sekt-Kultmarke aus der DDR Von der ersten Flasche bis zum Marktführer: Wie Rotkäppchen zum Verkaufsschlager wurde

Sekt von Rotkäppchen ist nicht nur ein prickelnder Begleiter zu Feiern und Festtagen, sondern auch ein Stück deutscher Kulturgeschichte. Die Marke überdauerte mehr als 160 Jahre  und damit turbulente Zeiten – von der Gründerära über die DDR-Planwirtschaft bis zur gesamtdeutschen Marktführerschaft.

Von Florian Zellmer 09.01.2026, 18:40
Sektflaschen laufen in der Rotkäppchen Sektkellerei in Freyburg über das Fließband und werden verpackt.
Sektflaschen laufen in der Rotkäppchen Sektkellerei in Freyburg über das Fließband und werden verpackt. Foto: dpa

Freyburg. – Produkte aus der DDR verbinden viele Menschen mit Erinnerungen an Alltag, Feiern und Familie. Während zahlreiche Marken nach 1990 vom Markt verschwanden, gelang es ein paar wenigen, sich neu zu erfinden und bundesweit zu etablieren. Rotkäppchen-Sekt ist eines der bekanntesten Beispiele dafür.

Was einst als regionales Produkt begann, entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg zu einer Marke, die politische Systeme überdauerte und sich immer wieder an neue wirtschaftliche Bedingungen anpasste.

Rotkäppchen-Sekt als Kultgetränk zu verschiedenen Anlässen

Rotkäppchen-Sekt ist ein klassischer deutscher Schaumwein, hergestellt nach traditionellen Methoden der Flaschengärung in Kombination mit modernen Verfahren zur Sicherstellung gleichbleibender Qualität.

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Die Marke deckt ein breites Sortiment ab: vom klassischen halbtrockenen Sekt über brutige Varianten bis zu Premium-Cuvées und besonderen Editionen. Diese Vielfalt macht Rotkäppchen sowohl im Alltag als auch zu besonderen Anlässen beliebt – ob Geburtstag, Hochzeit oder Silvester.

Ursprung im 19. Jahrhundert: Freyburg und die ersten Flaschen Sekt

Die Geschichte des prickelnden Getränks beginnt im Jahr 1856, als Moritz und Julius Kloss gemeinsam mit Carl Foerster im Weinbaugebiet Saale-Unstrut in Freyburg eine Weinhandlung gründeten, aus der bald eine Sektproduktion hervorgehen sollte.

Schon zwei Jahre später füllten sie die ersten Flaschen Sekt ab – ein prickelnder Wein, der anlässlich der Hochzeit eines der Gründer seine Jungfernöffnung erlebte und bei den Anwesenden für große Begeisterung sorgte.

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Ursprünglich trugen die Produkte französisch klingende Namen wie Crémant Rosé, doch nach einem Markenstreit übernahmen die Freyburger Winzer 1895 den Namen "Rotkäppchen", inspiriert von der roten Kapsel auf den Flaschen der Marke, die bis heute ein Markenzeichen geblieben ist.

Wofür diese rote Kappe neben dem Designaspekt besonders gut ist, ist im folgenden Video zu sehen.

Durch Kriege, Wirtschaft und Enteignung: Entwicklung bis zur DDR

Die Sektkellerei überstand sowohl den Ersten als auch den Zweiten Weltkrieg und gehörte bereits 1904 zu den zehn größten Sektkellereien im Deutschen Reich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen 1948 unter sowjetischer Verwaltung verstaatlicht und firmierte fortan als VEB Rotkäppchen-Sektkellerei Freyburg/Unstrut.

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In der DDR wurde Rotkäppchen zu einem Musterbetrieb mit hohen Produktstandards. Besonders ab den 1960er-Jahren wurde an der Qualität gearbeitet, und in den 1980er-Jahren wurden dort bis zu 38 verschiedene Sektsorten pro Jahr mit einem Absatz von mehr als 15 Millionen Flaschen produziert.

Nach der Wende: Rotkäppchen Sektkelterei lässt sich nicht unterkriegen

Mit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung 1989/90 brach der Absatz zunächst ein, da viele ostdeutsche Verbraucher westdeutsche Produkte ausprobieren wollten und Rotkäppchen seine Absatzwege verlor.

Unter Regie der Treuhandanstalt wurde das Unternehmen 1990 in eine GmbH überführt und nach einer Phase der Investitionen und Modernisierung 1993 privatisiert.

Die Marke gewann danach schnell wieder an Boden: Bereits 1995 war Rotkäppchen in den neuen Bundesländern der meistverkaufte Sekt, ab 2001 auch in ganz Deutschland.

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Marktführer und Expansion: Über 330 Millionen Flaschen Umsatz im Jahr

Im Rahmen seiner Expansion übernahm Rotkäppchen 2002 die Traditionsmarke "Mumm" samt weiterer Produktionsstandorte in Eltville und Hochheim am Rhein, sowie 2003 die Privatsektkellerei Geldermann in Breisach.

Silvia Wiesner ist Vorsitzende der Geschäftsführung der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien,
Silvia Wiesner ist Vorsitzende der Geschäftsführung der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien,
Foto: Frank Röth

Das Unternehmen Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH mit Sitz in Freyburg (Unstrut) ist damit heute einer der größten Hersteller von Sekt, Wein und Spirituosen in Deutschland, mit Standorten in ganz Deutschland und verschiedenen Ländern Europas.

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Mit über 330 Millionen Flaschen Umsatz und einer breiten Markenpalette rund um prickelnde Genussmittel ist Rotkäppchen nicht nur Marktführer im heimischen Sektsegment, sondern zugleich ein Symbol deutscher Getränkekultur.