Berlin (dpa) l Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag mit einem Auto auf der Berliner Stadtautobahn kommt der Tatverdächtige in die Psychiatrie. Das entschied ein Haftrichter am Mittwochabend (19. August). Am Donnerstag setzen die Sicherheitsbehörden ihre Ermittlungen gegen den 30-Jährigen fort. Gegen den Iraker wird wegen versuchten Mordes ermittelt - er sitzt nun vorerst im Maßregelvollzug.

Der Täter hatte mit seinem Wagen mehrfach Fahrzeuge gerammt und sechs Menschen verletzt, drei davon schwer. Dabei hatte der Angreifer "quasi Jagd" auf Motorradfahrer gemacht, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte. Ein Motorradfahrer hatte schwerste Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule erlitten. Die Sicherheitsbehörden werteten die Kollisionen als gezielte Anschläge mit einem islamistischen Hintergrund.

Feuerwehrmann auf Intensivstation

Ein schwer verletzter Feuerwehrmann wird unterdessen weiter auf einer Intensivstation behandelt. "Sein Zustand ist ernst, wir sind in Gedanken bei ihm und hoffen das Beste", sagte ein Feuerwehrsprecher am Donnerstagmorgen der dpa. Die Behörde sei auch im engen Kontakt mit der Familie des Kollegen.

Der Iraker ist laut Staatsanwaltschaft in Deutschland geduldet, darf also bis auf Weiteres nicht abgeschoben werden. Nach Angaben aus Berliner Senatskreisen kam er als Asylbewerber ins Land, sein Asylantrag wurde allerdings abgelehnt. Demnach war zunächst noch unklar, wann er nach Deutschland kam. Nach Fotos von seinem Facebook-Profil war er mindestens 2016 schon in Berlin. Die Facebook-Seite ist inzwischen gesperrt.

Kein Netzwerk bekannt

Anhaltspunkte für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sahen Generalstaatsanwaltschaft Berlin und Polizei nicht. "Nach gegenwärtigen Erkenntnissen gibt es kein Netzwerk, das im Hintergrund arbeitet, aber wir werden sehen, was da noch an Ermittlungsergebnissen kommt", sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) der RBB-"Abendschau" am Mittwochabend. Dem Berliner Staatsschutz war der mutmaßliche Täter demnach nicht bekannt.

Seit 2018 tauchte der Mann laut Generalstaatsanwältin Margarete Koppers als Verdächtiger in mehreren Fällen von Körperverletzung und wegen eines Angriffs auf Vollstreckungsbeamte auf. Demnach war er zeitweise in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Gebetsteppich ausgerollt

Nach der Crashfahrt drohte der Mann mit einer vermeintlichen Munitionskiste, in der später nur Werkzeug gefunden wurde. Der Mann rief laut Koppers zudem mehrfach "Allahu Akbar" und sagte auf Arabisch, dass alle sterben würden. Er habe ein Küchenmesser dabei gehabt und einen Gebetsteppich ausgerollt und sich darauf niedergelassen. Ein Polizist, der Arabisch spricht und mit als erster am Tatort war, nahm ihn fest.

Vor der Tat veröffentlichte der mutmaßliche Fahrer im Internet Hinweise darauf. Auf seiner Facebook-Seite postete er Fotos des späteren Tat-Autos sowie religiöse Sprüche, in denen auch das Wort "Märtyrer" vorkommt. Nach Angaben auf seinem Facebook-Profil studierte der mutmaßliche Täter Design. Er postete dort im März 2015 ein Foto vom Abschlusstag an einer irakischen Kunstakademie.