Berlin (dpa) l Es ist ein etwas seltsames Bild, wenn 150 Polizisten in Berlin die Beerdigung eines stadtbekannten Kriminellen bewachen. Es ist viel Aufmerksamkeit für Nidal R., Mitglied eines arabischstämmigen Clans. Bis zu 2000 Trauergäste strömen am Donnerstag zu der Bestattung des 36-Jährigen auf den Schöneberger Friedhof.

Nidal war am Sonntag mitten am Tag in Neukölln angeschossen worden. Er starb wenig später im Krankenhaus. Vor der Klinik versammelte sich eine aufgebrachte Menge. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Zur Trauerfeier kommen vor allem Männer. Alles verläuft ohne Störungen, meldet die Polizei gegen Mittag erleichtert. Beim Verabschieden vor dem Friedhof demonstrieren viele Männer, darunter Clan-Größen nicht nur aus Berlin, Verbundenheit – Schulterklopfen, Händeschütteln, Küsschen.

Experten befürchten Eskalation

Nidal R. war nahe dem Tempelhofer Feld vor den Augen seiner Familie niedergeschossen worden. Die Ermittler gehen von drei Tätern aus, die aus nächster Nähe acht Kugeln auf das Mitglied einer arabischen Großfamilie abfeuerten. Die drei sind bislang nicht gefasst. Das Fluchtauto wurde ausgebrannt entdeckt. Sicherheitsexperten befürchten nach der tödlichen Attacke eine Eskalation der Gewalt zwischen kriminellen Clan-Mitgliedern.

Schüsse beim Sonntagsspaziergang nahe eines beliebten Parks – das ist für die Hauptstadt eine neue Dimension von Gewalt. Die Hintergründe aber sind noch unklar. Ein Clan-Krieg? Ein privater Racheakt? Oder werden Reviere der Kriminellen neu abgesteckt?

Die Tat wirft erneut ein Schlaglicht auf kriminelle Clans in der Hauptstadt. Auch wenn die Polizei sie nicht so nennt. Immer wieder geht es um Geldwäsche, Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Menschenhandel und Korruption. Allein im vergangenen Jahr richteten sich 14 der 68 größeren Ermittlungsverfahren zur organisierten Kriminalität gegen Banden mit arabisch-libanesischstämmigen Mitgliedern.