Berlin (dpa) l Verbrechen lohnt sich nicht, sagt eine Floskel. Auf alle Taten trifft das leider nicht zu. Die meisten Diebstähle, Einbrüche oder Fälle von Drogenhandel haben nur niedrige Aufklärungsquoten. Viele Täter bleiben eine längere Zeit unentdeckt. Bei Gewalttaten sieht es aus Sicht der Polizei viel besser aus. Gerade bei schweren Verbrechen wie Totschlag und Mord werden fast alle Täter gefasst. Aber selbst hier scheitern manche Ermittlungen. Spuren verlaufen im Sand. Oder es gibt einen Verdächtigen, dem man aber nichts nachweisen kann.

Unter den offenen Fällen, die die Berliner Mordkommissionen noch im nächsten Jahr beschäftigen werden, sind auch spektakuläre Taten der letzten Zeit: das Verschwinden der 15-jährigen Rebecca im Frühjahr 2019, bei dem die Polizei von einem Verbrechen ausgeht, oder der Mord an dem 36-jährigen Nidal R., einem Berufsverbrecher aus einer arabischstämmigen Großfamilie, im Herbst 2018. Aber auch der tödliche Bombenanschlag auf das Auto eines Drogenhändlers im Frühjahr 2016.

Rebecca seit Februar 2018 verschwinden

Am 18. Februar 2020 jährt sich der Tag des Verschwindens von Rebecca aus Berlin-Neukölln. Eine Lösung des Falls ist auch nach zehn Monaten Ermittlungen nicht in Sicht. Die Schülerin wurde am 18. Februar zuletzt im Haus ihrer ältesten Schwester und ihres Schwagers gesehen. Die Polizei nimmt an, dass sie getötet wurde. Der Verdacht fiel auf Rebeccas Schwager. Er war kurz in Untersuchungshaft, kam aber mangels Beweisen wieder frei.

Mehr als 2300 Hinweise gingen bei der Mordkommission ein. Wochenlang suchte die Polizei im Frühjahr aufwendig mehrere Wälder und Seen in Ost-Brandenburg mit Hunden, Booten und Tauchern nach der Leiche des Mädchens ab. Auf der dortigen Autobahn war das Auto der Familie nach dem Verschwinden zweimal registriert worden. Die Suche blieb ohne Ergebnis. Auch eine erneute Suchaktion im Herbst brachte nichts. Wie die Kripo nun weiter vorgeht, wird nicht verraten.

Auch ein anderer spektakulärer Mordfall, der sich bereits im September jährte, bereitet der Berliner Polizei weiter Kopfzerbrechen. Am 9. September 2018 erschossen mehrere Männer den Intensivtäter Nidal R. vor zahlreichen Zeugen am Tempelhofer Feld. Auch hier soll die Polizei konkrete Verdächtige kennen. Nach Zeitungsberichten könnte es sich bei dem Mord um einen Racheakt gehandelt haben. Nidal R. soll zwei Tage zuvor bei einer großen Hochzeitsfeier einen anderen Mann beschimpft und zusammengeschlagen haben. Dessen Familie soll Rache geschworen haben. Beweise, die Täter überführen könnten, fehlen aber offenbar weiterhin.

Die Hintergründe der Explosion, die im März 2016 ein fahrendes Auto in Charlottenburg zerstörte und den Fahrer tötete, sind juristisch noch nicht geklärt. Der Tote soll enge Kontakte zum internationalen Drogenhandel gehabt haben. Kripo und Staatsanwaltschaft teilen zwar über eine Senatsantwort auf eine parlamentarische Anfrage mit, dass es einige "bislang gewonnene Erkenntnisse" und "verfahrensrelevante Informationen" gebe. Aber öffentlich könne man nicht darüber sprechen, weil "insbesondere die Gefahr" bestehe, "dass potenzielle Zeugen in ihrem Aussageverhalten beeinflusst werden" – also aus Angst für immer schweigen oder ganz verschwinden.

Auch aus noch früheren Jahren bleiben ungelöste Mordfälle in Erinnerung:

- Ein 26 Jahre alter spanischer Student wird im November 2015 an einer Bushaltestelle in Kreuzberg erstochen.

- Im April 2012 erschießt ein unbekannter Mann den 22-jährigen Burak B. auf der Straße in Neukölln.

- Eine Joggerin wird im Juni 2009 im Spandauer Forst ermordet.

Erst kürzlich veröffentlichte der Senat Zahlen als Antwort auf eine Anfrage aus dem Abgeordnetenhaus. 57 Morde aus den vergangenen 50 Jahren wurden nicht vollständig aufgeklärt. Weil Mord nicht verjährt, werden diese Akten nie völlig geschlossen. Immer wieder nimmt sich die Kripo solcher Fälle an. Alte Spuren werden neu analysiert. Und manchmal finden die Labore DNA-Reste, die zu Verdächtigen führen. Und 30 oder 40 Jahre nach einem Verbrechen steht plötzlich die Polizei vor der Tür.